Von Franken zurück ins Erzgebirge
Neudorf. Den Wunsch nach den eigenen vier Wänden haben viele Menschen, darunter auch die gebürtige Erzgebirgerin Annett Jahn. Ihren Traum hatte sie sich zusammen mit ihrem Mann Tom im fränkischen Erlangen erfüllt, fühlte sich dort aber nie wirklich heimisch. Inzwischen steht das Haus der beiden zum Verkauf und das Paar lebt nun im Erzgebirge. Dort erfüllen sich die Beiden ihren persönlichen Lebenstraum: Gastgeber zu sein. Dafür hat die Eventmanagerin im Ort ihrer Kindheit und Jugend das Perfekte Haus mit Seele gefunden. Für ihren Ehemann bedeutete der Umzug anfangs jedoch einen Kompromiss, hatte er doch Anfangs Italien als neue Wahlheimat bevorzugt. Inzwischen ist Tom für den Kompromiss jedoch sehr dankbar, wie er verrät.
Die Seele, die in diesem alten Haus steckt, ist sofort spürbar. Der Ausbau im Erdgeschoss ist in den letzten Zügen. Die meisten Räume sind bereits bewohnt und der künftige der Speiseraum für die Feriengäste ist ebenfalls bereits fertig. Man fühlt sich im Mix aus gemütlicher Moderne und den Elementen schnell wohl. In den oberen Etagen türmen derzeit noch die Baumaterialien. Noch zeigt sich an den Wänden und auf dem Fußboden, welche Farben und Muster anno dazumal modern waren – oder was es eben gerade zu kaufen gab. Es ist die Art und Weise, wie ein fast 140 Jahre altes Gebäude aus seinem Leben und dem seiner vielen Vorbewohner erzählt. Für Annett Jahn war es Liebe auf den ersten Blick. „Als ich das Haus zum ersten Mal betrat, hatte ich sofort dieses gute Gefühl. Bei mir kam gleich das Kopfkino in Bewegung. Nach dem Rundgang hatte ich im Geiste das Haus bereits eingerichtet“ denkt sie zurück. Eigentlich fast unvorstellbar gab es zu diesem Zeitpunkt weder fließendes Wasser noch eine Heizung.
Viele Pläne für das alte Haus
„Hier gibt es so viele alte Häuser, da geht einem das Herz auf“, sagt Ehemann Tom. Das Haus an der Karlsbader Straße kaufte das Paar bereits im Mai 2021. Mit dem Beginn der Adventszeit begannen die Beiden dann mit den Entkernungsarbeiten. Die Zeit dazwischen nutzten zur Beantragung einer Leander-Förderung. Dieses Programm der Europäischen Union fördert unter anderem Ideen, welche Orte lebenswerter macht, indem leerstehende Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die Antragsstellung sei nicht ohne, lohne sich jedoch, so das Paar. Unter anderem sei man an diverse Bedingen zum Erhalt historischer Werte, so wie die typische Erzgebirgsschalung aus Holz, gebunden. Diese Vorgaben setzen die beiden doch gern um, denn es geht ihnen bewusst darum, Altes zu bewahren und neu aufzuwerten.

Natürlich gab es auch immer wieder Situationen, in denen beide außer vier Containern Müll kein Land sahen, erzählt das Paar. Dennoch fühlen sie sich im Prozedere nicht allein: „Es gibt Leute, die in der Antragstellung und Umsetzung beraten.“ Und dann gibt es auch die Familie, die anpackt, wo sie kann – sei es beim übergangsweisen Wohnen im Tiny House auf dem Grundstück der Eltern oder der Unterstützung, als Annett zu Beginn des Ausbaus mit zwei Knöchelbrüchen für fünf Monate ausfiel.
Wenn die Frau den Traum von Italien raubt
Auch Tom, der das Erzgebirge mit 17 Jahren verließ, freut sich inzwischen über die Entscheidung zurückzukehren. „Annett lebt hier einen großen Familienzusammenhalt. Dass ich mich so angekommen fühle, habe ich der Familie zu verdanken“, erinnert sich der ehemalige Schönheider zurück. „Es ist der herzliche, unkomplizierte Umgang der Menschen hier untereinander, der mir so gefehlt hat“, ergänzt Ehefrau Annett.
Mit ihr wollte Tom eigentlich immer nach Italien ziehen, da es ihm in Deutschland zu kalt ist. Beim ersten Besuch auf dem Fichtelberg und dem Blick ins Erzgebirge fühlte es sich plötzlich richtig an den eigenen Lebensmittelpunkt nach Neudorf zu verlagern. Auch künftig wollen die beiden solche Ausblicke bei gemeinsamen Motorradtouren weiter genießen, so das Paar. Zudem sollen ab Ende Oktober die ersten Gäste in das neue Domizil einziehen. Die beiden wollen jedoch mehr als nur Zimmer vermieten. Vielmehr soll ein Übernachtungserlebnis geboten werden. . Ob im Burgzimmer mit Steinwaschbecken, im Bimmelbahnzimmer mit echtem Gleis oder im Waldzimmer – so wird mit viel Liebe ein altes Haus mit Seele mit neuem Leben und Ideen gefüllt.



