
Schneeberg. Wie begehen eigentlich die Menschen in der Schneeberger Erstaufnahmeeinrichtung Weihnachten? Kennen sie das Fest überhaupt und welche Möglichkeiten gibt es, ein wenig festliche Stimmung aufkommen zu lassen?
Das Asylbewerberheim befindet sich in Trägerschaft der Malteser. „Menschen der verschiedensten Nationen kommen zu uns und bringen natürlich auch ganz unterschiedliche Traditionen mit“, erklärt der Leiter der Einrichtung. Manche kennen Weihnachten überhaupt nicht, stehen aber aufgeschlossen den Traditionen in dem Land, in dem sie leben wollen, gegenüber. Andere feiern ein ähnliches Fest nur zu einem anderen Zeitpunkt. „Natürlich können sie ihre Traditionen auch in unserer Einrichtung pflegen. Wir versuchen dies nach unseren Möglichkeiten zu unterstützen.“ Albanische Muslime zum Beispiel feierten am 5. Dezember eine Art Neujahrsfest.

Ganz offen erleben die Kinder die Weihnachtszeit. Schulen aus Schneeberg und der Region haben ähnlich der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ viele Päckchen für die Kinder gepackt. Am 15. Dezember gab es dann eine kleine Feier für die Kinder. „Wir haben die Geschenke nach Alter und Geschlecht auf Tischen verteilt und jedes Kind durfte sich sein Geschenk selber aussuchen. Die Kinderaugen haben gestrahlt, es war einfach wunderschön“, erzählt die Projektleiterin Ehrenamt.
Man ist dankbar für die Unterstützung aus der Region für die Menschen in der Einrichtung. Ein Mitarbeiter der Malteser erzählt: „Es kommen sogar manchmal Briefe oder Anrufe, in denen sich ehemalige Bewohner aus unserer Einrichtung für die anfängliche Unterstützung bedanken. Das ist sehr schön.“
Geholfen wird auf die unterschiedlichste Art und Weise. Der Aktionstag in Schneeberg, Aktionen der Berufsakademie Breitenbrunn oder die Konzerte der Erzgebirgischen Philharmonie Aue, die einmal im Quartal stattfinden, sind nur wenige Beispiele.
Sehr gut angenommen werden die vom Diakonischen Werk Aue-Schwarzenberg initiierten Deutschkurse. Frank Meinel, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Wolfgang in Schneeberg organisiert gemeinsam mit Ehrenamtlichen in der Woche zwei Kurse für Elementardeutsch für Kinder und zwei für Erwachsene. Eine willkommene Abwechslung sind auch die von ehrenamtlichen Helfern organisierten Bastelstunden. Hier wird gemalt, geschnippelt und geklebt, können schlimme Erlebnisse für einige Zeit vergessen werden. Im ganzen Haus und in den Gruppenräumen hängen bunte Kinderzeichnungen. Natürlich haben die Kinder hier auch Spielzimmer und Spielgeräte für drinnen und draußen und gern schauen die Mitarbeiter den Kindern verschiedenster Herkunft zu, die keine Berührungsängste oder Vorurteile kennen und sich mit Händen und Füßen verständigen.
Natürlich geht bei der starken Beanspruchung auch mal etwas kaputt, deshalb freuen sich die Mitarbeiter der Malteser und ehrenamtlichen Helfer über Spenden von Spielgeräten, Buntstiften, Malblöcken, Ausmalbüchern und Ähnlichem.
Jeden Sonntag organisiert eine Gruppe verschiedener Kirchen, darunter auch die Evangelische, Freikirchliche, Adventistische und Metodistische Kirche, der Region, einen Gottesdienst in der Einrichtung. Die Asylbewerber nehmen dies dankbar an. „Je nach Belegung kommen zwischen 20 und 50 Erwachsene und Kinder zu den Gottesdiensten“, erklärt Joachim Krönert, Parrer der Ev.-Luth. Kirche Schneeberg-Neustädtel „Zu unserer lieben Frauen“. Er wird am 3. Januar hier seinen ersten Gottesdienst halten. Natürlich übersetzt dabei ein Dolmatcher.
In der Gartenstraße 23 in Neustädtel ist auch eine Kleidersammlung eingerichtet worden. Vor allem Sachen für schlanke Menschen werden hier gesucht. Wer Sachen abgeben möchte, sollte darauf achten, dass diese auch noch getragen werden können. Die Kleidersammlung hat am 30. Dezember von 9 bis 13 Uhr geöffnet und im kommenden Jahr jeden Mittwoch von 9 bis 17 Uhr. hb


