Sonntag, 18. Oktober 2026

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Apotheken-Protest mit Lauterbach-Karikaturen

Von Sven Günther

· 5 Min. Lesezeit

Über diese Plakate in der Linda-Apotheke von Daniela Hänel spricht die ganze Stadt. Der Inhaberin wurden schon Höchstpreise für die Karikaturen von Karl Lauterbach geboten. Foto: pixnetmedia.de

Apotheken: „Die Regierung fährt uns gegen die Wand“

Region. Zu Nebenwirkungen können Sie Ihren Apotheker am Mittwoch (14. Juni) nicht fragen…

Der Grund: Während eines bundesweiten Protesttages bleiben die Apotheken geschlossen. Die Arzneimittelversorgung bleibt zwar aufrechterhalten, allerdings nur über die Notdienst-Apotheken. Selbst Apotheken in Einkaufscentern dürfen trotz spezieller Mietverträge von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen und die Türen an dem Tag schließen.

Für die Beteiligten steht fest: „Die Bundesregierung hat diesen Protesttag provoziert.“

Daniela Hänel, Inhaberin der Linda Apotheke in Zwickau und 1. Vorsitzende der Freien Apothekerschaft e.V. erklärt im WochenENDspiegel die Gründe für den Protesttag. Sie sagt: „Wir fordern unter anderem eine Erhöhung der Honorierung aus dem Jahre 2004, eine Rücknahme des erhöhten Krankenkassenrabattes, den Abbau der Bürokratie und Erleichterungen, um die Lieferengpässe der Arzneimitteln managen zu können.“ Das Motto des Protesttages: Die Regierung fährt uns gegen die Wand.

Kaum Reaktion auf Apotheker-Hinweise

Auf ihre 70 E-Mails an alle sächsischen Europa-, Bundestag- und Landtagsabgeordnete, Landräte und Landrätinnen hat sie ganze 15 Rückmeldungen bekommen. Zum größten Teil erhielt Apothekerin Daniela Hänel daraufhin nur Lesebestätigungen, drei Stellungnahmen und ein Telefonat mit dem Zwickauer CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Körber.

Konkrete Schritte zur Verbesserung der Lage der Apotheken gab es nicht. Deshalb heißt jetzt die Devise: PROTEST! Am 14. Juni bleiben die Apotheken bundesweit geschlossen. Die Situation ist sehr ernst. Die Zahl der Apotheken im gesamten Bundesgebiet ist im März erstmals unter 18.000 gefallen, der niedrigste Stand seit 40 Jahren.

„Wenn die Politik nicht handelt, wird das noch weitergehen und dramatische Ausmaße annehmen“, sagt Daniela Hänel. „Aktuell lohnt es sich nicht, eine Apotheke zu betreiben. Wir sind chronisch unterfinanziert.“

Darum geht es den Apotheken

Das liegt in erster Linie an der geltenden Arzneimittelpreisverordnung, die 2004 von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt mit ihrem damaligen Staatssekretär Karl Lauterbach festgelegt wurde. Nach der bekommt ein Apotheker unabhängig vom Preis eines verschreibungspflichtigen Medikamentes – egal ob es zehn Euro oder 20.000 Euro kostet – ein Fixum vom 8,35 Euro. Im Vergleich dazu bekommt der Staat immer 19 Prozent des Arzneimittelpreises, also ein Fünftel. Egal wie teuer das Arzneimittel ist.

Daniela Hänel, Inhaberin der Linda Apotheke in Zwickau und 1. Vorsitzende der Freien Apothekerschaft e.V. erklärt im WochenENDspiegel die Gründe für den Protesttag. Sie hat ihre Geschäft schon für den 14. Juni dekoriert, was für Aufsehen sorgt. Foto: pixnetmedia.de

Kein Ausgleich für höhere Kosten

Trotz Inflation und extrem gestiegener Nebenkosten wurde das Honorar seit zwanzig Jahren nicht der Inflation angepasst. Deshalb lautet die erste Forderung der Apotheker: Anhebung dieser Pauschale auf zwölf Euro und jährliche Anpassung an die inflationsbedingten Mehrkosten.
Daniela Hänel: „Das ist zwingend notwendig. Man muss nur bedenken, wie die Energiekosten – zum Beispiel für die fachgerechte Kühlung von Arzneimitteln – explodiert sind. Bei mir kommt da pro Monat ein Betrag von über 1.000 Euro heraus. Stellen sie sich vor, sie müssten ihre aktuelle Miete mit dem Einkommen von vor zwanzig Jahren bezahlen. Undenkbar!“ Deshalb fordern die Apothekerinnen und Apotheker auch für die gestiegenen Mieten und Nebenkosten einen Ausgleich.

Von den 8,35 Euro geht dann noch ein Krankenkassenrabatt von ca. 20 Prozent ab, dessen Abschaffung die Apothekerschaft ebenfalls fordert.

Teure Formfehler

Und selbst die übrigen 6,70 Euro streichen die Kassen, wenn nur ein einziger Formfehler auf dem Rezept zu finden ist. „Retaxation auf Null“ nennt sich diese Praxis und bedeutet, dass die Krankenkasse das verordnete Arzneimittel einfach nicht bezahlt, obwohl der Patient ordnungsgemäß mit seinen Arzneimitteln versorgt wurde. Weder der Einkaufspreis, noch unser Honorar, noch die gesetzlich vorgeschriebene Mehrwertsteuer wird uns erstattet. Daniela Hänel sagt: „Wenn zum Beispiel die Ärztin ihren Vornamen nicht ausgeschrieben hat, ist das Grund genug, dass die Krankenkasse das Arzneimittel nicht bezahlt. Wir müssen inzwischen im Vier-Augen-Prinzip 24 Punkte überprüfen, um sicher zu sein, dass alles seine Richtigkeit auf dem Rezept hat.“

Bürokratie in Apotheken

Nur ein Punkt, der die auch bei Apotheken überbordende Bürokratie beschreibt. Daniela Hänel aus Zwickau hat sich die Mühe gemacht, alle dokumentationspflichtigen Punkte aufzulisten. Sie benötigte ACHT DIN A4-Seiten für über 200 Positionen von der „Dokumentation der täglichen Briefkastenleerung“ bis zum „Explosionsschutzdokument“.

Ein weiteres Problem sind die zunehmenden Engpässe bei der Medikamentenversorgung, die für die Apotheker immer zeitintensiver werden. Dafür wird ein angemessener finanzieller Ausgleich („Engpass-Ausgleich“) gefordert. Aktuell fehlen laut Bundesministerium für Gesundheit über 500 lebensnotwendige Arzneimittel in Deutschland.

Geringe Bezahlung

Daniela Hänel: „Das Fixum muss auch deshalb erhöht werden, damit wir unser Personal anständig bezahlen können. Es kann nicht sein, dass eine approbierte Apothekerin nach ihrem Studium mit 3 Staatsexamen weniger verdient als eine Pflegekraft. Außerdem fordern wir mehr Studienplätze, damit es genügend Frauen und Männer gibt, die auch in Zukunft in den Apotheken arbeiten wollen bzw. als Selbständige eine Apotheke übernehmen und damit einen Beitrag zur flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln leisten.“

Konkurrenz der Online-Apotheken

Der Verkauf von nichtverschreibungpflichtigen Arzneimitteln und Pflegeprodukten, der für die Finanzierung der Apothekennebenkosten überlebensnotwendig ist, wird durch die Konkurrenz der Online-Apotheken erschwert. „Die sind nur auf ihren Profit orientiert, schaffen keine Arbeitsplätze, machen keine Nacht- und Notdienste, stellen keine patientenindividuelle Arzneimittel her, bilden keine Fachkräfte aus und zahlen weder Steuern noch in unser Sozialsystem ein“, sagt Daniela Hänel. „Sie unterstützen auch keine örtlichen Vereine und tragen nicht zum Gemeinwohl bei.“

Das Fazit

Die Apotheken vor Ort sind die Ansprechpartner rund um alle Gesundheitsfragen und Probleme. Durch unsere Arbeit werden die Ausgaben der Krankenkassen reduziert, da wir bei Risiken und Nebenwirkungen, Doppel- oder Falschverordnungen entsprechend zum Schutz der Patienten reagieren. Ohne Apotheke vor Ort fehlt etwas!

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