Wie geht es weiter mit dem „Hasenbau“? Die Zukunft des Wagenplatzes im Leipziger Stadtteil Rückmarsdorf bleibt weiter unklar – und die Lage hat sich nun offenbar zugespitzt. Nach Angaben des Kollektivs erhielt der Wagenplatz am 10.03.2026 Besuch von einer Security, die inzwischen auf dem benachbarten Praktiker-Gelände stationiert sei. Begleitet worden sei sie von jenem Mann, der auf dem Gelände bereits zuvor mit geplanten Baumfällungen in Verbindung gebracht worden war.
Unter dem Vorwand eines „Frühjahrsputzes“ seien die Bewohnerinnen und Bewohner des Platzes aufgefordert worden, das Gelände bis Mittwochabend zu verlassen. Das Kollektiv sieht diese Handlung als ein deutliches Signal, dass der Eigentümer nun Druck ausüben will. Von die Bewohnden ist die Aktion besonders erschütternd, weil im Austausch mit der Stadt zuletzt noch Verhandlungsbereitschaft betont worden sei. Nach Angaben des Wagenplatzes habe zugleich eine Absprache mit der Stadt bestanden, wonach der Platz bis Ende März selbstständig verlassen werden sollte.
Wagenplatz auf ungenutztem Grundstück
Seit vielen Jahren liegt das Grundstück zwischen einem verlassenen Baumarkt und einer Kleingartenanlage an der Merseburger Straße im Leipziger Westen brach. Im Frühjahr 2025 ließ sich dort ein Wagenplatz-Kollektiv nieder, um den verlassenen Raum – den „Hasenbau“ – zu nutzen.
Zunächst habe es laut Kollektiv keine Probleme mit den Eigentümern gegeben, stattdessen sogar einen „guten Austausch“. Mitglieder des Wagenplatzes hätten signalisiert, das Grundstück kaufen oder einen Vertrag zur Zwischennutzung aushandeln zu wollen. Denn das von oben wie ein grünes Dreieck aussehende Gelände ist bislang offiziell ungenutzt. Nach Angaben der Stadt Leipzig liegen bislang keine Baugenehmigungen oder Bauvoranfragen vor – mit Ausnahme einer geplanten Zaunanlage an der Ecke Merseburger-/Schomburgkstraße. Die Gespräche mit dem Kollektiv seien jedoch seitens des Eigentümers abgebrochen worden.
Eigentümer des Geländes, auf dem der Wagenplatz steht, sowie des benachbarten ehemaligen Baumarkts ist eine große Möbelhauskette. Wie aus einer schriftlichen Antwort der Stadt hervorgeht, ist geplant, dort ein Einrichtungs- und Möbelhaus zu bauen. Ein Antrag für einen Bebauungsplan wurde bereits gestellt; das Vorhaben werde vom Ortschaftsrat „grundsätzlich positiv bewertet“.
Räumung womöglich vor Baubeginn
Schon Anfang Januar, so schilderten es Mitglieder des Kollektivs, sei ein Gerichtsvollzieher vor Ort gewesen, eine Räumung sei „jederzeit möglich“. Eine Zwischennutzung bis zum tatsächlichen Baubeginn sei vom Eigentümer demnach nicht in Betracht gezogen worden. Auch die Stadt springt bislang nicht mit einem Alternativstandort ein. In der schriftlichen Antwort heißt es: „Es gibt derzeit keine Überlegungen in der Stadtverwaltung, den Akteuren des Wagenplatzes Hasenbau einen alternativen Standort anzubieten.“
Dabei ist nach wie vor unklar, wann auf dem Gelände tatsächlich gebaut werden könnte. Bis zu einer Baugenehmigung und einem realen Baustart dürfte noch Zeit vergehen. Dass Rodung und Räumung dennoch schon jetzt im Raum stehen, stößt beim Kollektiv weiter auf Unverständnis. Auch Stadtrat Volker Külow hatte darauf hingewiesen, dass auf dem Gelände womöglich 150 bis 200 Bäume unter den Leipziger Baumschutz fallen könnten. Außerdem könnten dort geschützte Tierarten wie die Zauneidechse leben.
Kollektiv spricht von Einschüchterung
Den jüngsten Besuch von Security und Begleitperson wertet das Kollektiv als Einschüchterungsversuch und Machtdemonstration gegenüber Menschen, die sich bislang kooperativ gezeigt hätten. Man werde deshalb keinen Tag früher gehen als nötig, heißt es aus dem Umfeld des Platzes. Für Donnerstag ruft das Kollektiv Unterstützerinnen und Unterstützer dazu auf, mit Taschen, Decken und Verpflegung vorbeizukommen, falls es tatsächlich zu einem früheren Räumungsversuch kommen sollte.
Geplant ist ab dem Vormittag eine kleine Küfa. Unterstüzende sind eingeladen, Essen und Getränke mitzubringen.



