Start KüfA: Politischer Aktivismus gegen den Hunger – Sachsens ständige Soli-Küchen
Artikel von: Lucas Meyer
10.02.2026

KüfA: Politischer Aktivismus gegen den Hunger – Sachsens ständige Soli-Küchen

Eat the rich (Adobe Stock / blende11.photo)
Eat the rich (Adobe Stock / blende11.photo)

Für viele bedeutet politischer Aktivismus: vermummt auf Demonstrationen, Parolen schreien, Plakate hochhalten. Was man dabei nicht sieht, ist das meist riesige Organisierungsnetzwerk hinter diesen Events – von Öffentlichkeitsarbeit über Finanzierung bis zur Mobilisierung. Daz zählt auch die Verpflegung mit Essen und Trinken. Demos starten oft früh am Morgen und enden erst in der nächtlichen Dunkelheit. Da ist klar, dass Aktivisti:innen irgendwie verpflegt werden müssen.

Um das zu gewährleisten, schließen sich Subgruppen der Aktivist:innen zusammen zu sogenannten Küfas (Küche für alle). Das Konzept wird dabei längst nicht nur auf Demos gelebt, sondern ist in vielen Städten in die lokale Infrastruktur hineingewebt. Dort schaffen Küfas Treffpunkte für Gemeinsamkeit und Essen gegen Soli-Beitrag, die besonders für Personen mit geringeren finanziellen Privilegien gerichtet sind. Diese Solidaritäts-Praxis ist vor allem in den Studi-Städten des Ostens stark vertreten.

Von der „Volksküche“ zur „Küche für Alle“

Historisch lehnt sich die Idee an Suppen-/Volksküchen an – weltliche Armenspeisungen, die lange vor der heutigen linken Szene existierten. In der autonomen Szene taucht dann ab den 1980er-Jahren der Begriff „Volxküche (VoKü)” auf: regelmäßiges gemeinsames Kochen und Ausgeben von Essen in Hausprojekten, Infoläden, Jugendzentren, oft zum Selbstkostenpreis oder darunter. Der Begriff wird explizit mit der Hausbesetzer-Szene und ihrer Gegen-Ökonomie verknüpft.

Mit der Zeit setzte sich immer häufiger KüfA durch – auch als bewusste Distanzierung vom „Volk“-Begriff und als Signal: hier sollen wirklich alle mitessen können. Parallel wurde vegan/vegetarisch bzw. antiallergische Schonkost in vielen Küfas zum Standard, weil es möglichst viele Ernährungsweisen abdeckt und oft gut mit geretteten Lebensmitteln kombinierbar ist.

Warum das gerade ein Studi-/Linkstrend ist

Küfas passen perfekt zu dem, was viele Studis und linke Gruppen gerade suchen:

  • Preis & Alltagstauglichkeit: routiniertes Essen ohne über-Konsum für selbstgewählte Beträge.
  • Sozialer Anker: Wer neu in der Stadt ist, findet Anschluss und ein politisches Netzwerk.
  • Politische Praxis ohne Podium: Man muss nicht erst ein Plenum verstehen, um dazuzugehören – man bringt sich ein mit schnippeln, abwaschen, essen.
  • Selbstorganisation statt Service: Kollektive Arbeitsweise und niederschwellige hierarchien.

Queer/FLINTA* & safer spaces am Kochtopf

In den letzten Jahren werden Küfas stärker zielgruppen- und schutzraumorientiert gedacht – gerade in queerfeministischen, trans*-, inter*- und FLINTA*-Kontexten. Dazu kommen Räume, die bestimmten Identitäten zugeordnet sind; etwa Nationalität, Ethnie oder Sprache. Dazu zählen zum Beispiel BIPOC-Küfas oder ukrainische Küfas. Da geht es weniger darum einen Raum für alle zu schaffen, sondern um safer spaces: Räume, die bewusst Diskriminierung abbauen, Regeln transparent machen und Machtasymmetrien (z. B. Lautstärke, Dominanz, Cis-Männlichkeit) aktiv bearbeiten.


Küfas in Chemnitz, Leipzig und Dresden

Achtung: Küfas fallen manchmal kurzfristig aus – im Zweifel am Tag selbst nochmal prüfen.

StadtKüfa/FormatRhythmusTagUhrzeitOrt/Adresse
ChemnitzKüfA (ReTeKo)wöchentlichDiab 18:00AJZ, Chemnitztalstraße 54, 09114 Chemnitz
ChemnitzSoli KüchewöchentlichMiab 20:00Subbotnik, Vettersstraße 34a, 09126 Chemnitz
ChemnitzKüfA-Crew am IkaruswöchentlichDi17:00–19:00Ikarus-Center (Heckertgebiet), Chemnitz
LeipzigKüche für Alle (Japanisches Haus)wöchentlichDo18:00–24:00Das Japanische Haus e.V., Eisenbahnstraße 150, 04315 Leipzig
LeipzigADI KüfawöchentlichFrab 19:00Autodidaktische Initiative (ADI), Georg-Schwarz-Straße 19, Leipzig
LeipzigKüfA (Lindenauer Markt)wöchentlichMo18:00–20:00Lindenauer Markt, Leipzig
LeipzigKüfa (Eisenbahnstraße 125)14-tägigFrab 19:00Eisenbahnstraße 125, Leipzig
LeipzigSoliküfa im Plaquemonatlich1. Diab 19:00Plaque, Industriestraße 101, Leipzig
DresdenMittwochsküfawöchentlichMi19:00AZ Conni, Rudolf-Leonhard-Straße 39, 01097 Dresden
DresdenKüfa (PlatzDa!)wöchentlich (typisch)Doab 19:30PlatzDa!/Haus Überall, Emil-Überall-Straße 6, 01159 Dresden
GörlitzKüfa (im Lüders / RABRYKA-Umfeld)wöchentlichMiBar ab 18:00, Essen ab 19:00RABRYKA, Conrad-Schiedt-Straße 23, 02826 Görlitz
ZwickauVOKÜ / Volxküche (Roter Baum)wöchentlichDoab 18:00Vendetta Rosso, Thurmer Straße 19, 08066 Zwickau
Limbach-OberfrohnaKüfa (Infoladen La Bombonera)wöchentlichMiab 18:00La Bombonera, Sachsenstraße 26, 09212 Limbach-Oberfrohna
LöbauKüfa (Die Linke, Geschäftsstelle)alle 2 Monate (geplant/angestrebt)Innere Zittauer Straße 24, 02708 Löbau