Start Bargeld vs. Kartenzahlung: Welche Kosten stecken eigentlich dahinter?
Artikel von: Redaktion Regionalspiegel
25.07.2025

Bargeld vs. Kartenzahlung: Welche Kosten stecken eigentlich dahinter?

Geld (Symbolbild) / Bargeld versus Kartenzahlung Kosten
Quelle: unsplash / Ibrahim Boran

Die Entscheidung Bargeld oder Karte wird längst nicht nur an der Supermarktkasse getroffen, sie ist zum stillen Begleiter des Alltags geworden. Während die einen ihre Scheine und Münzen sorgsam im Portemonnaie stapeln, ziehen andere wie aus Reflex das Smartphone aus der Tasche.

Es begegnen sich zwei Welten, hier das Knistern von Banknoten, dort das schnelle Piepen des Kartenterminals. Persönliche Vorlieben gibt es viele, doch eine Frage bleibt bei allen Gemeinsamkeiten entscheidend. Was kostet das eigentlich und zwar nicht nur gefühlt, sondern ganz konkret, sowohl für Händler als auch für Verbraucher.

Die Wahl zwischen Bargeld und Karte ist auch eine Frage der versteckten Kosten

Geld wirkt auf den ersten Blick wie ein neutrales Mittel zum Zweck. Doch sobald es eingesetzt wird, zeigt sich, dass jede Zahlungsart ihren eigenen Preis hat. Der Umgang mit Bargeld bringt einen durchschnittlichen Aufwand von etwa 24 Cent pro Zahlung mit sich. Dieser Betrag entsteht nicht durch offensichtliche Gebühren, sondern durch den Zeitaufwand, das regelmäßige Abheben am Automaten, das Organisieren des Kleingelds und den logistischen Aufwand, der damit verbunden ist.

Karten wirken oft wie der Inbegriff moderner Effizienz. Doch auch hier wird kräftig zur Kasse gebeten. Zahlungen mit der Girocard schlagen im Schnitt mit rund 33 Cent zu Buche. Noch teurer wird es, sobald eine Kreditkarte zum Einsatz kommt, denn hier liegt der Aufwand je nach Anbieter und Nutzung schnell bei etwa einem Euro pro Transaktion. Der Grund dafür liegt in der Kette von Zwischenstationen, die jede Zahlung durchläuft. Banken, Zahlungsdienstleister und Kartenunternehmen wollen alle ein Stück vom Kuchen.

Im Glücksspielbereich greifen viele Nutzer auf andere Zahlungsmittel zurück, so behauptet sich noch die Paysafecard, eine Prepaid-Zahlungsmethode, die auf den ersten Blick stark an klassisches Bargeld erinnert. Sie funktioniert ohne Bankverbindung, lässt sich an Tankstellen oder Kiosken gegen Bargeld erwerben und anschließend für digitale Zahlungen im Netz einsetzen, ganz ohne die Weitergabe persönlicher Kontodaten.

Zeit hat ihren eigenen Preis – besonders beim Bezahlen

Beim Einkauf wird Geld über den Tresen gereicht und auch Zeit. Und davon geht mehr verloren, als man zunächst vermuten würde. Eine Bargeldzahlung dauert im Durchschnitt rund 22 Sekunden, während der Einsatz einer Girocard etwa 29 Sekunden beansprucht. Kreditkarten brauchen mit knapp 40 Sekunden am längsten. Mobile Zahlungen können zwar schneller funktionieren, doch das setzt voraus, dass Technik und Verbindung reibungslos mitspielen.

Doch nicht nur an der Kasse selbst wird Zeit verbraucht. Auch der Weg zur Bankfiliale oder zum Geldautomaten kostet Minuten, manchmal sogar mehr, vor allem im ländlichen Raum mit dünner Automatenversorgung. Diese Umwege fallen selten auf, summieren sich aber über Wochen zu einem beachtlichen Aufwand.

Digitale Zahlungen ersparen diesen Gang, bergen jedoch andere Tücken. Wenn das Terminal hängt, das Netz instabil ist oder eine Zahlungsapp nicht startet, steht man genauso ratlos da wie ohne Kleingeld in der Hand. Der vermeintlich schnelle Weg kann sich dann rasch ins Gegenteil verkehren. Egal ob analog oder digital, bezahlt wird immer auch mit Lebenszeit.

Die Zurückhaltung bei Kartenzahlung bei Kleinbeträgen hat gute Gründe

Viele Einzelhändler zögern, kleine Beträge mit Karte abzurechnen. Häufig hängt am Eingang oder direkt an der Kasse der Hinweis, dass Kartenzahlung erst ab zehn Euro möglich ist. Was für manche nach Kundenunfreundlichkeit klingt, hat eine wirtschaftlich nüchterne Erklärung. Denn jede Kartenzahlung verursacht für das Geschäft zusätzliche Ausgaben. Je nach Kartenart unterscheiden sich diese deutlich. Bei der Girocard sind es meist 0,2 bis 0,4 Prozent vom Umsatz, bei Debitkarten von Mastercard oder Visa bis zu 0,6 Prozent. Kreditkarten verlangen in manchen Fällen sogar über ein Prozent, zusätzlich zu festen Terminalgebühren und Servicepauschalen.

Kleinbeträge lohnen sich unter diesen Bedingungen nicht. Wenn ein Café für einen Espresso 2,50 Euro verlangt, aber durch die Kartenzahlung kaum noch Gewinn übrig bleibt, wird klar, warum Barzahlung bevorzugt wird. Zwar ist auch der Umgang mit Bargeld nicht kostenlos, denn Zählen, Wechselgeld bereithalten, Sicherheit und Transport schlagen ebenfalls zu Buche, doch bei geringen Summen ist der relative Vorteil oft auf Seiten der Münzen.

Selbst das Abheben von Bargeld im Supermarkt, eine bequeme Zusatzleistung für viele Kunden, belastet den Handel. Für jeden ausgezahlten Betrag fallen Gebühren an, die der Händler tragen muss. Ein Service, der oft wie selbstverständlich wirkt, hinterlässt auf der Abrechnung durchaus seine Spuren.

Die Zahlungsgewohnheiten in Deutschland befinden sich im Wandel

Das Zahlungsverhalten hat sich in den letzten Jahren merklich verändert. Während Bargeld früher das mit Abstand dominierende Zahlungsmittel war, verliert es zunehmend an Boden. Der Anteil an Barzahlungen ist von etwa 58 Prozent im Jahr 2021 auf rund 51 Prozent im Jahr 2023 gefallen. Gleichzeitig haben Kartenzahlungen und mobile Lösungen deutlich an Beliebtheit gewonnen.

Trotzdem bleibt das Bargeld ein fester Bestandteil der deutschen Kultur. Für viele ist es ein Symbol für Übersicht, Kontrolle und Freiheit. Das Verschwinden der Münzen und Scheine ist daher keineswegs beschlossene Sache, auch wenn der Wind sich deutlich gedreht hat.

Datenhunger statt Diskretion – das wird beim Bezahlen preisgegeben

Während Bargeld still bleibt, plaudert die Karte. Jeder Einkauf, jede Summe und jeder Ort wird gespeichert, verarbeitet und analysiert. Kartenzahlung bedeutet fast immer, dass Daten übermittelt werden, ob für die Bonitätsprüfung, das Kundenprofil oder gezielte Werbung. Mobile Zahlungen legen noch eine Schippe drauf und liefern Standortdaten sowie Geräteinformationen gleich mit.

Das hat Folgen, denn wer seine Zahlungen digital abwickelt, gibt damit mehr preis, als man auf den ersten Blick erkennt. Für viele stellt das keinen Widerspruch dar. Der Komfort, den moderne Zahlungsmittel bieten, überwiegt für sie jeden Datenschutzaspekt. Kein Zählen, kein Kleingeld, kein Nachfragen. Alles geht in Sekunden und scheint einfach, solange man den Preis in Form von Daten in Kauf nimmt.

Was sich aus der Preisfrage über das eigene Verhalten ablesen lässt

Zahlen ist ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Die Wahl des Zahlungsmittels sagt viel darüber aus, wie Menschen sich selbst, ihre Zeit und ihre Daten wahrnehmen. Bargeld steht für Kontrolle und Anonymität, Karten für Komfort und Geschwindigkeit. Beide Optionen haben ihren Platz, ihre Vor- und Nachteile, ihre Anhänger. Es gibt kein „besser“ oder „richtiger“. Wer bewusst bezahlt, trifft die klügere Wahl, ganz gleich, ob mit Münzen oder mit NFC-Chip. Die Kostenfrage lohnt sich, um zu verstehen. Denn wer den Preis kennt, den er zahlt, kann am Ende freier entscheiden.