Die Bank und die Wende
Annaberg-Buchholz. Klaus-Peter Müller erinnert sich noch heute gern an die Erlebnisse vor 25 Jahren. Der spätere Vorstandschef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank war als Leiter der „Zentralen Abteilung zur Vorbereitung des DDR-Geschäfts“ verantwortlich für den Aufbau der Commerzbank in den neuen Ländern. „Innerhalb weniger Monate musste ich Filialen in allen größeren Städten der DDR aufbauen und dafür 1.000 Mitarbeiter finden.“ Das tägliche Geschäft mutete damals oft abenteuerlich an. Mit dem Trabant fuhr Müller beispielsweise zur Zweigstelle der Bundesbank in Gotha. Gegen Vorlage seines Personalausweises und einer Visitenkarte erhielt er einmal eine Million Mark, die er dann im Trabant zur Filiale brachte. „Ich habe mich in dem Trabi sicherer gefühlt als in jedem Mercedes, weil ja niemand darauf gekommen wäre, dass wir in diesem Auto eine Million Mark dabei haben.“
In Annaberg-Buchholz feierte die Commerzbank nun am 28. Oktober mit einem Tag der offenen Tür ihren 25. Geburtstag. Filialdirektor Holger van Dornick und Heike Hofmann-Lauer, Niederlassungsleiterin Privat-und Geschäftskunden der Commerzbank Südwestsachsen, schnitten dabei die Geburtstagstorte an und eröffneten gemeinsam mit dem Team und Kunden der ersten Stunde die Ausstellung „25 Jahre Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion“.
Möglich wurde die Wiedereröffnung des Geldinstitutes durch den Fall der Mauer und damit die Einführung der D-Mark in der ehemaligen DDR. Die Commerzbank in Annaberg-Buchholz kann aber schon auf eine viel längere Banktradition zurückblicken…
Zeitreise
Bereits im Jahr 1912 eröffnete eine Filiale des Chemnitzer Bankvereins in Annaberg-Buchholz am Markt, ab den 1930-iger Jahren an der Buchholzer Straße 2. Der Chemnitzer Bankverein hatte zu damaliger Zeit 37 Filialen in Sachsen. Zehn Jahre später – 1922 – übernahm die Commerz- und Privatbank AG den Chemnitzer Bankverein und somit auch die Filiale in Annaberg-Buchholz.
1940 firmierte dann die Commerz- und Privatbank AG um in den heutigen Namen Commerzbank AG. Nach Ende des zweiten Weltkrieges – am 18. August 1945 – wurden alle privaten Banken auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration entflochten. Die Commerzbank wurde von der neu gegründeten Sächsischen Landesbank übernommen, das Betriebsvermögen enteignet und abgewickelt. Erst die gesellschaftlichen Veränderungen von 1989/ 1990 ermöglichten einen Neubeginn für die privaten Banken im Osten Deutschlands.
Nach der Öffnung der Mauer war es für die Commerzbank selbstverständlich, an ihre einst erfolgreiche Tätigkeit anzuknüpfen. So eröffnete das Institut am 9. September 1991 ihre Filiale in Annaberg-Buchholz. Die Commerzbank hatte sich entschlossen, ihre Filialen neu zu eröffnen und so waren die Anfangsjahre geprägt von Provisorien. Auch in der heutigen Großen Kreisstadt startete die Filiale in einem Bürocontainer. Dieser stand in der Kupferstraße.
Nachdem das Gebäude am Markt 10 fertig saniert war, zog das Team um Volker Emig am 29. Januar 1993 in die neuen Räume im Stadtzentrum von Annaberg-Buchholz. Im Jahr 2004 übernahm die Commerzbank das Filialnetz der Schmidtbank. Die Annaberg-Buchholzer Commerzbank erhielt damit Zuwachs um die SchmidtBank-Filiale auf der Wolkensteiner Straße mit 8.000 Kunden. 2004 zogen die beiden Teams zusammen an den Markt 10. Filialleiter war damals Axel Rauschenbach.
Seit 2010 betreut nun Filialdirektor Holger van Dornick gemeinsam mit seinem 6-köpfigen Team in Annaberg-Buchholz rund 6.800 Privatkunden und knapp 2.000 Geschäftskunden in allen Fragen rund um Anlage, Vorsorge und Finanzierung.
Die Bank damals und heute
„Das Bankgeschäft hat sich in den vergangenen 25 Jahren natürlich stark verändert“, sagt van Dornick. „In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung war der Beratungsbedarf besonders groß. Es gab Filialen, um ein Konto zu eröffnen oder eine Überweisung abzugeben.“ Heute führen viele Kunden ihre Standard-Bankgeschäfte online oder mobil durch. Die Commerzbank hat sich darauf mit einem modernen digitalen Angebot, wie zum Beispiel der Photo-TAN, der Kontostand-App oder dem digitalen Haushaltsbuch, eingestellt. „Der Beratungsbedarf in den Filialen hat sich verschoben, heute wird zu komplexen Sachen wie Vermögensanlage, Altersvorsorge oder bei Baufinanzierungen beraten. Die Zukunft des Privatkundengeschäftes ist digital aber eben auch noch persönlich“, betont van Dornick.
Übrigens: Die Ausstellung zur Bankgeschichte ist noch bis Ende November in der Commerzbank zu sehen.
PM



