1,1 Millionen Überstunden – 403.000 Stunden „umsonst“
Region. Rund 1,07 Millionen Überstunden haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Erzgebirgskreis im vergangenen Jahr zusätzlich geleistet. Das geht aus dem Überstundenmonitor des Pestel-Instituts hervor. Davon wurden 403.000 Stunden sogar unentgeltlich, also ohne Bezahlung, geleistet. Grundlage der Untersuchung ist ein Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Ein pikantes Ergebnis des „Überstundenmonitors“: „Alle Beschäftigten zusammen haben den Unternehmen im Erzgebirgskreis rund 5,8 Millionen Euro durch unbezahlte Mehrarbeit quasi ‚geschenkt‘. Und das ist äußerst sparsam gerechnet – nämlich nur auf Basis des Mindestlohns“, so Thomas Lißner von der NGG Dresden-Chemnitz. Zudem sei der Überstundenberg auch ein Indikator für den „massiven Fachkräftemangel“.
„Allein in Hotels, Restaurants und Gaststätten leisteten die Beschäftigten im vergangenen Jahr im Erzgebirgskreis rund 50.000 Überstunden. 17.000 davon ohne Bezahlung – quasi umsonst“, so das Pestel-Institut. Die Wissenschaftler haben bei ihrer Untersuchung aktuelle Mikrozensusdaten ausgewertet. Basis der Überstunden-Berechnung ist die Übertragung von Branchen-Durchschnittswerten auf die Beschäftigungsstruktur vom Erzgebirgskreis.
Gastronomie lebt derzeit vom guten Willen der Beschäftigen
Mit einem Blick auf die hohe Anzahl an kostenfrei geleisteten Überstunden warnt die NGG. Hotellerie und Gastronomie könnten nicht dauerhaft auf die „Goodwill-Überstunden“ ihrer Beschäftigten bauen. „Es wird höchste Zeit, das Fachkräfte-Loch zu stopfen, das die Corona-Pandemie noch vergrößert hat. Das klappt allerdings nur, wenn Hotels und Restaurants bereit sind, attraktive Löhne zu bezahlen. Perspektivisch muss der Gastro-Startlohn für eine Köchin oder einen Restaurantfachmann nach der Ausbildung bei 3.000 Euro pro Monat für einen Vollzeitjob liegen“, so Thomas Lißner. Dieses „Lohn-Ziel“ müsse die Gastro-Branche Schritt für Schritt erreichen. Nur dann werde es gelingen, junge Menschen für eine Ausbildung im Hotel oder Restaurant zu gewinnen.
Besonders dieser Gewerbezweig erlebe derzeit einen regelrechten Schwund an Fachkräften sowie einen Schub der Mini-Jobs. Egal ob in Küche, Service, Bar oder Rezeption: Immer mehr angelernte Arbeitnehmer sollen fehlende Fachkräfte ersetzen. Nach Auskunft der NGG seien bereits 37 Prozent aller Gastro-Beschäftigen in der Region Mini-Jobber.



