Sonntag, 18. Oktober 2026

regionalspiegel. – Aktuelle Nachrichten, Verkehrsmeldungen und Events in Sachsen.

Kleiner Muck kommt auf die Greifensteine

Die Premiere des beliebten Orient-Märchens findet auf der Naturbühne am 6. Juli 2016 statt. Lesen Sie hier das große Interview mit Prof. Hans-Hermann Krug, der das Stück inszenierte.

Von Andre Kaiser

· 4 Min. Lesezeit

Prof. Hans-Hermann Krug mit dem Hauptdarsteller Michael Mehnert, der den Kleinen Muck spielt. Foto: Sabrina Langer
Prof. Hans-Hermann Krug im Gespräch mit dem Hauptdarsteller Mick Mehnert, der den Kleinen Muck spielt.
Foto: Sabrina Langer

Ein orientalisches Märchen auf den erzgebirgischen Greifensteinen? Prof. Hans-Hermann Krug, der „Die Geschichte vom Kleinen Muck“ inszenierte, erklärt im Interview, weshalb das keinesfalls ein Widerspruch ist und was ein Theaterstück besser kann als ein Film.

WS: „Die Geschichte vom Kleinen Muck“ ist den meisten wohl aus der erfolgreichen DEFA-Märchenverfilmung bekannt. Gehört sie auch zu Ihren Lieblingsmärchen?
Prof. Krug: Im Alter von etwa 9 Jahren war das Lesen von Märchen der verschiedensten Autoren meine literarische Spezialität. Bei Wilhelm Hauff war es wie selbstverständlich bis zum heutigen Tage „Die Geschichte vom Kleinen Muck“.

WS: Weshalb beschäftigten Sie sich mit der Inszenierung insbesondere dieses Märchens?
Prof. Krug: Das hatte seinen Grund in der Absicht, mit meinem Lieblingskomponisten Hans Auenmüller nach drei gemeinsamen Kinderopern für das Bergtheater zu Thale ein völlig neues Genre zu probieren. Wir waren auf der Suche nach einer besonderen musikalischen und szenischen Struktur, bei der wir ebenfalls auch in eine völlig andere Welt eintauchen konnten. Die fanden wir in dem orientalischen Märchen.

WS: Viele trickreiche Filmszenen bleiben in Erinnerung, nicht zuletzt die Schuhe des „Kleinen Mucks“. Verraten Sie uns, wie solche Szenen im Stück umgesetzt werden?
Prof. Krug: Film und Theater lassen sich leider (oder Gott-sei-Dank?) nicht miteinander vergleichen – zu unterschiedlich sind die Mittel, die für die Gestaltung gleicher oder ähnlicher Szenen eingesetzt werden müssen. Die minutiöse Studio- und Tricktechnik des Films ist nicht mit den Mitteln des Theaters in Übereinstimmung zu bringen, denn hier geschieht alles live. Und die Tricks, die wir hierbei anwenden, nein, die werde ich jetzt auf keinen Fall verraten.

WS: Welche Parallelen gibt es aber grundsätzlich zum Film?
Prof. Krug: Wir haben uns relativ streng an die von Hauff vorgegebenen Handlungsabläufe gehalten. An die Geschehnisse bei Frau Ahavzi, an den Wettlauf beim Emir und beim Entstehen und Wiederverlieren der Eselsohren.

WS: Was ist Ihre persönliche Lieblingsszene?
Prof. Krug: Als besonders vergnüglich empfinde ich die Episode, in der der Emir von der Bedeutung des Zauberstöckchens überzeugt wird und ganz nebenbei an sich selbst die Wirkung der alten Pantoffeln verspürt und laufen muss, laufen … laufen … laufen …

WS: Wen möchten Sie mit dem Stück ansprechen?
Prof. Krug: Die Musik spielt im Stück eine ganz wesentliche Rolle. Es wird ganz häufig gesungen, getanzt und viele musikträchtige Szenen mit Orchesterklängen untermalt.
Daher bin ich ganz sicher, dass Kinder UND Erwachsene aller Altersklassen an dem Stück Spaß, Vergnügen und ein großes Erlebnis bei dem Besuch der Aufführung haben werden.

WS: Die Rolle des „Kleinen Muck“ wird kein Schauspieler aus dem Stamm-Ensemble übernehmen. Wen haben Sie hierbei vorgesehen und warum?
Prof. Krug: Da das Märchen den Titel vom „KLEINEN Muck“ trägt, gäbe es nur zwei Möglichkeiten zur Besetzung der Hauptrolle: Entweder durch einen „Kleinen“ – also ein Kind – oder durch einen Erwachsenen, der jedoch nur die Größe eines Kindes besitzt. Dieser befindet sich zwar unterhalb der normalen menschlichen Größe, hat aber Witz und Geist, um die ihm auferlegten Abenteuer zu bestehen. Dies entsprach mehr unserer Sicht auf den „Kleinen Muck“ und so spielt der kleinwüchsige Mick Mehnert, ein junger und begabter Schauspieler, in unserer Aufführung die Titelrolle. Sehr sehenswert!

WS: Wie passt ein Märchen aus 1000 und einer Nacht auf die erzgebirgischen Greifensteine?
Prof. Krug: Zunächst erscheint dieses orientalische Märchen nicht in eine tannenumwaldete Umgebung zu passen. Aber lassen Sie sich verführen von dem, was Theater auch kann: durch Kostüme, Requisiten, Maske, Dekorationen, Worte und Töne der Autoren eine Atmosphäre zu schaffen, bei der sich Darsteller und Zuschauer in einem gemeinsamen Flair vereinen.

WS: Was bedeutet für Sie Theaterbetrieb und welche Beziehung haben Sie zu den Greifensteinen?
Prof. Krug: Die Art von Theaterspiel in Naturtheatern hat mich in all meinen Berufsjahren  fasziniert, weil die naturgegebenen Möglichkeiten immer wieder in einen Kontext mit den Erfordernissen der Stücke gebracht werden mussten. Erinnern Sie sich vielleicht an die „Hexen“, an „Jesus Christ Superstar“ oder an „Die Zauberflöte“? Alle im nächtlichen Kunstlicht und doch unverwechselbar.
Was die Sonderheit der „Greifensteine“ betrifft, so zwang mich die bizarre Felsen-Landschaft geradezu, dort einen Kriminalroman anzusiedeln. Das Ergebnis hat sicher der eine oder andere von Ihnen in meinem bei der ERZ.art GmbH erschienenen Buch „Hauptrolle für den Tod“ kennengelernt. Ich wünsche an dieser Stelle viel Spaß beim Lesen.

WS: Planen Sie aktuell noch weitere eigene Inszenierungen für die nächste Spielzeit?
Prof. Krug: Letzte Frage – schwerste Frage. Nachdem ich im Laufe meines Lebens ca. 180 Inszenierungen gemacht habe, wollen Sie wissen, ob ich mich an die 181. heranwage? Im Prinzip: Jein! Denn man soll ja nie Nein sagen. Nun wissen Sie Bescheid.

Mehr News

Alle →