Frenzel vs. Rydzek
Schonach/ Geyer. Jetzt hat er endgültig seinen Platz in der „Hall of Fame“ der Nordischen Kombinierer sicher. Eric Frenzel erreichte in dieser Saison, was noch kein anderer vor ihm erreicht hatte. Mit insgesamt zehn Saison-Siegen und 1734 Punkten sicherte sich der Ausnahmeathlet zum Saison-Finale in Schonach/ Schwarzwald den fünften Gewinn des Gesamt-Weltcups in Folge, überflügelt damit den legendären Hannu Mannininen und krönt sich selbst zum erfolgreichsten Nordischen Kombinierer aller Zeiten. Dabei war zu Beginn des Wochenendes noch nichts entschieden.
Frenzel führte mit einem hauchdünnen Vorsprung von gerade einmal 14 Punkten vor seinem großen Widersacher Johannes Rydzek. Bedeutete, wer beim ersten Rennen am Samstag vor dem anderen die Ziellinie überquert, würde auch das gelbe Trikot des Weltcup-Führenden zum letzten Rennen am Sonntag tragen. Dabei ahnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keiner, dass die in Spannung und Dramatik kaum zu übertreffende Vorentscheidung schon am Samstag fallen sollte, ein Herzschlagfinale der beiden Überflieger der Saison mit einem überragenden Triumphator Eric Frenzel, dem tragisch gescheiterten, im wahrsten Sinne des Wortes am Boden liegenden Johannes Rydzek und großen Emotionen…
Ski an Ski bis zum Schluss
Sie waren die beiden dominierenden Kombinierer dieser Saison. Eric Frenzel und Johannes Rydzek schenkten sich nichts, lagen zum Finale in Schonach/ Schwarzwald im Kampf um die große Kristall-Kugel des Gesamt-Weltcups einen Wimpernschlag auseinander.
Entsprechend groß war die Hoffnung auf zwei spannende Wettkämpfe zum Finale. Und wie zu erwarten, wurden die Zuschauer nicht enttäuscht. Schon zum ersten Springen am Samstag schenkten sich Frenzel und Rydzek nichts, landeten beide bei 101 Metern. Da Frenzel bessere Haltungsnoten bekam, ging er mit sechs Sekunden Vorsprung vor Rydzek in die Loipe, die der Allgäuer aber schnell wettmachte. Danach liefen die beiden innerhalb des Führungspulks Ski an Ski, belauerten sich gegenseitig – nur mit dem einen Ziel vor Augen – am Ende vor dem Gegner zu bleiben. So stieg die Spannung bis zur letzten von sieben Runden ins schier Unermessliche. Wer würde wann und wo den Angriff wagen? Da keiner der beiden die Karten offen legen wollte und der gesamte Führungstross, in dem die beiden liefen, eher im Bummeltempo unterwegs war, witterte ein anderer seine Chance.
Willi Denifl zog an und konnte sich ein Stück weit absetzen. Der Österreicher sah schon fast wie der Sieger des Rennens aus, als Frenzel am letzten langen Anstieg den Turbo zündete, mit Rydzek im Schlepptau den Rest des Feldes quasi stehen ließ und Meter um Meter auf den führenden Denifl aufholte. In der letzten Kurve vor der Zielgeraden flogen Frenzel und Rydzek in dessen Windschatten schließlich am Österreicher vorbei, der dem nichts mehr entgegen zu setzen hatte.
Showdown auf der Zielgeraden
Rydzek, ganz dicht hinter Frenzel wollte ausscheren und seinen Konkurrenten überholen. Dabei geriet er auf dessen Ski, strauchelte und stürzte in den nassen Schnee. Rydzek am Boden zerstört, Frenzel unbeirrt zum Sieg. Dabei hatte der 28-Jährige zunächst gar nicht bemerkt, dass sein großer Widersacher gestürzt war. Entäuscht suchte der Allgäuer den Fehler zunächst beim Erzgebirger, was er dann allerdings schnell wieder revidierte. Dieser hatte an dem Samstag alles richtig gemacht und die Vorentscheidung im Kampf um die große Kristallkugel für sich entschieden.
Eric schreibt Geschichte
Mit 54 Punkten Vorsprung hätte Frenzel am Sonntag ein vierter Platz gereicht, um den Gesamt-Weltcup zu gewinnen. Allerdings entspricht dies nicht seinem eigenen Anspruch. Mit 30 Sekunden Rückstand auf den Zweitplatzierten Rydzek gestartet, mobilisierte der Erzgebirger in der Manier eines echten Champions noch einmal alle Reserven, fuhr den Rückstand zu und setzte sich an die Spitze, die er bis zum Ziel ausbaute und verteidigte. Damit feierte Frenzel seinen zehnten Saison-Sieg und den insgesamt 41. Erfolg in seiner Karriere, womit er einem weiteren Ziel einen gewaltigen Schritt näher gekommen ist. Denn nun trennen den Erzgebirger lediglich noch sieben Siege, bis er mit dem in dieser Statistik führenden Finnen Hannu Manninen gleichzieht, ein weiterer Rekord für die Geschichtsbücher, der rein theoretisch schon in der nächsten Saison möglich wäre. Einem Eric Frenzel jedenfalls ist alles zuzutrauen.
Helden-Empfang in der Heimat
Doch nun gilt es zunächst einmal, die Saison abzuschließen und den Erfolg zu genießen. Hierzu wird Eric Frenzel gemeinsam mit allen anderen erfolgreichen erzgebirgischen Wintersportlern am 27. März in Kurort Oberwiesenthal erwartet. Zum WM-Empfang auf der Freilichtbühne in Deutschlands höchstgelegener Stadt dürfen sich Gäste ab 17.30 Uhr auf viele emotionale Momente freuen. Nach dem sportlichen Bühnenprogramm wird es zudem ein Open-Air-Konzert mit der Band „Erzgebilly“ geben. Urlauber, Gäste und Einwohner sind herzlich willkommen, um gemeinsam mit den Sportlern zu feiern.



