Start Lufthansa: Gewerkschaft ruft Piloten zu zwei Tagen Streik auf
Artikel von: Felix Schneider
11.03.2026

Lufthansa: Gewerkschaft ruft Piloten zu zwei Tagen Streik auf

Foto: AdobeStock / Christian

Der Arbeitskampf bei Deutschlands größter Fluggesellschaft läuft: Seit Donnerstag um 0:01 Uhr befinden sich mehr als 5.000 Piloten im Ausstand. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat zu einem 48-stündigen Streik aufgerufen, der bis Freitag um 23:59 Uhr andauern soll. Betroffen sind Abflüge aus Deutschland bei der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie bei der Frachttochter Lufthansa Cargo – auch am Flughafen Leipzig/Halle stehen damit die Flugzeuge zunächst still. Erstmals nimmt auch die Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline an den Arbeitsniederlegungen teil. Die Cityline betreibt rund 30 Jets und beschäftigt etwa 500 Pilotinnen und Piloten, die Zubringerflüge für die Kernmarke durchführen. Die Lufthansa bezeichnete laut „Thüringen24“ die kurzfristige Ankündigung des Streiks als „extrem hart und unverhältnismäßig“.

Zweite Streikwelle nach gescheiterten Verhandlungen

Auslöser des Arbeitskampfes sind festgefahrene Tarifgespräche. Bei Lufthansa und Lufthansa Cargo geht es um die betriebliche Altersvorsorge, bei der Cityline um einen neuen Vergütungstarifvertrag. Bereits im September hatten sich die VC-Mitglieder mit großer Mehrheit für Streikmaßnahmen ausgesprochen. Es handelt sich bereits um die zweite Streikwelle in diesem Tarifkonflikt. Am 12. Februar legten die Piloten für einen Tag die Arbeit nieder – mehr als 800 Flüge fielen aus, rund 100.000 Passagiere waren betroffen.

VC-Präsident Andreas Pinheiro kritisierte laut „Handelsblatt„, dass auch nach dem Februar-Streik kein Angebot vorliege: „Es hilft nicht, wenn die Gegenseite nur Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber nicht über substanzielle Verbesserungen der betrieblichen Altersversorgung sprechen möchte.“ Tarifkommissionssprecher Arne Karstens stellte klar: „Jetzt reden wir erst weiter, wenn ein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt.“

Nahost-Flüge vom Streik ausgenommen

Angesichts der angespannten geopolitischen Lage im Nahen Osten hat die Gewerkschaft Verbindungen in den arabischen Raum bewusst vom Arbeitskampf ausgenommen. Nicht bestreikt werden Flüge nach Ägypten, Israel, Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate sowie weitere Länder der Region wie Jordanien, Katar und Kuwait.

Personalvorstand Michael Niggemann reagierte scharf auf die Streikankündigung: „Diese Eskalation ist in keiner Weise nachvollziehbar. Vor allem nicht in einer Zeit, in der wir mit dem Irankrieg ein neues Ausmaß geopolitischer Unsicherheit erleben und Passagiere weltweit davon betroffen sind.“ Die Konzernführung kündigte an, möglichst viele Flüge durch andere Marken der Lufthansa Group übernehmen zu lassen. In einem internen Schreiben bat die Flugbetriebsleitung Crewmitglieder nicht bestreikter Airlines, Dienste der Lufthansa zu übernehmen.

Eurowings bleibt außen vor

Die Piloten der Konzerntochter Eurowings beteiligen sich nicht an den aktuellen Arbeitsniederlegungen. Grund: Die Urabstimmung über mögliche Streikmaßnahmen läuft dort noch bis kommenden Montag, den 16. März. Betroffene Fluggäste werden laut Unternehmensangaben automatisch von der Airline kontaktiert, falls ihre Verbindung gestrichen wird. Die Lufthansa bemüht sich, so viele Flüge wie möglich durch andere Gesellschaften des Konzerns abzuwickeln.

Das Unternehmen appellierte an die Gewerkschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Wir sind weiterhin zu Gesprächen bereit und fordern die Gewerkschaft deshalb dazu auf, den Dialog mit uns wieder aufzunehmen“, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Tragfähige Lösungen ließen sich nur im direkten Austausch finden.