Start AfD Abgeordneter Holger Hentschel verurteilt Leipziger Sicherheit anhand von „falschen“ Zahlen
Artikel von: Lucas Meyer
23.03.2026

AfD Abgeordneter Holger Hentschel verurteilt Leipziger Sicherheit anhand von „falschen“ Zahlen

Der Leipziger Stadtrat nimmt Stellung zur möglichen Räumung des Wagenplatz "Hasenbau"
Foto: Adobe Stock / Gerhard

Der AfD Abgeordnete Holger Hentschel nennt eine LVZ-Leserumfrage als Beweis für den Sicherheitsverlust in Leipzig. Im Medien-Beitrag des Parteimitglieds ist von „über 44.000 Teilnehmern“ und „über 51 % der Bürger“ die Rede, die sich in ihrer Stadt nicht mehr sicher fühlen. Die sächsiche Stadt beherbergt derzeit 633.529 Einwohner:innen. Ein „kollektives Versagen auf allen Ebenen“ sei der Auslöser, laut Holger Hentschel. Desweiteren verurteilt der AfD Vertreter die Darstellung von Sicherheit als „subjektives Empfinden“ durch die kommunale Stadtpolitik. Selbst stützt sich das Parteimitglied Hentschel dabei auf subjektive Daten, die er fälschlicherweise als Mehrheit darstellt.

Die zugrunde liegende Erhebung, auf die sich das Mitglied der rechtsextremen Partei bezieht, ist eine offene Leserumfrage der LVZ, keine Bevölkerungsstatistik. Die Erhebung selbst hält ausdrücklich fest: „Die Umfrage ist nicht repräsentativ.“ Eine LVZ-Erklärung zu repräsentativen Umfragen nennt als Voraussetzungen unter anderem Zufallsauswahl, eine ausreichende Beteiligung der ausgewählten Personen und eine angemessene Abbildung aller relevanten Gruppen. Für das offene Voting fehlt eine solche methodische Absicherung.

Die AfD stützt ihre Argumentation auf eine offene Onlineumfrage, deren Aussagekraft stark begrenzt ist. Bei einer solchen Online-Abstimmung bleibt unklar, wer genau teilnimmt, ob die Teilnehmenden tatsächlich in Leipzig leben, wie stark einzelne Milieus mobilisiert wurden und welche technischen Schutzmechanismen gegen Mehrfach- oder automatisierte Teilnahme tatsächlich greifen.

Standpunkt der Stadtstatistik

Ein deutlich belastbareres Bild liefert die offizielle Leipziger Sicherheitsumfrage 2023. Dafür wurden 6.000 Leipzigerinnen und Leipziger zwischen 18 und 85 Jahren angeschrieben. 87 Prozent der Befragten fühlen sich tagsüber in ihrem Wohngebiet sicher, nachts sind es 49 Prozent. Zugleich betonen Stadt und Polizei selbst eine „deutliche Diskrepanz“ zwischen Kriminalitätsfurcht und tatsächlichem Straftatenaufkommen. Die politisch aufgeladene 51-Prozent-Zahl taucht im offiziellen Ergebnisbericht ebenfalls auf, dort aber mit einer anderen Bedeutung. Sie steht für den Anteil der Bürgerinnen und Bürger, die sich durch Straßensperren, Umleitungen oder andere demonstrationsbezogene Einschränkungen der Mobilität beeinträchtigt fühlen. Das Sicherheitsgefühl steht zudem in einem breiteren städtischen Kontext. In der Kommunalen Bürgerumfrage 2023 nannten 48 Prozent Wohnen als eines der größten Probleme, 43 Prozent Verkehr, 41 Prozent Kriminalität und Sicherheit sowie 37 Prozent Armut und Einkommen. Parallel verweist der Sozialreport auf Belastungen wie soziale Isolation, Einsamkeit und Armut. Darüberhinaus erfährt Leipzig ein starkes Wachstum. Ende 2024 lebten 632.562 Menschen in Leipzig, und zwischen 2011 und 2024 war Leipzig nach städtischer Einordnung die wachstumsstärkste deutsche Stadt mit mehr als 500.000 Einwohnern.

Standpunkt der Polizeistatistik

Auch die Polizeistatistik stützt die AfD-Zuspitzung nur begrenzt. Für die kreisfreie Stadt Leipzig registrierte die Polizei 2024 insgesamt 68.988 Straftaten. Das waren 611 Fälle mehr als 2023 und damit ein Plus von 0,9 Prozent. In der allgemeinen Kriminalität ohne ausländerrechtliche Verstöße lag Leipzig 2024 bei 66.369 Fällen und einer Häufigkeitszahl von 10.707. Das ist hoch und im Vergleich mit anderen sächsischen Großstädten weiterhin auffällig. Dresden kam 2024 auf 47.305 Fälle der allgemeinen Kriminalität und eine Häufigkeitszahl von 8.354, Chemnitz auf 20.184 Fälle und 8.052. Die Zahlen belegen damit keinen Ausnahmezustand. Leipzig lag schon 2020 bei einer Häufigkeitszahl von 11.297 und damit über dem heutigen Wert. Die Polizei selbst spricht zwar von einem besorgniserregenden Anstieg der Gewaltkriminalität, beschreibt die Gesamtentwicklung der Fallzahlen 2024 aber ausdrücklich als nur geringfügig angestiegen.