Artikel von: Redaktion Regionalspiegel
27.04.2026
Gaming in Sachsen: Neuer Hub in Leipzig
Das Land Sachsen ist nicht unbedingt als DER Gaming-Standort bekannt, nicht in Deutschland und erst recht nicht international. Ein neuer Gaming Hub im Zentrum von Leipzig soll genau daran nun etwas ändern. R42 heißt das Anfang April eröffnete Zentrum für die Games- und Digitalwirtschaft. 42 ist natürlich die Antwort auf alles, aber davon ab befindet sich das neue Gaming-Haus schlicht in der Ritterstraße 42.
Nach sieben Jahren Planung endlich eröffnet
Hinter dem Projekt R42 steht eine Mischung aus privater Initiative, politischer Unterstützung und Partnern aus der Wirtschaft. Als treibende Kraft gilt insbesondere Christoph Siebenhüner, Geschäftsführer der Leipziger Agentur Gecko Two. Gemeinsam mit weiteren Akteuren aus der Branche wurde die Idee bereits 2019 entwickelt und bei der Stadt Leipzig vorgestellt.
Ziel war es von Anfang an, nicht nur einzelne Unternehmen zu fördern, sondern ein funktionierendes Ökosystem für die Games- und Digitalwirtschaft aufzubauen. Die Umsetzung zog sich aber über mehrere Jahre. Parallel zum Aufbau des Standorts wurden bereits Programme zur Förderung von Start-ups gestartet.
Seit 2022 konnten auf diesem Weg zahlreiche junge Unternehmen begleitet und erste Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit dem Standort in der Ritterstraße hat diese Entwicklung nun auch einen festen Ort in Leipzig.
Der Hub richtet sich in erster Linie an Start-ups, Entwickler und Unternehmen, will aber mit seiner Gaming Area, Events und E-Sport-Angeboten auch die Szene vor Ort ansprechen. Glücksspiele sind im Hub hingegen kein Thema.
Im Glücksspielbereich spielt Leipzig als digitaler Standort generell kaum eine Rolle, da solche Angebote bundesweit oder landesweit geregelt sind. Maßgeblich für ein seriöses Online Casino sind Lizenz, Spielerschutz und transparente Abläufe, nicht ein Bezug zu Leipzig.
Gefördert vom Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig
Unterstützt wird das Projekt auch vom Freistaat Sachsen und von der Stadt Leipzig. Für den Aufbau des Hubs flossen öffentliche Fördermittel in sechsstelliger Höhe. Zur feierlichen Eröffnung am 2. April kamen außerdem mehrere Vertreter aus der Landespolitik nach Leipzig.
Der Standort wurde keineswegs zufällig gewählt, denn Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren stärker im Bereich der Kreativ- und Digitalwirtschaft aufgestellt. Für dei Stadt sprachen verschiedene Standortfaktoren, unter anderem die Hochschulen, die für Nachwuchs sorgen, sowie die wachsende Start-up-Szene der Stadt.
Außerdem punktet Leipzig mit eher niedrigeren Betriebskosten im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten und etablierten Games-Standorten wie Berlin, Hamburg oder München.
Bislang fehlte in Leipzig im Gaming-Bereich ganz klar ein Projekt mit größerer Sichtbarkeit. Das R42 soll das nun ändern und ein Anziehungspunkt für die Gaming-Branche werden, national sowie international.
Eine Games-Stadt in einem einzigen Gebäude
Das R42 befindet sich in einem sanierten, denkmalgeschützten Gebäude in der Leipziger Innenstadt und erstreckt sich über insgesamt sieben Etagen. Auf rund 2.000 Quadratmetern Fläche wurde hier ein Konzept umgesetzt, das mehrere Bereiche der Games- und Digitalwirtschaft miteinander verbindet.
Im Kern vereint das Gebäude Arbeiten, Produktion, Gaming, Events, Gastronomie und sogar Wohnen unter einem Dach. Damit unterscheidet sich das R42 deutlich von klassischen Bürostandorten oder reinen Co-Working-Spaces.
Ein zentraler Bestandteil sind die Arbeitsbereiche. Insgesamt stehen rund 70 Co-Working-Arbeitsplätze zur Verfügung, ergänzt durch Meeting- und Workshopräume für Teams, Seminare und Trainings. Diese Flächen sind flexibel nutzbar und richten sich vor allem an Start-ups, Entwickler und kleinere Unternehmen.
Hinzu kommt ein umfangreicher Produktionsbereich. Im Gebäude befinden sich mehrere Studios, darunter ein Podcast- und Filmstudio sowie Produktionsflächen auf Broadcast-Niveau. Von klassischen Videoaufnahmen bis hin zu Livestreams lässt sich hier Content direkt vor Ort erstellen.
Ergänzt wird das Angebot durch den R42 Games Accelerator, ein Förderprogramm für junge Unternehmen. Start-ups werden dort über mehrere Monate begleitet und erhalten Unterstützung durch Beratung, Workshops und Kontakte in die Branche.
Events, Bar und Übernachtungen für ein breites Publikum
Natürlich gibt es im R42 auch einen öffentlich zugänglichen Gaming-Bereich, der mit hochmoderner Technik ausgestattet ist. Besucher können dort auf leistungsstarken Gaming-PCs und Konsolen spielen. Zusätzlich gibt es speziell eingerichtete Bereiche für E-Sport, darunter schallisolierte Räume für Training und Turniere.
Für Veranstaltungen steht im Gebäude ein eigener Eventbereich zur Verfügung, der unter anderem ebenfalls für E-Sport-Turniere sowie für Präsentationen und Branchenveranstaltungen genutzt wird. Auch Community-Events, Livestreams und kleinere Bühnenformate finden hier statt.
Für eine Erfrischung zwischendurch gibt es nun auch die Bar42, die am 24. April ihr Grand Opening hatte und als Gastronomiebereich Teil des Konzepts ist und sowohl für Events als auch für den regulären Betrieb genutzt wird. Die Bar ist dabei nicht nur als klassische Theke gedacht, sondern auch als sozialer Treffpunkt innerhalb des Hauses.
Sie soll Besuchern, Gästen, Teams und Teilnehmern von Veranstaltungen einen Ort bieten, an dem man sich in lockerer Atmosphäre austauschen, vernetzen oder zwischen Programmpunkten aufhalten kann.
Zum R42-Konzept gehören außerdem mietbare Apartments im Gebäude, die vor allem für externe Gäste, Partner oder Teilnehmer von Programmen gedacht sind. Das betrifft beispielsweise Speaker, Coaches, Start-up-Teams oder andere Besucher, die für Veranstaltungen, Workshops oder längere Arbeitsphasen extra nach Leipzig anreisen.
Durch die Unterbringung direkt im Haus lassen sich Wege kurz halten und Termine einfacher organisieren. Arbeiten, Events und Übernachtung greifen damit räumlich direkt ineinander.
Insgesamt ist das R42 damit nicht nur ein Bürogebäude oder Eventort, sondern beinahe schon eine kleine Gaming-Stadt für sich, die zahlreiche Funktionen gleichzeitig erfüllt und verschiedene Bereiche der Games- und Digitalwirtschaft räumlich bündelt.
Leipzigs vorausschauendes Investment in die Games-Branche
Dass Leipzig und der Freistaat Sachsen den Aufbau eines solchen Hubs unterstützen, ist dabei Teil einer größeren wirtschaftlichen Entwicklung. Die Games-Branche gilt seit Jahren als stark wachsender Markt und wird daher auch zunehmend als Standortfaktor gesehen.
Für Städte wie Leipzig geht es dabei nicht nur um Spiele selbst, sondern um die dahinterliegenden Technologien und Geschäftsmodelle. Game-Development überschneidet sich mit Sektoren wie Softwareentwicklung, Künstlicher Intelligenz (KI), Virtual Reality (VR) oder Medienproduktion.
Zugleich ist der Wettbewerb zwischen den einzelnen Standorten in Deutschland deutlich intensiver geworden. Städte wie Berlin, Hamburg oder Köln haben sich in der Games-Branche bereits fest etabliert und ziehen daher Unternehmen sowie Fachkräfte an. Sachsen lag in diesem Bereich lange zurück und versucht nun, gezielt aufzuholen.
Vor allem junge Unternehmen sollen daher früh zu fördern und in der Region zu gehalten werden. Programme wie der R42 Games Accelerator sollen dazu beitragen, dass aus ersten Ideen langfristig tragfähige Geschäftsmodelle entstehen.
Damit soll auch verhindert werden, dass gut ausgebildete Fachkräfte nach dem Studium in andere Bundesländer abwandern, ein Phänomen, das das Land Sachsen schon lange schwächt.