Sonntag, 18. Oktober 2026

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Karl Geiger und der lange Weg zum Start in die Saison

DSV-Adler fliegt auf uns ab. Wie fühlt sich der Super-Sportler vor der neuen Weltcup-Saison, die heute am 4. November offiziell startet? Lesen Sie es in seiner ersten Kolumne - exklusiv für WochenENDspiegel.

Von Judith Hauße

· 3 Min. Lesezeit

Karl Geiger. Deutschlands erfolgreicher Skispringer schreibt eine Kolumne im WochenENDspiegel und auf www.wochenendspiegel.de Foto: peplies consult GmbH
DSV-Adler fliegt auf uns ab

Von Judith Hauße

Deutschlands erfolgreichste Skispringer fliegen auf den WochenENDspiegel ab. Nach dem wir seit 2014 Eric Frenzel – Weltmeister. Olympiasieger. Weltcup-Seriensieger – als Kolumnist für unsere Leserinnen und Leser gewinnen konnten, folgt nun ein weiterer Spitzensportler seiner Klasse: Karl Geiger. Geboren in Oberstdorf in Bayern. Auch er kann mit seinen 29 Jahren auf eine bisher erfolgreiche Skispringer-Karriere blicken: Dreimal olympisches Metall, sieben WM-Medaillen und 13 Weltcup-Siege.

Wie fühlt sich der Super-Sportler vor der neuen Weltcup-Saison, die heute am 4. November offiziell startet? Wie hat er sich darauf vorbereitet und wie reagiert er auf die Neuerungen im Wettkampf, allen voran auf den frühesten Saisonstart aller Zeiten? Aus erster Hand erfahren Sie es hier, liebe Leserinnen und Leser, in der ersten Kolumne von Karl Geiger:

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Der lange Weg zum Start in die Saison

von Karl Geiger

Oberstdorf, 8.15 Uhr – das Nebelhorn macht seinem Namen alle Ehre und ist verhüllt. Unser Mannschaftsbus kommt um die Ecke, gesteuert von unserem Co-Trainer, gut gelaunt und voller Energie, die er auch benötigt. Vor uns liegen rund zehn Stunden Fahrt auf 970 km- die Anreise nach Wisla in Polen, wo der Auftakt der vor uns liegenden Wintersaison stattfindet und uns eine erste Standortbestimmung im internationalen Vergleich geben wird. Es gilt für mich, auf der Strecke so bequem wie möglich zu reisen, was zu viert im Bus gelingen sollte. Neben meinem Heimtrainer und dem Fahrer wird nur noch mein Mannschaftskamerad Raimund Philipp dazu steigen. Beste Aussichten also für die Möglichkeit, die Beine hochzulegen und sich auf den Start der Saison einzustimmen.

Diese Fahrt ist für mich in der Tat eine Zäsur. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Die letzten Tage habe ich im Kreis der Familie genossen – bei einem Besuch mit unserer Tochter Luisa bei meinen Schwiegerleuten in Schwäbisch Gmünd unter schönster Herbstsonne.

Jetzt stehen wir vor einer bedeutsamen Saison mit Vierschanzentournee und Weltmeisterschaften in Planica- ein Programm, vor dessen physischen und psychischen Anforderungen man einen gesunden Respekt haben darf.

Ich werde nach der letzten Saison, in der ich Zweiter des Gesamtweltcups und Bronzemedaillengewinner in Peking bei den Olympischen Spielen war, immer wieder nach meinen gegenwärtigen Zielen gefragt. Was soll der Zweite wohl sagen, wenn er nach seinen Wünschen befragt wird?

Mit allen denkbaren Titeln zu antworten, liegt für den einen oder anderen vielleicht nahe, weil unser Denken immer vom noch besseren Ergebnis bestimmt wird, aber ich finde man muss sich in Realismus üben. In jeder Saison werden die Karten neu gemischt. Insbesondere ist bei uns Skispringern nie vorhersagbar, welche Athleten die Regeländerungen an der Ausrüstung am besten antizipieren. Das Skispringen ist ein komplexer Vorgang mit vielen Stellschrauben, die von Saison zu Saison neu einjustiert werden müssen. Mein Anspruch an mich selbst ist es, professionell zu arbeiten, gut in eine Saison hineinzugleiten und mich in ihr stetig zu verbessern; was dies im Einzelfall bedeuten mag, wird man sehen und hängt auch von der oft nicht einkalkulierten Leistung des Konkurrenten ab.

Vorbeiziehende Landschaften und Erinnerungen an die letzte Saison vermischen sich.

Mit dem Blick von der Autobahn auf das wunderschöne österreichische Kloster Melk, das den Eingang in die Wachau markiert, stellt sich die Erkenntnis ein, dass die Fokussierung auf die Aufgabe für mich das Wichtigste sein wird.

In der Ruhe liegt die Kraft. Ich freue mich auf diese Saison!

Herzliche Grüße

Karl Geiger

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