Artikel von: Judith Hauße
07.07.2023
Auf Kugelhöhe
Dietels Kugelbrunnen kommt als Lichtinstallation nach Chemnitz
Der Entwurf für das neue Kugelensemble, das seit letzter Woche auf dem Wenzel-Verner-Platz in Chemnitz zu finden ist, wurde in Dresden bei Alexander Bergmann gefertigt. Er ist Metallgestalter und war am Bau des letzten Kunstwerks des 2022 verstorbenen Chemnitzer Formgestalters Professor Karl Clauss Dietel beteiligt. Und das nicht ganz zufällig, wie sich im Gespräch mit Jörg Vieweg, dem Chef des Bürgervereins Helbersdorf, nach der Einweihung des Kugel-Arrangements herausstellen sollte. „Der Professor stand vor fünf Jahren mit seiner Frau in meiner Werkstatt in Dresden“, erinnert sich Bergmann. „Er kannte meinen Großvater Karl Bergmann von ihrer früheren Zusammenarbeit am ehemaligen Chemnitzer Kugelbrunnen. Dieser hatte damals den Brunnen mit seinen zahlreichen Kupferkugeln gefertigt“, erzählt er.

der Einweihung des „Kugelensembles“ ihres verstorbenen Mannes Clauss Dietel bei. Foto: Uwe Meinhold
Den einstigen Brunnen des Künstlerkollektivs Karl Clauss Dietel und Reinhard Grütz, den beide 1974 für das Versorgungszentrum Yorckgebiet entworfen hatten, kennt der heute 53-Jährige jedoch nur aus Erzählungen und alten Unterlagen. „Dietel hat alles sorgfältig dokumentiert, so dass ich sogar auch frühere Angebote meines Großvaters in den Aufzeichnungen fand.“
Insgesamt zehn Halbkugeln des damaligen Brunnens finden sich im neu arrangierten Kunstwerk wieder, acht sind neu. Und: statt eines Wasserspiels, steht Dietels Kugelbrunnen nun als Leuchtinstallation im Chemnitzer Heckertgebiet.
„Dass sie leuchten würden, wusste ich erst nach seinem Tod“
Von den ursprünglich über 30 Kupferkugeln blieben nach Demontage des Brunnens im Jahr 2000 bloß noch sechs Kugeln erhalten, der Rest bleibt bis heute verschwunden. „Clauss Dietel kam damit in meine Werkstatt. Das Kunstwerk sollte aus insgesamt neun Kugeln bestehen – musste also durch neue Kugeln ergänzt werden. Die alten Kugeln waren zum Teil stark verbeult. Um des Professors Entwurf zu verwirklichen, musste ich die Nietverbindungen öffnen. Dann konnte ich die Halbkugeln ausbeulen, wobei die Patina dabei möglichst erhalten werden sollte. Zwei der alten Halbkugeln waren aufgrund ihres Zustandes nicht verwendbar. So besteht das neue Kugelensemble nun aus einer Mischung der alten und neuen Kugeln“, erklärt Alexander Bergmann. „Eine sehr aufwändige Arbeit“, wie er gesteht. Vier Jahre vergingen, etwaige Verzögerungen, die Corona-Pandemie und der unerwartete Tod von Professor Dietel lagen zwischen Entwurf und Fertigstellung. „Simone Becht vom Kulturbetrieb in Chemnitz nahm nach Dietels Tod Kontakt zu allen am Objekt beteiligten Firmen auf. Ich teilte ihr mit, dass die Kugeln noch immer bei mir lagen“, erinnert sich der Dresdner Metallbaukünstler. „Auf Bitten der Stadt Chemnitz und ihrem Bürgerverein, nahm ich mich den abschließenden Arbeiten an“, so der Kunstschmied im Gespräch mit Jörg Vieweg, der sich als Vereinsvorsitzender dafür einsetzte, dass für das Projekt im Jahr 2019 finanzielle Mittel über den Kleinprojektefonds des Freistaats Sachsen zur Verfügung gestellt werden konnten. Mit diesen sei es letztlich gelungen, den jetzigen Standort am neu gestalteten Wenzel-Verner-Platz in Helbersdorf für das Kunstwerk zu gewinnen, so war es auch mit Clauss Dietel abgestimmt. „Seit 2018 ist es ein gemeinsamer Wunsch gewesen“, sagt Vieweg. „Es ist eine Ehre, ein Werk von Professor Karl Clauss Dietel in unserem Wohngebiet zu haben.“

Foto: Alexander Bergmann
Seit gut einer Woche schmückt das Kugelensemble die Umgebung. Zeitgleich mit der Straßenbeleuchtung am Abend leuchtet es in sanftem Blau. Die angebrachten LED‘s erhellen im Inneren den „Äquator“.
Wie genau sich Professor Dietel das Licht der Kugeln vorstellte, erfuhr Alexander Bergmann leider erst nach dem Tod Dietels. „Auch ein Grund, warum sich die Arbeiten verzögerten. Ich musste konstruktive Änderungen an den eigentlich schon fertigen Kugeln vornehmen, um Dietels Absicht zu verwirklichen. Statt die Kugeln einfach wieder am „Horizont“ zu verbinden, mussten sie so umgebaut werden, dass ein durchgängiges Lichtband ohne Abschattungen entsteht.“
Professor Dietel hatte zahlreiche Lichtversuche mit Herrn Meyer, Geschäftsführer der Firma TAL Theater-Architekturlicht Chemnitz GmbH, unternommen. „Die Informationen, die Herr Meyer beisteuern konnte, waren sehr wertvoll und wichtig für das Projekt. Denn erst damit konnten wir Clauss Dietels Werk in seinem Sinne vollenden. Wir entwickelten dann gemeinsam die Lichttechnik, so wie sie nun in den Kugeln verbaut ist.“ Am Montag (3. Juli) in den späten Abendstunden traf man sich nochmal, und es wurden restliche Anpassungen an der Helligkeit des Lichts vorgenommen. „Die Kugeln sollen den Platz nicht überstrahlen, sondern die abendliche Atmosphäre mit dezentem Licht unterstützen.“
