Sonntag, 18. Oktober 2026

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Annaberg tanzt…

...gegen Crystal, gegen Armut, für unsere Kinder. Rotarier und Lions unterstützen gemeinsam die Arbeit sozialer Einrichtungen in der Stadt.

Von Andre Kaiser

· 5 Min. Lesezeit

Vertreter des Lions Club Annaberg und des Rotary Club Annaberg übergeben Mitgliedern des CVJM Annaberg e.V. die Spende für ihr Drogenpräventionsprojekt. Foto: André Kaiser
Vertreter des Lions Club Annaberg und des Rotary Club Annaberg übergeben Mitgliedern des CVJM Annaberg e.V. die Spende für ihr Drogenpräventionsprojekt.
Foto: André Kaiser

Annaberg-Buchholz. Armut, Sucht und soziale Not sind Zustände, mit denen wohl kein Mensch direkt konfrontiert werden möchte. Doch leider sind sie überall auf der Welt allgegenwärtig und machen auch vor dem Erzgebirge bzw. der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz nicht Halt. Senioren, denen nicht genug Geld zum Leben bleibt, Eltern, denen aufgrund ihres Abgleitens in die Sucht und Kriminalität ihre Kinder entzogen werden müssen, Jugendliche, die in die Alkohol- und Drogenabhängigkeit geraten – all diese Schicksale befinden sich mitten unter uns und sind trauriger Teil unserer Gesellschaft.

Dementsprechend unerlässlich ist der Einsatz anderer, dem Ungleichgewicht entgegen zu wirken. Sehr engagiert sind hierbei seit Jahren zwei regional agierende Clubs – die Rotarier und die Lions – beide kämpfen für Gleichheit und Gerechtigkeit, rufen Veranstaltungen ins Leben, deren Erlöse für soziale Projekte eingesetzt werden und den Schwächsten der Gesellschaft helfen sollen. Ein gemeinsames Projekt ist der Benefiz-Tanzabend in der Festhalle.
Jürgen Horn und Bernd Fritsche von den Annaberger Lions: „Die Veranstaltung ist in zweierlei Hinsicht wertvoll. Zum einen können die Gäste vom Alltagsstress abschalten und den Abend genießen. Zum anderen tragen sie gemeinsam einen wichtigen Teil dazu bei, ärmeren Menschen in der Region zu helfen. Dies ist unser aller Ansinnen, dass eben Menschen vereint für andere Menschen einstehen, mit denen es das Leben nicht so gut meinte.“
In diesem Jahr brachte der Tanzabend Spendengelder von insgesamt 5.000 Euro ein. Hiervon wurde ein Teil für den weiteren Ausbau des Sinnesgartens in der Kita „Kinderoase“ gespendet, ein weiterer Teil zur Unterstützung der Annaberger Tafel verwendet.

Jürgen Horn, Präsident des Lions Club Annaberg und Bernd Fritsche, ebenfalls vom Lions Club Annaberg, sowie Andreas Engert vom Rotary Club Annaberg überbrachten bereits im November der Annaberger Tafel einen Spendenscheck in Höhe von 400 Euro. Foto: André Kaiser
Jürgen Horn, Präsident des Lions Club Annaberg (li.) und Bernd Fritsche (3.v.li.), ebenfalls vom Lions Club Annaberg, sowie Andreas Engert vom Rotary Club Annaberg überbrachten bereits im November der Annaberger Tafel einen Spendenscheck in Höhe von 400 Euro.
Foto: André Kaiser

„Was die Tafel jeden Tag leistet, ist wohl kaum mit Geld zu bezahlen. Hier können wir sicher sein, dass mit der finanziellen Unterstützung garantiert Gutes bewirkt wird“, begründet Andreas Engert vom Rotary-Club Annaberg die Entscheidung.
Etwa 280 Menschen müssen in jeder Woche das Angebot der Tafel in Anspruch nehmen, um für sich und ihre Familien das Nötigste zum Leben zu besorgen.

Die Club-Mitglieder schauen der Mitarbeiterin der Annaberger Tafel über die Schulter. Foto: André Kaiser
Die Club-Mitglieder schauen der Mitarbeiterin der Annaberger Tafel über die Schulter.
Foto: André Kaiser

„Es sind die Ärmsten der Gesellschaft“, berichtet Mike Schönfelder. Der Mitarbeiter der Einrichtung: „Zu uns kommen hauptsächlich Familien und ältere Menschen, aber auch Flüchtlinge, etwa 50 pro Woche. Die Menschen stehen teilweise schon eine Stunde vor Öffnung der Tafel an, um die Gesellschaft und das Gespräch zu suchen. Daher wird auch unsere Wärmestube immer mehr zu einem Treffpunkt kulturellen Austausches. Sicher sind wir im Vergleich zu anderen Tafeln gut aufgestellt. Dennoch wird immer wieder etwas gebraucht. Anschaffungen sind eben nur nach und nach möglich. Umso mehr freuen wir uns, dass die Rotarier und die Lions auch 2015 wieder an uns gedacht haben. So konnten wir gerade den Kindern zum Nikolaustag eine Freude bereiten und einen Ausflug auf die Moritzburg spendieren.

Ein weiterer Teil, die Hälfte des Erlöses aus dem Benefiz-Tanzabend, spendeten die Mitglieder der Lions und Rotary an den CVJM zweckgebunden für ein von diesem ins Leben gerufenes Drogenpräventionsprojekt. Aufgrund der regionalen Probleme im Umgang mit Drogen und einer gefühlt steigenden Beschaffungskriminalität suchte Andreas Engert im Namen der beiden Clubs nach einer geeigneten Aktion, welche an dieser Stelle ansetzt und effektiv greift.
„Der CVJM stellte uns ein Projekt von Daniela Ziegert vor, welches uns von Aufbau und Struktur sofort überzeugte. Vorrangig ging es zunächst darum, zu erfahren, was in den Köpfen der Kinder vorgeht. So stellten die Kleinen ihre Gedanken zum Thema Drogen bildhaft dar. Dabei war das Ergebnis völlig erschreckend, doch nicht etwa wegen der Qualität der Zeichnungen. Alarmierend daran war, mit welcher Genauigkeit die Jungen und Mädchen das Thema bis ins kleinste Detail zu Papier brachten, so dass man davon ausgehen muss, dass viele der Kleinen, die teilweise gerade einmal sieben, acht oder neun Jahre alt sind, schon jetzt mit der Teufelsdroge Crystal und ähnlichen Substanzen in Berührung gekommen sein müssen. Diese erschreckende Erkenntnis mussten Oberbürgermeister Rolf Schmidt, Vertreter der Polizei und meine Wenigkeit während der Bewertung und Prämierung der Bilder erkennen. Eine äußerst traurige und gleichzeitig erschütternde Erkenntnis, die uns veranlasst, unsere Aufmerksamkeit künftig noch intensiver dem Thema zu widmen und Erlöse von Projekten verstärkt für die Drogenprävention zu verwenden. Dabei bin ich äußerst froh darüber, dass OB Rolf Schmidt die Entwicklung bezüglich der Drogen- und Kriminalitätsproblematik in der Stadt ähnlich kritisch sieht und wir auf seine Unterstützung bauen können, da er sich ebenfalls stärker engagieren will. Darauf gab er mir seine Hand. Im Endeffekt müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass unsere Kinder unser wertvollster Schatz sind, den es gilt, mit allen Mitteln zu beschützen. Daher werden wir, zum Wohl unserer Kinder, nicht nachlassen und auch im nächsten Jahr wieder zu einem Benefiz-Tanzabend einladen. Im Frühjahr 2016 tanzt Annaberg wieder gegen Drogen.“

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