Sonntag, 18. Oktober 2026

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Spider Murphy Gang: Klingelts unter 32 16 8?

Von Sven Günther

· 6 Min. Lesezeit

Günther Sigl, Sänger der Spider Murphy Gang, erzählt im Interview, was die Fans am 26. August beim Konzert auf der Waldbühne erwarten dürfen. Foto: PR

Wer hat Rosis Nummer?

Region. 32 16 8 – Rufnummer nicht gefunden. Immer und immer wieder blinkt dieser Satz auf dem Display. Immer und immer wieder – bis es klingelt! Tatsächlich ist die Telefonnummer der legendären „Rosi“, aus dem Hit „Skandal im Sperrbezik“ der Spider Murphy Gang in der Region vergeben. „Ich habe den Anschluss gleich nach der Wende bekommen und musste lachen, als ich die Zahlenkombination zum ersten Mal sah“, verrät Anne-Kathrin, die in Thermalbad Wiesenbad geboren wurde, als Verkäuferin in der elterlichen Bäckerei arbeitet. Die 69-Jährige: „Aber es hat mich schon lange niemand mehr wegen Rosi angerufen.“ Der WochenENDspiegel machte es aus aktuellem Anlass. Am 26. August rockt die Band in der Waldbühne Schwarzenberg. Sänger Günther Sigl gab dazu dieses Interview.

Spider Murphy Gang in der Waldbühne

Am 26. August treten Sie mit der Spider Murphy Gang auf der Waldbühne Schwarzenberg auf. Worauf dürfen Sich die Besucherinnen und Besucher freuen? Haben Sie dort schon einmal gespielt?

Sigl: Die Antwort ist ganz einfach: Auf eine spielfreudige Rock’n’Roll-Band mit allen Hits, die sehr gerne Bayern musikalisch im Erzgebirge vertritt. Wir freuen uns sehr auf Sachsen und das Konzert im Erzgebirge.

Ihr seid eher zufällig zu den bayerischen Texten gekommen. Wollen Sie es beim Konzert im Erzgebirge auch einmal mit erzgebirgischer Mundart versuchen?

Sigl: Uns wurde das „bayerische“ damals von einem Rundfunkredakteur mit dem sofortigen Erfolg haben wir nicht gerechnet. Wir waren freudig überrascht.

Spider Murphy Gang in der DDR

1983 startete die Spider Murphy Gang in Glauchau die erste und einzige DDRTour. Erinnern Sie sich noch an das Konzert?

Sigl: Voll war’s und alle sind ausgeflippt. Für uns war es ein tolles Gefühl und ich glaube, für das Publikum auch. Leider haben damals nicht alle Fans in den Saal gepasst.

Das letzte Album der Spider Murphy Gang erschien vor etwa 20 Jahren…

Sigl (lacht): Das kann schon sein. Mir san a Live-Band, und immer schon gewesen. Irgendwann in den 80ern sind wir natürlich durchgestartet mit den

Plattenverkäufen. Das war’n noch Zahlen damals, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Wir sind in die Zeit der Neuen Deutschen Welle reingerutscht, es war ein Riesen-Hype, mit überhaupt allem Deutschsprachigen in der Musik. Das hat uns sehr geholfen, einen Erfolg zu landen.

Gehörte die Spider Murphy Gang wirklich zur Neuen Deutschen Welle?

Sigl: Wir waren eine Rock’n’Roll-Band. Chuck Berry war unser Vorbild, unser Gitarrist hat Chuck Berry studiert. Elvis, Little Richard, Fats Domino – das war unser Programm. 1977, als wir anfingen, gab es in München noch viele Musikkneipen, viele Jazzbands haben dort gespielt. „Bierjazz“ haben wir dazu immer gesagt – Dixieland, New Orleans. Und wir haben uns gesagt: Mit einer Rock’n’Roll-Show könnte man da doch auch einmal einen festen Tag bekommen, dann könnte man ja auch seine Miete bezahlen.

Die Spider Murphy Gang. Mit „Skandal im Sperrbezirk“ wurde die Band berühmt und Rosis Nummer 32 16 8 kannten alle. Wir verraten, ob es noch klingelt. Foto: PR

Spider Murphy Gang – die bayrische Band

Am Anfang gab es keine bayrischen Texte?

Sigl: Wir haben in den Ami-Clubs gespielt, aber das war ja wie im Ausland und wir wollten in München auch einmal einen Fuß in die Tür bekommen und bekannt werden. Wir haben einen festen Tag bekommen, im Memoland in Schwabing. Da war am Fasching eine Band ausgefallen, 1978, und die Kassette, die wir verteilt hatten, lag bei Memo Rhein, dem Produzenten, auf dem Tisch. Später half uns Georg Kostya, der Moderator beim Bayrischen Rundfunk war. Und der sagte: „Ich hätte da eine Sendung, aber da müsst ihr Bayrisch singen.“ Wir wollten in jedem Monat einen neuen Song vorstellen und nicht immer dasselbe spielen, und da habe ich es dann einmal probiert, mit dem Bayrischen.

Als Band 45 Jahre lang durchzuhalten, das ist eine Leistung…

Sigl: Ja, da kann man schon stolz darauf sein. Wir hatten unser Publikum und die Leidenschaft zur Musik. Das hat uns durch die Jahre getragen. Ich habe schon 1962 angefangen Musik zu machen, vor 60 Jahren, da habe ich meine erste Beat-Band gehabt. Wir haben in den Tanzsälen gespielt, das war eine schöne Zeit, wir wollten gar keine Pop- oder Rockstars werden, das hat sich so ergeben. Als ich 15 war, hat mir mein Vater eine Gitarre finanziert, und meine Leidenschaft war geweckt. Ich bin ja Autodidakt, habe mir alles selber beigebracht, und das ist das Schöne, dass ich heute immer noch viel entdecken kann. Ich sitze jeden Tag an der Gitarre und probiere Songs aus.

Voller Konzert-Kalender

Wie viele Konzerte spielt die Spider Murphy Gang heute jährlich etwa?

Sigl: Wir haben oft über 100 Konzerte gehabt, die letzten Jahr. Dann war Corona, da haben wir nur im Sommer ein paar Konzerte machen können, das war eine harte Zeit für uns. An Ostern haben wir wieder ein erstes Konzert gemacht, in Schwabing, wir haben unsere Unplugged-Show gespielt. Jetzt haben wir so viele Nachholkonzerte, dass der Kalender voll ist. Das macht immer noch Spaß. So ein Rentner-Dasein, das ist nix für uns. Wir müssen raus und auf die Bühne. Das ist unser Leben, meins sowieso, seit ewigen Zeiten.

Ist das Publikum der Spider Murphy Gang durchweg älter geworden, oder gibt es auch junge Fans?

Sigl: Die Fans werden natürlich schon älter, aber es kommen genauso Junge. Unsere Songs sind im besten Sinne Volkslieder, Evergreens geworden. Wenn man in München auf eine Party geht, oder aufs Weinfest, spielen die Bands alle „Schickeria“. Das ist zu einer Stadthymne geworden. Wir werden oft eingeladen – in Saarbrücken machen sie Oktoberfest und 3000 junge Leute kommen, alle in Dirndl und Lederhosen, und wir spielen unsere Songs und die stehen auf den Bänken und feiern.

„Skandal im Sperrbezirk“ war 1981 tatsächlich ein Skandalhit – und das einzige Stück, mit dem die Band es auf Platz 1 der Hitparaden schaffte…

Sigl: Im Bayrischen Rundfunk war das sogar auf dem Index und durfte nicht gespielt werden, wegen dem Thema. Aber dass hat sich dann wahrscheinlich über private Kanäle verbreitet – da haben sich die Jungen vielleicht gesagt: Hast den Song schon gehört, von den Spiders, mit den Nutten? Das war natürlich interessant für  die. Im Mai 81 ist das erschienen, im Februar waren wir dann Nummer eins, mit der LP.

50 Jahre Spider Murphy Gang

In vier Jahren wird die Spider Murphy Gang 50. Dann wird gefeiert?

Sigl: Da hauen wir wieder auf die Pauke. Ich bin jetzt 76 – wenn wir unseren 50. feiern bin ich 80. Das ist für mich eine schöne Vorstellung, wenn ich mit 80 noch auf der Bühne stehe und Rock’n’Roll spiele. Chuck Berry hat auch gespielt, bis er 90 war. Als wir unseren Erfolg hatten, da hat man zu uns gesagt: Wie lange wollt ihr das noch machen? Ihr müsst ein zweites Standbein haben. Vielleicht kannst Du andere Bands produzieren? Aber so lange man gesund bleibt, kann man das machen. Die Begeisterung ist noch da.

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