Annaberg-Buchholz. Diese Zahlen lesen sich wie ein Sommermärchen: Die aktuelle Arbeitslosenquote im Erzgebirgskreis von 5,2 Prozent ist die niedrigste seit Aufzeichnung der Arbeitslosen-Statistik nach der Wende. Niedriger als der Bundesdurchschnitt (5,5 Prozent), die niedrigste im gesamten Freistaat Sachsen, vor Pirna (5,3 Prozent) und Plauen (5,4 Prozent). Gleichzeitig ist der Bedarf an Stellenbesetzungen auf Rekord-Niveau.
„Die ersten sechs Monate des Jahres 2017 sind vorbei und der Arbeitsmarkt in der Region weist eine historisch niedrige Quote aus, die tiefste, die jemals in einem Juni gemessen wurde“, so Siegfried Bäumler zur aktuellen Situation.
Der Leiter der Arbeitsagentur Annaberg-Buchholz: „Die Tatsache, dass sich sowohl gegenüber dem Vormonat als auch zum Vorjahr etwa ein Viertel weniger Menschen arbeitslos melden mussten zeigt, dass die Wirtschaft aufnahmefähig ist und uns gut in die Karten spielt. Der aktuelle Stellenbestand ist mit fast 3.000 Stellen auf einem neuen Rekordwert angelangt. In diesem hohen Bestand spiegelt sich aber auch wider, dass viele Betriebe Mühe haben, Nachwuchs und geeignetes Personal zu finden.“
Dass erzgebirgische Unternehmen bereits um qualifizierte Arbeitskräfte ringen, zeigt folgendes Beispiel: Nachdem letzten Sonntag (25.06.2017) ein verheerender Brand die Firma ro.mann Maßmöbel GmbH nahezu komplett vernichtet hatte, dauerte es nicht lange und die ersten Anfragen gingen bei der Arbeitsagentur ein, ob sich denn schon Arbeitnehmer der Firma arbeitssuchend gemeldet hätten.
„Der Markt bietet nicht mehr so viele qualifizierte Bewerber an wie noch vor ein paar Jahren“, so der Arbeitsagentur-Chef. Daher müsse der Fokus immer mehr auf die Qualifizierung von Nichtfachkräften gelegt werden, da diese mehr gefährdet sind, in Arbeitslosigkeit zu geraten, als qualifizierte Mitarbeiter. „Neueste Ergebnisse der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass jeder dritte Arbeitslose im letzten Jahr keine abgeschlossene Berufsausbildung hatte und besonders von Arbeitslosigkeit betroffen war“, so Bäumler. „Hier investieren wir weiterhin verstärkt in die individuelle Ausbildung jedes einzelnen und bieten mit bedarfsgerechten Qualifizierungen neue und nachhaltige Chancen auf Arbeit an“, übrigens altersunabhängig.
Vergleich der Regionen
Auch wenn Annaberg und Marienberg im letzten Monat die höchsten Rückgänge an Arbeitslosen verzeichnen konnten, bleibt am Ende doch wieder Stollberg ganz vorn. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 behauptet sich die Geschäftsstelle weiterhin knapp vor Zschopau mit 4,3 und Marienberg mit 4,5 Prozent. Schwarzenberg (5,2 Prozent) und Annaberg-Buchholz (5,6 Prozent) bilden das Mittelfeld. Aue hält mit deutlichem Rückstand (6,7 Prozent) weiterhin die rote Laterne.


