Max Jankowsky, der neue IHK-Präsident, brennt für die heimische Wirtschaft
Region. Über den Wolken… und doch mit beiden Beinen in der Realität. Max Jankowsky (30), der neue Präsident der IHK Chemnitz, ist leidenschaftlicher Flieger, steuert zum Beispiel für den Fallschirmsportverein in Großrückerswalde den größten Doppeldecker der Welt, eine Antonow AN-2. Doch im Tagesgeschäft ist Jankowsky Realist, weiß als einer von zwei Geschäftsführern der GL Gießerei Lößnitz (85 Mitarbeiter, 2. GF Jörg Kattermann), was für die regionale Wirtschaft wichtig ist. In dritter Generation steht die Firma für solides Handwerk, die als einer der führenden deutschen Gießereibetriebe u.a. Aston Martin, Bentley, BMW, Lamborghini und Porsche zu ihren Kunden zählt. Dabei schaut Jankowsky in die Zukunft, plant weitere Investitionen. Die Gießerei wurde 2020 als Klimaförderer vom Senat der Wirtschaft Deutschland ausgezeichnet. Am 12. Juni wurde Max Jankowsky als Präsident der IHK Chemnitz gewählt. Jetzt hat seine Stimme noch mehr Gewicht, vertritt er doch die Interessen von 70.000 Mitgliedsunternehmen.

Kaum im Amt – schon auf Reisen
WOCHENENDSPIEGEL:
Herr Jankowsky, Sie sind erst eine Woche im Amt und schon terminlich als neuer IHK-Präsident im Dauereinsatz. Wie sind Ihre ersten Eindrücke und was haben Sie beim Besuch des LNG-Terminals in Lubmin gelernt?
MAX JANKOWSKY:
Sie können sich vorstellen, dass die erste Woche für mich eine sehr besondere und aufregende war. Es ist für mich eine große Ehre in die Fußstapfen von Herrn Dr. Pfortner zu treten, zugleich ist das Vertrauen der Vollversammlung mein Versprechen an die Region, mich für den Wirtschaftsstandort und für die über 70.000 Mitgliedsunternehmen mit Herz und Verstand einzusetzen. Als jüngster Präsident der IHK-Organisation möchte ich zeigen, dass meine Generation den Mut hat und bereit ist, Verantwortung für unsere Region zu übernehmen. Der erste Termin veränderte meine Woche sofort, ich durfte zu dem Treffen des Heringsdorfer Kreises nach Ahlbeck reisen. Der Heringsdorfer Kreis ist der Zusammenschluss der ostdeutschen IHKs.
Wir besuchten das LNG-Schiff Neptun in Lubmin, das dort im Hafen unmittelbar neben den Terminals von Nordstream 1 und 2 vertäut ist. Der ganze Ort ist gewissermaßen ein Spiegelbild deutscher Energiepolitik: Zwei zerstörte Gaspiplines, ein stillgelegtes Kernkraftwerk, ein riesiges Schiff mit Flüssiggas aus aller Welt, Bau- und Investitionspläne für einen 500 MW-Elektrolyseur zur Herstellung von 60.000 Tonnen grünen Wasserstoff im Jahr und ein umliegendes, beschauliches, letztlich aber auch alle Pläne begrenzendes Naturschutzgebiet. Ich hatte das Gefühl, hier kam und kommt alles zusammen – sowohl das Visionäre, als auch die Irrwege der Politik im Umgang mit der Energiefrage.
Sichere Energieversorgung ist auch ein IHK-Thema
WOCHENENDSPIEGEL:
Beim Flüssiggas geht es um die Energieversorgung. Folgen Sie Ministerpräsident Michael Kretschmer, der sich klar dafür ausspricht, Nordstream 1 zu sichern und Atomkraft nicht zu verteufeln? Und: Ist LNG nicht umweltschädigend (lange Transporte), viel zu teuer und somit nur eine Notlösung?
MAX JANKOWSKY:
LNG ist aus ökonomischer und ökologischer Sicht eine Notlösung. Das Thema Nordstream1 hat mich bei dem Besuch sehr beschäftigt. Vor unseren Augen zersetzt sich teuer und aufwendig gebaute Infrastruktur. Die Instandhaltung sei kompliziert und zu teuer. Ich lasse diese Aussage in diesem Punkt unkommentiert. Ich sage Ihnen nur, es fühlt sich in gewissen Punkten nicht gut an. Das Thema Atomkraft wurde in Lubmin greifbar und offenbarte auch die Schattenseiten in puncto Folgekosten. Die Kollegen im Norden sind schon Jahrzehnte beschäftigt mit dem Rückbau des Reaktors. Dennoch hätte ich den vorläufigen Weiterbetrieb der letzten drei deutschen Atomkraftwerke aus Sicht der energetischen Souveränität für richtiger gehalten. Das war auch Position der Kammer gewesen.
WOCHENENDSPIEGEL:
Wie müsste die Bundesrepublik energetisch aufgestellt werden, um sowohl Umwelt-Enthusiasten als auch Wirtschaftsbosse zufriedenzustellen?
MAX JANKOWSKY:
Technologieoffen, transparent und realitätsnah. Das Thema der erneuerbaren Energien birgt ein riesiges Potenzial für die Wirtschaft. Die Notwendigkeit einer Energiewende steht nicht zur Debatte, problematisch erscheint jedoch eine Umsetzung durch Verbote und übereilte Beschlüsse. Wir stehen vor einem enormem industriellen- und gesellschaftlichen Wandel. Dieser Wandel wird ‚par ordre du mufti‘ nicht gelingen. Die Politik muss gemeinsam mit den Interessenvertretern der Wirtschaft ein Konsens finden. Wir sind bereit zum Dialog.
Jankowsky sieht sich und sein Team als Zukunftsermöglicher
WOCHENENDSPIEGEL:
Sie sind Fabrikant, ein Mann der Tat und führen die Gießerei Lößnitz erfolgreich. Als Präsident werden Sie nicht mehr anpacken, sondern nur noch mahnen können. Fürchten Sie nicht, dass das auf Dauer frustrierend ist?
MAX JANKOWSKY:
Nein, ich lebe und liebe meine Heimat. Die nächsten sechs Jahre werden entscheidende Jahre für unseren Wirtschaftsstandort sein. Ich werde gemeinsam mit meinem Präsidium, dem Hauptamt und der Vollversammlung der IHK Chemnitz dafür kämpfen, dass die wirtschaftliche Stärke und Substanz unserer Region erhalten bleibt. Das ist für mich keine Arbeit, es ist eine Berufung und eine Selbstverständlichkeit, für meine Region Einsatz zu zeigen.
WOCHENENDSPIEGEL:
Haben denn aus Ihrer Sicht die ganzen Appelle und Forderungen der IHK und anderer Verbände bislang etwas gebracht oder verpuffen sie nicht mehr oder weniger wirkungslos? Kurz: Sind unsere Politiker beratungsresistent?
MAX JANKOWSKY:
Wir werden wahrgenommen, aber häufig nicht ernst genommen – zumindest nicht so, wie wir das im Sinne eines echten Dialogs für geboten hielten. Das muss sich wieder ändern. Berlin muss verstehen, dass die Industrie- und Wirtschaftskompetenz bei den Unternehmern der Region liegt, nicht nur in den Ministerien.
Klare Forderungen an den Bund
WOCHENENDSPIEGEL:
Bürokratieabbau. Ein wirksames Einwanderungsgesetz, um Fachkräfte aus dem Ausland zu bekommen. Schneller/bessere Online- und Offline-Infrastruktur. Seit Jahrzehnten hört man von ALLEN und IMMER wieder diese Forderungen. Was muss passieren, dass Wünsche wahr werden?
MAX JANKOWSKY:
Bürokratieabbau verlangt Bürokratie. Wie schön wäre ein Beschluss, der festlegen würde, dass für jedes neue Gesetz zwei bestehende gestrichen werden müssten. Auch hier empfinden wir Unternehmer, dass unsere Interessen nur zu wenig Gehör finden, dass wir nicht eingebunden werden.
Es gibt bereits zahlreiche ausgearbeitete Konzepte, zahlreiche Verwaltungsprozesse zu entflechten, sie schlanker und effizienter zu gestalten.
Allein hier in Sachsen kennen und befürworten wir die Ergebnispapiere mindestens dreier Kommissionen, die Konzepte zum Bürokratieabbau erarbeitet haben, doch niemand setzt sie um. Begrüßen würden wir diese Maßnahmen alle.
WOCHENENDSPIEGEL:
Wer nicht hören will, muss fühlen … Welche Mittel haben Sie oder hätten Sie gern, um Ihre Forderungen durchzusetzen?
MAX JANKOWSKY:
Wir hätten gern ein ernsthaftes Gehör bei den Ministerien und der Bundesregierung. Wir sind die Zukunftsermöglicher unseres Landes. Und wir sind bereit für einen Wandel, für einen strategischen Wandel, der aber kompromisslos die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes im Blick behalten muss.




