Sehmatal. „Mein ganzer Tag drehte sich nur noch um Drogen. Auf Crystal wird man nicht müde und hat keinen Hunger. Ich wog irgendwann nur noch 46 Kilo. Geld für Drogen war immer da – ich habe geklaut, den Erbschmuck meiner Eltern versetzt und natürlich gedealt. Meine alten Freunde habe ich nicht mehr. Während meiner Drogenzeit hatte ich auch nur ‚Drogenfreunde‘ – ich musste komplett weg um den Ausstieg zu schaffen. Sich dann an einem neuen Ort als ‚Ex-Junkie‘ einen neuen Freundeskreis aufzubauen, das ist unglaublich schwer!“
Dies ist keine erfundene Geschichte, sondern war eine lange Zeit Doreen Schreiter’s Alltag. Die offenen, ehrlichen Worte zu ihrer Drogen-Vergangenheit, vier Jahre im Bann der Droge Crystal Meth, schockieren. Die Erzgebirgerin ist durch das Buch „Rest in Peace – das Ende der Realität“ bekannt geworden und nutzt jede Möglichkeit, um über die schnelle Abhängigkeit, das Leben unter Drogen und den schwierigen Weg zurück ins Leben zu berichten. So folgte sie nach der Buchlesung im letzten Jahr nun kürzlich gern wieder der Einladung des Wirtschaftsjunioren Annaberg-Erzgebirge e.V., ihre Erfahrungen mit Schülerinnen und Schülern der Oberschule Sehmatal zu teilen.
Während der hochkarätigen Veranstaltung las sie aus ihrem Buch und diskutierte mit den Kindern. Polizeihauptkommissar Lutz Münnich informierte zudem, mit welchen Mitteln Crystal gestreckt wird, um die Gewinnspannen zu erhöhen. „Hierzu wird allerhand ‚Dreck‘ darunter gemischt – Badesalz, Glassplitter und Rattengift sind nur einige Beispiele. Und dieses Zeug schnupft, schluckt oder spritzt man sich dann“, so der Polizeibeamte.
Dr. Rasch, Leiter der Station für Suchterkrankungen im Erzgebirgsklinikum, klärte im Rahmen der Veranstaltung zur Gefährlichkeit der Droge aus medizinischer Sicht auf, bestätigte während seines lebhaften und fesselnden Vortrags, dass mehr als 99 Prozent der Abhängigen keinen dauerhaften Ausstieg schaffen würden. Es sei eben kein Gerücht, sondern die Wahrheit, dass Crystal direkt abhängig mache. „Die Ursache dafür ist die exorbitant hohe Ausschüttung des ‚Glückshormons‘ Dopamin“, so der Arzt. „Den dadurch empfundenen, nie dagewesenen Glücksgefühlen kann sich der Mensch allein durch seine eigene Willenskraft nicht mehr entziehen. Somit ist er ohne die Wirkung der Droge vollkommen emotionslos und kann sich nur noch im Rausch am Leben erfreuen.“ Eine Tatsache, die auch Doreen Schreiter bestätigte.
Marcel Rockstroh, Leiter des Bürgermeisterbüros Annaberg-Buchholz und Mitglied der Wirtschaftsjunioren: „Die Chance, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, die nimmt man sich mit dem Konsum von Crystal.“
Zum krönenden Abschluss der Veranstaltung schenkten die Wirtschaftsjunioren der Schulleiterin Frau Becher einen Schulsatz des Buches „Rest in Peace“. Knut Weißflug, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsjunioren und Entwicklungsleiter bei der MENNEKES Elektrotechnik Sachsen GmbH, betonte: „Hier geht es nicht darum den ‚Moralapostel‘ zu spielen, sondern möglichst viele Schülerinnen und Schüler aufzuklären, um ihnen dadurch den richtigen Lebensweg zu weisen. Die Geste der Wirtschaftsjunioren kam bei der Direktorin gut an, so dass diese versprach, das Buch in den siebten bzw. achten Klassen regelmäßig zum Einsatz zu bringen, woraufhin Doreen Schreiter anbot, nachdem die Schüler das Buch gelesen haben, sie erneut zu besuchen, um weitere Fragen zu beantworten.
Unterstützt wurden die Wirtschaftsjunioren bei ihrer bis dato einmaligen Aktion von der MENNEKES Elektrotechnik Sachsen GmbH sowie von der Volksbank Erzgebirge durch großzügige Geldspenden.
Hierzu betonte Herr Pauly, dass er von dem Interesse der Jugendlichen an der Veranstaltung und der angeregten Diskussion begeistert war. Weiterhin berichtete er von seinen Erfahrungen der Drogenprävention im Kreise des Rotary Club Annaberg. „Auch ich hatte die Brisanz des Themas im Erzgebirgskreis bisher unterschätz und sehe die Aufklärungsarbeit als äußerst wichtig an“, so der Geschäftsführer des in Neudorf ansässigen Elektrotechnikunternehmens.
Abschließend wünschte er den Jugendlichen alles Gute für ihren weiteren Lebensweg und die Kraft immer standhaft zu bleiben, um „nein“ sagen zu können. Melanie Barkschat, Firmenkundenberaterin bei der Volksbank und Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren Annaberg-Erzgebirge e.V., ergänzte: „Natürlich ist uns klar, dass wir mit dieser Aktion nicht alle Schüler erreichen – wenn wir jedoch nur einen einzigen jungen Menschen davon abhalten, Drogen zu nehmen, dann hat sich unser Engagement schon gelohnt!“
Auch in Zukunft wollen sich die Wirtschaftsjunioren dafür einsetzen, junge Leute über Drogen aufzuklären, so dass ihnen der Weg in eine erfolgreiche Zukunft nicht verbaut wird. Und wer weiß. Vielleicht saß ja der ein oder andere zukünftige Wirtschaftsjunior bereits im Publikum.


