Artikel von: Lucas Meyer
28.01.2026
Warnstreik in Sachsen heute: Diese Schulen melden Ausfälle und Notbetreuung
- Schulplanänderung in Chemnitz, Leipzig und anderen sächsichsen Städten
- Privatschulen wachsen: bundesweit inzwischen rund 12 % der allgemeinbildenden Schulen privat
- Mehr Bedarf für Integration/Sprachförderung: 29 % der Schüler haben Einwanderungsgeschichte
In Sachsen trifft der Tarifkonflikt der Länder diese Woche auch die Schulen: Heute legen Lehrkräfte im Raum Leipzig ganztägig die Arbeit nieder, am Freitag soll die Region Dresden folgen. GEW, Sächsischer Lehrerverband und Beamtenbund erhöhen den Druck auf die Arbeitgeber – gefordert werden 7 % mehr Lohn, mindestens 300 Euro pro Monat. Betroffen sind rund 920.000 Tarifbeschäftigte der Länder, darunter angestellte Lehrkräfte; bundesweit geht es um 2,2 Millionen Beschäftigte. In Sachsen dürfen verbeamtete Lehrkräfte (rund 42 % der etwa 34.000 Lehrkräfte) nicht streiken, dennoch rechnet die GEW mit mehreren hundert Teilnehmenden. Schulen sollen Notbetreuung anbieten; weitere Warnstreiks in Sachsen sind für die nächste Woche angekündigt.
- Dresden – Fr., 23.01.2026: 09:30 Uhr, Postplatz (Eintragung in Streiklisten vor Ort)
- Chemnitz – Di., 27.01.2026: 11:00 Uhr, Theaterplatz (Eintragung in Streiklisten vor Ort)
Quelle: GEW
Warnstreikwelle in Sachsen: Nach Dresden und Chemnitz folgt „Streiktag Bildung“ am 29.01.2026
Wie geht es weiter?
- Görlitz (Region Bautzen): 28.01., Kundgebung 11 Uhr am Marienplatz.
- Sachsenweit „Streiktag Bildung“: 29.01., zentrale Kundgebungen Leipzig 10 Uhr (Richard-Wagner-Platz) und Dresden 11 Uhr (Carolaplatz).
Warnstreik GEW: Schulplanänderungen in Leipzig, Dresden und Chemnitz
(unvollständige Liste)
Privatschulen Boomen in ganz Deutschland: jede achte Schule ist privatisiert
Die angespannte Lage an öffentlichen Schulen spiegelt sich unter anderem in einem Boom bei Privatschulen wider. Neuen Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge nimmt die Zahl der Privatschulen in Deutschland seit Jahren zu. Im Schuljahr 2024/25 gab es rund 3.800 allgemeinbildende Schulen in privater Trägerschaft, etwa 7 % mehr als zehn Jahre zuvor (2014/15: ca. 3.600 Privatschulen). Damit ist inzwischen fast jede achte Schule (12 %) eine Privatschule. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der öffentlichen Schulen um knapp 4 % zurückgegangen (2014/15 waren es gut 30.000, zuletzt noch ca. 29.000 öffentliche Schulen).
Trotz mehr Privatschul-Gründungen bleibt ihr Schüleranteil laut Destatis seit Jahren nahezu stabil: 2024/25 besuchten rund 9 % der Kinder eine Privatschule (etwa 807.900 von 8,9 Millionen), auch weil Privatschulen oft kleiner sind und Schließungen öffentlicher Schulen teils durch größere Klassen aufgefangen wurden. Regional gibt es starke Unterschiede: Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 13 % vorn, Sachsen folgt mit 12 % (Bayern: 11 %), während Schleswig-Holstein und Niedersachsen bei rund 6 % liegen. Viele Eltern nennen kleinere Klassen oder spezielle Konzepte als Motiv, zugleich kostet ein Privatschulplatz Geld: bundesweit im Schnitt 2.042 Euro Schulgeld pro Jahr, in Sachsen mit 1.270 Euro am niedrigsten.
Integration in Schulen: Vielfalt wächst, Personalbedarf auch
Die Schülerpopulation in Deutschland wird immer vielfältiger: Laut Destatis hatten 2024 29 % der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Einwanderungsgeschichte (2019: 26 %). Gleichzeitig sind Lehrerkollegien deutlich homogener: Nur rund 11 % der Lehrkräfte haben selbst eine Einwanderungsgeschichte (2019: 9 %). Damit steht fast jedem dritten Kind mit Migrationsbezug nur gut jede*r zehnte Lehrkraft mit ähnlichem Hintergrund gegenüber.
Für Schulen bedeutet das zusätzliche Aufgaben – vor allem bei Sprachförderung und Assimilation. Viele Kinder sprechen zu Hause nicht Deutsch, nötig sind Vorbereitungsklassen, „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ), Schulsozialarbeit und mehr Personal. Doch häufig fehlen genau diese Kapazitäten, sodass neu zugewanderte Kinder teils früh in Regelklassen landen, obwohl sie sprachlich noch nicht mithalten können. Der Warnstreik in Leipzig rückt diesen Druck auf das System mit in den Fokus: Höhere Löhne sollen den Beruf attraktiver machen und helfen, mehr Lehrkräfte zu gewinnen – sonst drohen bei wachsender Vielfalt und Privatschul-Trend weitere Einbußen bei Chancengleichheit und Bildungsqualität.
Insbesondere soll der Warnstreik das Bewusstsein schärfen, dass fehlende Investitionen in Bildung zulasten der Kinder gehen – besonders zulasten von Kindern, deren Lebensrealitäten und Perspektiven nicht dem „Norm“-Bild entsprechen. Schulen müssten besser ausgestattet werden: Sonst geraten Kinder häufiger ins Hintertreffen, wechseln eher auf Privatschulen – und Lehrkräfte rutschen durch Überlastung nicht selten in Burnout.