Annaberg-Buchholz. Freie Parkplätze, leere Flure, kurze Wartezeiten. Die Arbeitsagentur ist offensichtlich im Moment mehr damit beschäftigt, freie Stellen zu besetzen, als weniger Arbeitslose wieder in Arbeit bringen zu müssen.
Der Grund: die geringe Arbeitslosenquote. Die liegt aktuell bei 4,5 Prozent, erneut der Top-Wert in Sachsen, mit respektablem Abstand zu Zwickau (4,7 Prozent), Pirna (4,8 Prozent) und Plauen (4,9 Prozent).
Bedeutet: Gerade einmal 8.010 Menschen im Erzgebirgskreis sind derzeit noch ohne Job (2.500 im Bereich der Arbeitsagentur und 5.500 im Bereich der Jobcenter), mehr als 116.000 dagegen in sozial versicherter Beschäftigung.
Zum Vergleich: Vor zehn Jahren, als sich der Erzgebirgskreis gebildet hat, standen knapp 25.000 Frauen und Männer ohne Arbeit da, 17.000 mehr als jetzt. Das entsprach damals einer Arbeitslosenquote von 12,4 Prozent. Parallel waren 110.000 Menschen in Beschäftigung. Betrachtet man die Zahlen, wird schnell deutlich, wie dramatisch positiv für Arbeitnehmer sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren gedreht hat.
„Des einen Freud…“: Diese Entwicklung birgt aber auch Risiken, insbesondere für Arbeitgeber, da es in manchen Regionen faktisch kaum noch Arbeitslose gibt, allen voran Zschopau (3,7 Prozent) und Stollberg (3,8 Prozent). Zum besseren Verständnis: Ab einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent spricht man von „Vollbeschäftigung“. Dann sind quasi alle potentiellen Arbeitnehmer aus diesen Regionen für den Arbeitsmarkt abgeschöpft. Ein Szenario, welches den aktuellen Daten nach und lt. der Aussage des Leiters der Arbeitsagentur Annaberg-Buchholz nicht mehr fern ist.
Siegfried Bäumler prognostiziert: „Speziell in diesen Regionen ist das Erreichen der 3-Prozent-Marke mittelfristig denkbar. Mittlerweile gibt es im Verantwortungsbereich der Arbeitsagentur mehr Arbeitsangebote als Arbeitslose. Das uns zur Verfügung stehende Potential an Erwerbspersonen sinkt und die Prognose zeigt, dass bis 2025 jeder fünfte Mitarbeiter in einem Unternehmen in Rente geht. Diese Entwicklungen müssen wir ernst nehmen und schon heute Vorsorge dafür treffen“.
Überblick:
8.010 Menschen waren im Juni – über beide Rechtskreise – ohne Beschäftigung. 376 oder 4,5 Prozent weniger als im Vormonat und 1.187 oder 12,9 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Arbeitslosenquote sank auf 4,5 Prozent. Vor vier Wochen betrug sie noch 4,8 und vor zwölf Monaten 5,2 Prozent.
Blick in die Regionen:
Die Region Zschopau landete mit einem minimalem Vorsprung und einer Quote 3,7 Prozent vor dem Geschäftsstellenbezirk Stollberg mit 3,8 Prozent. Es folgen Marienberg mit vier Prozent, Schwarzenberg mit 4,7 und Annaberg-Buchholz mit 4,8 Prozent. Aue schließt mit 5,6 Prozent auf.
Wo werden Mitarbeiter gesucht:
708 Stellen in vier Wochen ist das Ergebnis im Monat Juni. Damit liegt der Wert um 101 Stellen über dem Vormonat und um 129 Stellen über dem Vorjahr. Gleichzeitig erhöhte sich der Bestand auf 3.100 Offerten – 181 mehr als im Mai und 144 mehr als im Juni 2017. Den Großteil der Stellen meldete das Verarbeitende Gewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen sowie Bau- und Gastgewerbe.


