Region. In der Ruhe liegt die Kraft und im Wind die Energie, oder? Jedenfalls misst unsere Regierung in Dresden der Windkraft bezüglich der Energie-Wende eine bedeutende Rolle bei. So wurde bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass sich der Freistaat an den Ausbauzielen für erneuerbare Energien an den Zielen des Bundes orientieren will. Diese sind darauf ausgerichtet, den derzeitigen EE-Anteil am Bruttostromverbrauch bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent und bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent auszubauen.
Bestandteil ist zudem die Erstellung einer so genannten Windpotenzialstudie, womit nach einem Vergabeverfahren im August des letzten Jahres die Bietergemeinschaft SAXWIND beauftragt wurde. Kostenpunkt: rund 180.000 Euro, finanziert mit Mitteln des Freistaates Sachsen (SWMA). Die Gemeinschaft, bestehend aus der Firma GEO-NET (Modellierung des Windfeldes), der Firma IDU (Programmierung der browserbasierten Webanwendung), der Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien (VEE Sachsen e.V.) und dem Ingenieur-Büro Kuntzsch (Bereitstellung der Daten von Vergleichswindenergieanlagen zur Verifizierung des von GEO-NET geschaffenen Modells) sollten mit Hilfe der Studie Potentiale des Energieträgers Windkraft sichtbar gemacht werden.
Nun zur Vorstellung der Ergebnisse erklärte Staatssekretär Stefan Brangs: „„Nicht zuletzt auf meiner Energie-Tour im Sommer konnte ich feststellen, dass das Thema Windenergie in Sachsen emotional sehr aufgeladen ist. Die Ausweisung der Vorrang- und Eignungsgebiete für die Nutzung der Windenergie muss dabei die ‚Quadratur des Kreises‘ meistern und unterschiedlichste Interessen berücksichtigen – den Schutz von Mensch und Tier genauso wie den Erhalt des Landschaftsbildes. Mit der Windpotenzialstudie geben wir den Regionalen Planungsverbänden ein Hilfsmittel zur Hand, um diese schwierige Aufgabe zu lösen. Für einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien wird es auch notwendig sein, weitere Flächen zu erschließen.“
Wie Marko Henkel vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, auf Anfrage von WochenSpiegel Erzgebirge erklärte, gebe die Studie einen recht konkreten Überblick über die Windverhältnisse im gesamten Freistaat in einer Raster-Auflösung von 100 Meter mal 100 Meter und das in verschiedenen Höhen über dem Grund zwischen 50 und 200 Metern. Er erklärt: „Diese Windverhältnisse und die sich daraus ableitenden Ertragspotenziale lassen sich farblich darstellen, so dass besonders ertragreiche Flächen gut identifizierbar sind.“
Ob die Flächen allerdings im Rahmen der Regionalplanung tatsächlich als Vorrang und Eignungsgebiete für die Nutzung der Windkraft ausgewiesen werden können, sei von vielen weiteren Faktoren und Abwägungen abhängig. „Den Regionalen Planungsverbänden (RPV) wurde also in erster Linie ein Werkzeug an die Hand gegeben, das sie bei ihrer Planung unterstützt“, so Henkel, der in den Planungstools zudem den Vorteil sieht, „dass alle vier RPV mit einem einheitlichen System arbeiten können, das ihre Belange berücksichtigt, da sie an der Entwicklung beteiligt waren.“
Im nächsten Schritt sollen die vier sächsischen Regionalen Planungsverbände die Regionalpläne auf Basis des Landesentwicklungsplans erarbeiten. Grundlage hierfür sei das Energie- und Klimaprogramm (EKP) 2012 Sachsens. Ziel ist es, dieses zu aktualisieren und weiterzuentwickeln. „Dieser Prozess hat bereits begonnen. Vorgesehen ist ein breit angelegtes Konsultationsverfahren in mehreren Schritten, an dem Kommunen, Verbände, Institutionen sowie die Öffentlichkeit eingebunden sein sollen“, so Henkel abschließend.
Der Windatlas für den Freistaat Sachsen ist im Internet unter www.energieportal-sachsen.de einsehbar.


