Sonntag, 18. Oktober 2026

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Aue gegen Chemnitz – Derbys mit Brisanz

Zwischen Aue und Chemnitz gab es bisher in verschiedenen Ligen und Pokalwettbewerben insgesamt 80 Pflichtspiele. Am 24. April treffen beide Teams erneut aufeinander. Gehen Sie mit uns auf eine hochinteressante Reise in die Derby-Historie

Von Redaktion Regionalspiegel

· 4 Min. Lesezeit

Derbys Aue gegen Chemnitz
Derby am 30. März 1968: Eine kampfstarke Wismutelf besiegte den amtierenden DDR- Meister FC Karl-Marx-Stadt vor 22.000 Zuschauern mit 1:0. Die beiden Ex- Auer Albrecht Müller (links) und Dieter Erler verfolgen gemeinsam mit Lothar Spitzner eine gelungene Aktion von Rudi Groß.
Foto: Archiv Bernd Friedrich

Am 24. April kommt der Chemnitzer FC zu seinem Drittliga-Punktspiel ins Sparkassen-Erzgebirgsstadion. Das Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue wird 14 Uhr angepfiffen. Seit Wochen schon sind die Fans heiß auf dieses Derby, denn in diesen Spielen steckt immer besondere Brisanz. Das hat sich über viele Jahrzehnte entwickelt.

Zwischen Aue und Chemnitz gab es bisher in verschiedenen Ligen und Pokalwettbewerben insgesamt 80 Pflichtspiele. Am 24. September 1950 wurde im damals neu errichteten Otto-Grotewohl-Stadion das erste Derby in der DS-Liga Staffel Süd ausgetragen. Zentra Wismut Aue besiegte Fewa Chemnitz vor 4.000 Zuschauern durch ein Tor von Karl Wolf mit 1:0. Zum Rückspiel kam es am 14. Januar 1951. Die 15.000 Zuschauer erlebten eine kampfbetonte Partie mit einem leistungsgerechten 2:2- Unentschieden. Aue schaffte am Ende der Saison Platz eins und stieg in die DDR-Oberliga auf, während die inzwischen umbenannte BSG Chemie Karl- Marx- Stadt noch drei Jahre für den Weg nach oben benötigte.

Die Saison 1954/55 war sehr von sportpolitischen Entscheidungen geprägt. Spieler von Dynamo Dresden mussten nach Berlin, der SC Dynamo Berlin entstand. Empor Lauter „delegierte“ Kicker nach Rostock, der SC Empor Rostock wurde gegründet. Die Sportclubbildungen in den Bezirksstädten sollten die Leistungsfähigkeit des DDR-Sports entscheidend erhöhen. In Karl-Marx-Stadt wurde der SC Wismut installiert und die zu diesem Zeitpunkt schon recht erfolgreichen Auer Fußballer sollten dorthin umziehen. Dem Protest tausender Kumpels aus den Schächten des Erzgebirges war es zu verdanken, dass ein Kompromiss gefunden wurde: Der Name bleibt, aber die Fußballer dürfen weiterhin in Aue spielen. Daraufhin wurde aus der BSG Chemie der SC Motor Karl- Marx- Stadt, der aber 1957 als Tabellenletzter abstieg. Ein Jahr später ging es sogar noch eine Etage runter und die Rückkehr ins Oberhaus gelang erst wieder 1962. Der SC Wismut dagegen feierte seine größten Erfolge: Pokalsieger 1955, im selben Jahr Gewinner der Übergangsrunde und DDR-Meister 1956, 1957 sowie 1959. Ins Lößnitztal pilgerten zu den Europacupspielen der Landesmeister oft mehr als 30.000 Zuschauer.

Entscheidungen mit großer Tragweite

Aber 1963 kam die nächste gravierende Entscheidung. Solche Städte wie Leipzig und Karl-Marx-Stadt durften nur noch jeweils einen Sportclub haben. Aus dem SC Motor und dem SC Wismut formierte sich der SC Karl-Marx-Stadt, der natürlich auch die besten Fußballer beider Mannschaften wollte, Wismut musste Dieter Erler, einen der damals technisch perfektesten Mittelfeldspieler Europas, den sehr talentierten Torhüter Manfred Hambeck und den zuverlässigen Abwehrspieler Albrecht Müller ziehen lassen. Nur der gerade als DDR-Fußballer des Jahres ausgezeichnete Manfred Kaiser durfte nach langwierigen Gesprächen letztendlich aus Altersgründen in Aue bleiben. Von nun an waren die Derbys besonders brisant und die Ergebnisse in den Jahren 1963 bis 1970 bis auf eine Ausnahme immer knapp.

Zwischenzeitlich gab es die Gründung von elf Fußballclubs, die aus den früher gebildeten Sportclubs in eine gewisse Eigenständigkeit gehoben wurden. Überraschenderweise erkämpfte sich der FC Karl-Marx-Stadt 1967 seinen einzigen Meistertitel. Ein Jahr danach mussten mit Wilfried Göcke und Karl-Heinz Zeidler erneut zwei wichtige Leistungsträger von Aue den FCK verstärken. Trotzdem stiegen die „Himmelblauen“ 1970 zum zweiten Mal aus der Oberliga ab. Am letzten Saisonspieltag wurde das anstehende Derby wegen einer Platzsperre der Karl-Marx-Städter in Halle ausgetragen. Aue gewann vor 5.000 Zuschauern mit 2:1 und verabschiedete den ungeliebten Rivalen in die Zweitklassigkeit, die diesmal aber nur ein Jahr dauern sollte.

Bis 1990 wurden es dann insgesamt 61 Derbys in der DDR-Oberliga mit 19 Siegen, 19 Unentschieden und 23 Niederlagen aus Auer Sicht. Im FDGB- Pokal trafen beide Mannschaften viermal aufeinander, wobei sich die Erzgebirger nur einmal 1954 durchsetzen konnten. In der Saison 1988/89 erreichten beide Teams das Halbfinale. Der FCK gewann vor 18.000 Zuschauern in Aue knapp mit 2:1.

Die Derbys nach der Wende

Nach der Wende gab es noch 13 Derbys mit den Vereinsnamen FC Erzgebirge Aue und Chemnitzer FC in den Regionalligen Nordost bzw. Nord, dem Sachsenpokal und der dritten Liga. Die Punktspielbilanz lautet: 6 Siege Aue, 2 Unentschieden, 3 Siege CFC. Das Landes-Pokalfinale ging 1998 und 2010 jeweils an den Chemnitzer FC, aber das erste Derby in der 3. Liga wurde am 7. November 2015 vor 12.300 Zuschauern im neuen Stadion an der Gellertstraße vom FCE mit 2:1 gewonnen. Das Rückspiel am 24. April hat für beide Vereine besonders große Bedeutung und wird deshalb mit hoher Spannung erwartet.

Bernd Friedrich

 

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