Artikel von: Lucas Meyer
05.03.2026
Jeder dritte Gen-Z-Mann will das letzte Wort – Sachsens Arbeitsmarkt bleibt zu 21 Prozent ungleich
Am kommenden Sonntag, 8. März 2026, rückt der Internationale Feministische Kampftag die Frage nach Gleichstellung erneut ins Zentrum. Während tausende FLINTA* und Allies auf die Straße gehen, begründet eine neue internationale Erhebung einen deutlichen Rückgriff auf traditionelle Geschlechterrollen bei jungen Männern. Rund ein Drittel der Gen-Z-Männer findet demnach, eine Ehefrau solle ihrem Mann gehorchen. Diese Werte-Entwicklung ist nicht nur spürbar in Sachsens Jobmarkt, sondern auch in der Kommunalpolitik.
Die Daten stammen aus einer 29-Länder-Befragung mit 23.000 Teilnehmenden, durchgeführt von Ipsos und dem Global Institute for Women’s Leadership am King’s College London. 33 Prozent der Gen-Z-Männer sagen, der Mann solle bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort haben; bei Babyboomer-Männern liegt der Wert deutlich niedriger, 13 Prozent stimmen der Gehorsams-Aussage zu. In Indonesien (66 Prozent) und Malaysia (60 Prozent) ist die Zustimmung am höchsten, in den USA liegt sie bei 23 Prozent, in Großbritannien bei 13 Prozent.
Die Erhebung beschreibt zudem konkrete Vorstellungen über weibliches Verhalten und Sexualnormen. 24 Prozent der Gen-Z-Männer finden, Frauen sollten nicht „zu unabhängig“ wirken; bei Babyboomern liegt der Wert bei 12 Prozent. 21 Prozent der Gen-Z-Männer stimmen der Aussage zu, eine „echte Frau“ solle nie Sex initiieren; bei Babyboomern sind es 7 Prozent.
Die gleichen Daten zeigen auch eine Verengung männlicher Rollenerwartungen und eine Wahrnehmung von „Überforderung“ durch Gleichstellung. 59 Prozent der Gen-Z-Männer sagen, von Männern werde zu viel erwartet, um Gleichstellung zu unterstützen; bei Babyboomern sind es 45 Prozent. 21 Prozent der Gen-Z-Männer halten Männer, die sich an Kinderbetreuung beteiligen, für weniger männlich; 30 Prozent meinen, Männer sollten ihren Freunden nicht „Ich liebe dich“ sagen.
In Sachsen trifft diese internationale Debatte auf eine Kommunalpolitik, in der Frauen weiterhin selten Mandate und Führungsämter übernehmen. Eine qualitative Studie zum Engagement von Frauen in der Kommunalpolitik beziffert den Frauenanteil nach den Kommunalwahlen 2024 auf 22,2 Prozent in Gemeinde- und Stadträten und 19,2 Prozent in Kreistagen. In den Rathäusern sind Frauen besonders selten: 12 Prozent der Bürgermeisterämter waren im Juli 2024 weiblich besetzt, und kein Landratsposten wurde von einer Frau ausgeübt.
Die Studie dokumentiert außerdem ein politisches Klima, das Engagement für viele riskanter macht. In Interviews werden Einschüchterungsversuche, Verhaltensänderungen und Rückzug aus der Öffentlichkeit beschrieben, weil Bedrohungen gegen die Betroffenen oder Familienmitglieder befürchtet werden. Eine annonyme Bürgermeisterin nennt als wahrnehmbare Strömung ausdrücklich den Satz „Frauen zurück an den Herd“. Gleichzeitig hofft und denkt Sie, dass eine Strömung zurück zur selbstverständlichen Gleichberechtigung, wie es in der DDR üblich war, wieder erstarken wird, so die Bürgermeisterin.
Neben der politischen Repräsentation bleibt auch der Arbeitsmarkt in Sachsen deutlich ungleich verteilt. In einer aktuellen Studie des Statistischen Landesamt wird der beziffert der Gender Pay Gap für 2025 in Sachsen auf 6 Prozent und den Gender Hours Gap auf 12 Prozent , Frauen wurden im Schnitt für 134 Arbeitsstunden pro Monat bezahlt, Männer für 152. Aus Pay-, Hours- und Employment-Komponenten ergibt sich für Sachsen 2025 ein Gender Gap Arbeitsmarkt von 21 Prozent; bundesweit liegt der Wert bei 37 Prozent.
Der 8. März fällt damit in eine Phase, in der sich Gleichstellung in Zahlen, Ämtern und Alltagsrollen gleichzeitig vermisst. International zeigen Umfragen bei einem Teil junger Männer eine höhere Zustimmung zu hierarchischen Ehe- und Geschlechternormen als bei älteren Kohorten. In Sachsen beschreibt eine landeseigene Studie parallel, dass Frauen nicht nur seltener kommunale Machtpositionen erreichen, sondern ihr Engagement auch häufiger gegen ein rauer gewordenes Klima verteidigen müssen.