Sonntag, 18. Oktober 2026

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Immer mehr Defizite bei Kindern

<p align="center">Das Gesundheitsamt des Landkreises Zwickau schlägt Alarm: Aussprache, Stift halten, Zahlen erkennen - Kinder entwickeln sich immer schlechter.</p>

Von Redaktion Regionalspiegel

· 3 Min. Lesezeit

Werden die Kinder zu sehr in Watte gepackt? Nach Aussagen von Amtsärztin Carina Pilling ist das durchaus der Fall. Das Resultat: Vor allem Sprachdefizite und Störungen in der Motorik. Foto: PublicDomainPictures/pixabay.com
Werden die Kinder zu sehr in Watte gepackt? Nach Aussagen von Amtsärztin Carina Pilling ist das durchaus der Fall. Das Resultat: Vor allem Sprachdefizite und Störungen in der Motorik.
Foto: PublicDomainPictures/pixabay.com

Landkreis Zwickau. Die Kinder werden dicker, dümmer und unkoordinierter. Zudem werde nicht jedes Kind geimpft.Das geht aus dem Gesundheitsbericht des Landkreises hervor. Untersucht wurden dabei durchgängig 2.500 Kinder in Form der Kita-Untersuchung im 4. Lebensjahr, der Schulaufnahmeuntersuchung, im zweiten sowie im sechsten Schuljahr.

Bei der Kita-Untersuchung wurden bei 37 Prozent der Kinder Sprachentwicklungsstörungen, bei jeweils 16 Prozent Störungen der Grob- und Feinmotorik festgestellt. Bei den Schulaufnahmeuntersuchungen war zu 36 Prozent kein vollständiger Vorsorgestatus, der von den Kinderärzten durchgeführt wird, vorhanden. Blieben die Sprachentwicklungsauffälligkeiten etwa gleich der Kita-Untersuchung, verschlechterte sich bei den untersuchten Kindern die Feinmotorik um 38 Prozent. Die Kinder können bei der Vorschuluntersuchung beispielsweise den Stift nicht richtig halten, weder Formen erkennen, noch ein Bild fertig malen oder Präpositionen zuordnen.

„Der Bildungsstand hat sich eindeutig verändert und zwar zum negativen“, resümiert Carina Pilling, Amtsärztin des Landkreises Zwickau. Daran beteiligt sei so gesehen jeder, der mit Kindern zu tun habe. „Es gibt zwar einen

Die Amtsärztin des Landkreises Zwickau, Carina Pilling, zeigt auf dem Bild ein Sprach-Spiel. Dabei müssen die Kinder lediglich die kniffeligen Namen der lustigen Figuren nachsprechen. Das fällt vielen Kindern schwer. Foto: Alice Jagals
Die Amtsärztin des Landkreises Zwickau, Carina Pilling, zeigt auf dem Bild ein Sprach-Spiel. Dabei müssen die Kinder lediglich die kniffeligen Namen der lustigen Figuren nachsprechen. Das fällt vielen Kindern schwer. Foto: Alice Jagals

Bildungsplan und die Kitas haben ein entsprechendes Konzept, aber keiner kontrolliert das.“

Forderung nach qualifizierten Abschlüssen und Kontrolle
Demnach fehle es oftmals an der Qualität der Erzieher. Die Eltern tänzeln lediglich um das Kind herum. „Bei einer Zahnuntersuchung durch das Gesundheitsamt haben wir miterlebt, wie die Erzieherin den Kindern sagte, dass sie selbst entscheiden kònnen, ob sie mit malen wollen oder eben nicht. Hier fehlt einfach die Konsequenz. Man muss auch einmal ‚Nein‘ sagen können.“

Kluft ist zu groß
Somit weisen gerade einmal 17 Prozent der Kinder bei der Einschulung keine Defizite auf. „Die werden auch ihren Weg gehen. Das Problem ist, dass die mittlere Schicht fehlt“, so Pilling. Das Resultat: Immer mehr Kinder gehen auf eine Förderschule und die platzen mittlerweile aus allen Nähten“, so die Amtsleiterin weiter, die zudem betont, das eigentlich „nur“ ein Prozent der Kinder mit einer Behinderung geboren werden.

Im Untersuchungsjahr 2013/14 erhielten 88 Prozent der untersuchten Schulanfänger die ärztliche Schulempfehlung zur Einschulung in die Grundschule. Den anderen Kindern wurde der Besuch einer Integrationsklasse bzw. Einzelintegration, Sonderpädagogische Förderung oder die Rückstellung empfohlen. Der Anteil der Schulanfänger, die keine ärztliche Grundschulempfehlung erhielten, ist in den letzten Jahren leicht angestiegen.

Defizite bei der Einschulung
Eine Beeinträchtigung des Sehvermögens wurde bei fast jedem vierten Schulanfänger festgestellt, wobei sich mehr als die Hälfte dieser Kinder bereits in augenärztlicher Behandlung befindet. Ebenso häufig wurden Auffälligkeiten der Feinmotorik erfasst. Entwicklungsstörungen der Grobmotorik sind etwas seltener, sie treten bei jedem neunten Schulanfänger auf. Bei mindestens jedem achten Kind wurden emotional-psychosoziale Verhaltensauffälligkeiten festgestellt.

11 bis 48 Kilogramm zur Einschulung

Während die einen Kinder aus den Nähten platzen, müssen so manche den Gürtel, wörtlich genommen, enger schnallen. Mehr als neun Prozent der Schulanfänger sind übergewichtig, Mädchen etwas häufiger als Jungen. Das mittlere Gewicht eines Schulanfängers beträgt bei einer Körpergröße von 117 Zentimeter 22 Kilogramm. Die Spannbreite beim Gewicht reicht von 11 bis 48 Kilogramm.

Im Vergleich
Eltern und Erzieher müssen mehr in die Pflicht genommen werden. Es besteht keine Impfpflicht und U-Untersuchungen durch den Kinderarzt sind auch freiwillig.

Wenn man die Vergleichszahlen zur DDR-Bildung her nimmt, wird die negative Entwicklung deutlich: In den 1980er Jahren gab es Sprachdefizite bei sieben Prozent der Vorschulkinder. Unter Fettleibigkeit litten weniger als ein Prozent (heute 4 Prozent), acht Prozent hatten Sehschwierigkeiten (heute: 20 Prozent),und 2 Prozent besuchten die Sonderschule (heute: 7,7 Prozent).

Wissenswertes
Übrigens: Kinder, die einen starken Dialekt sprechen, können trotz allem die korrekte Rechtschreibung beherrschen. „Das ist wie mit Kindern, die bilingual aufwachsen“, sagt Pilling. Diese Kinder weisen oftmals sogar eine bessere Hirnentwicklung auf.“

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