Crottendorf. Seit unglaublichen 73 Jahren steht er auf der Bühne, begeistert das Publikum heute immernoch mit seinem außergewöhnlichen Zitherspiel, volkstümlichen Liedern und Erzählungen. Joachim Süß ist ein Pionier der erzgebirgischen Volksmusik, hat sie hinaus in die Welt getragen und bekannt gemacht. Heute feiert der Crottendorfer seinen 85. Geburtstag. Diese Gelegenheit möchten wir nutzen, auf sein bewegtes Leben zurück zu schauen.
Mit zehn Jahren entdeckte Joachim Süß seine Liebe zu einem nicht leicht zu spielenden Instrument – der Zither. Von da ab nahm er bei Philipp Hänel Unterricht und gründete schon vier Jahre später seine erste eigene Singgruppe, zwei Jahre später eine Instrumentalgruppe und 1949 das Crottendorfer Heimatterzett.
Mit 21 Jahren traf er die Entscheidung, Berufsmusiker zu werden, ging auf Tournee, u. a. mit dem Bandoneon-Solisten Hans Friedl, den Geschwistern Caldarelli sowie den Geschwistern Münzberger. Der Erzgebirger erinnert sich: „Vom Erzgebirge bis an die Ostsee, vom Harz bis in die Lausitz, überall erlebte ich das Gleiche: ausverkaufte Säle und ein begeistertes Publikum. Es war eine wunderbare Zeit.“
Als Zithersolist machte er zudem in den Jahren 1965/66 in der Instrumentalgruppe Herbert Roth von sich reden, komponierte für das Ensemble Titel, welche im Rundfunk gespielt wurden. Mit seinem eigenen Ensemble trat er ab 1972 auf. In dieser Zeit entstanden auch zahlreiche Alben überwiegend in erzgebirgischer Mundart.
Heute ist Joachim Süß nach wie vor aktiv, steht zumeist als Solist oder gemeinsam mit seiner Enkeltochter Therese Wagner auf der Bühne. „Allerdings trete ich aufgrund meines Alters inzwischen nur noch im kleinen Rahmen auf. In diesem Jahr waren es bis November gerade einmal zehn Veranstaltungen. Im Dezember weitere acht Auftritte. Die Weihnachtszeit ist halt doch immer etwas Besonderes. Zudem kann ich immer so schlecht nein sagen, muss mich aber dennoch zwingen, die Bremse zu treten. Ich bin eben keine 65 mehr“, schmunzelt der sympatische Musiker. Und trotzdem hat er schon wieder für einzelne Veranstaltungen im kommenden Jahr zugesagt, da es ihn eben auch motiviert und jung hält, wie er sagt. Somit werden wohl die ohnehin schon jetzt beeindruckenden Zahlen seines Künstlerlebens auch künftig noch weiter steigen.
Während seiner bisherigen 73 Bühnenjahre trat der Crottendorfer Zitherspieler bei insgesamt sage und schreibe 15.162 Veranstaltungen auf. Das wisse er deshalb so genau, weil er von Beginn an Buch geführt habe. Zudem spielte er 372 Titel mit diversen Ensembles und als Solist im Studio ein, wirkte an 130 Fernsehsendungen mit und komponierte mehr als 50 eigene Lieder.
Auch als Buchautor machte sich Joachim Süß einen Namen, mit der Veröffentlichung des Buches „Drham im Arzgebirg“, wo der erzgebirgische Volksmusikant sein Leben in Geschichten und Bildern erzählt.
Seinen heutigen 85. Geburtstag feiert Joachim Süß ruhig und im kleinen Kreis der Familie. Wir sagen: „Herzlichen Glückwunsch und danke für so viele wunderbare musikalische Momente!“


