Bislang waren Alkohol am Steuer und überhöhte Geschwindigkeit die größten Unfallgefahren im Straßenverkehr. Doch nun kommt – wie der ACE festgestellt hat – ein dritter Risikofaktor hinzu: die Ablenkung durch das Smartphone oder Tablet. Fußgänger sind durchs „Daddeln“ zum Teil so unkonzentriert, dass sie Autos und sogar Straßenbahnen übersehen oder das Rot an der Ampel missachten.
Wie Jörg Petzold, Sprecher vom ACE Kreisclub Sachsen-Süd informierte, habe der ACE daher ein halbes Jahr lang das Verhalten von rund 140.000 Fußgängern in ganz Deutschland an Zebrastreifen und Ampeln beobachtet und dabei die sogenannten „Smombies“ genauer unter die Lupe genommen. Nun wurde das Ergebnis der bundesweiten ACE-Verkehrssicherheitsaktion „Finger weg – Smartphone im Verkehr“ bekanntgegeben: Mehr als jedes vierte Mädchen, genau gesagt 27,3 Prozent, und fast jeder vierte Junge, 23,5 Prozent, starrt beim Überqueren der Straße auf das Smartphone. Bei den Erwachsenen sind es 14 Prozent der Frauen und 16,4 Prozent der Männer.

Foto: André Kaiser
Auch in Annaberg-Buchholz wurden Passanten beobachtet und für die Studie registriert. Das Ergebnis hierbei unterscheidet sich gegenüber dem bundesweiten Trend in zweierlei Hinsicht. Erfreulich ist, dass in Annaberg offensichtlich weniger Erwachsene am Smartphone hängen als anderswo. Im Konkreten waren das rund 14 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen. Mit gerade einmal 16 Prozent liegt auch das Resultat der männlichen Jugendlichen deutlich unter dem Gesamttrend. Beunruhigend hingegen fällt das Ergebnis der jugendlichen Mädchen aus, welches mit mehr als 53 Prozent deutlich aus dem Rahmen fällt. Bedeutet, dass sich jedes zweite Mädchen in Annaberg-Buchholz mehr auf sein Smartphone als auf den Verkehr konzentriert.
Stefan Heimlich, Vorsitzender des ACE, des zweitgrößten Autoclubs Deutschlands: „Die Ergebnisse unserer diesjährigen Verkehrssicherheitsaktion sind erschreckend und zeigen auch, dass die Gefahren durch Ablenkung völlig unterschätzt werden. Was für Autofahrerinnen und Autofahrer gilt, muss auch für Fußgänger zur unumstößlichen Norm werden. Augen auf und Finger weg vom Smartphone im Straßenverkehr.“
Der Appell des ACE richtet sich vor allem an Erwachsenen, da diese sich ihrer Vorbild-Funktion bewusst werden müssen. „Kinder dürfen nicht von klein an auf das Handy in der Hand gewöhnt werden. Vielmehr gilt es, Kinder und Enkelkinder auf die tödlichen Gefahren, die durch Unaufmerksamkeit auf der Straße entstehen, aufmerksam zu machen. Also: Smartphone in die Tasche, wenn es vor die Tür geht.“
Aber nicht nur die Eltern, auch die Polizei und Verkehrspolitik sieht der ACE in der Pflicht. „Es braucht endlich verlässliche Zahlen, wie gefährlich Smartphones im Straßenverkehr sind. Die Smartphone-Nutzung sollte ab sofort als Unfallursache in die Unfallprotokolle aufgenommen werden. Denn nur so können darauf aufbauend Schlussfolgerungen gezogen werden. Dabei darf nicht ausgeschlossen werden, dass Sanktionen in Form von Strafen folgen könnten, wenn Appelle durch Aufklärung nicht mehr ausreichen“, so die Forderung.
In den USA wäre dies bereits der Fall. Nachdem bekannt wurde, dass 6.000 Fußgänger allein aufgrund eingeschränkter Wahrnehmung überfahren wurden, habe der US-Bundesstaat Hawaii reagiert und das Gesetz erlassen, wonach Passanten 35 Dollar Strafe zahlen müssen, wenn sie beim Überqueren einer Straße auf ihr Smartphone starren.


