Annaberg-Buchholz. Nachdem am heutigen Montag (22. März) mehrere hundert Erzgebirger vor dem Landratsamt gegen die neuerlichen Schul- und Kita-Schließungen demonstriert hatten, äußerte sich nun Landrat Frank Vogel, der sich nach eigenen Angaben während der Proteste in einer Video-Konferenz befand, in einer schriftlichen Stellungnahme.
Der Landrat: „Ich kann die Enttäuschung der vielen Eltern über die aktuelle Entscheidung sehr gut verstehen. Für eine Öffnung von Schulen und Kitas bis zum Ferienbeginn, trotz steigender Inzidenzwerte, habe ich mich mehrfach öffentlich ausgesprochen.“ Die erneute Schließung von Schulen und Kitas habe auf Grundlage der Corona-Schutz-Verordnung das Sächsische Sozialministerium im Einvernehmen mit dem Sächsischen Kultusministerium beschlossen. Der Erzgebirgskreis habe dabei keinen Entscheidungs- und Ermessensspielraum gehabt.
Landrat Vogel:
„In der Bevölkerung gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen. Deutlich machen möchte ich hierbei, dass ich mich am Wochenende 13./14.03.2021 gegenüber vielen Lehrerinnen und Lehrern rechtfertigen musste, wieso die Schulen trotz steigender Inzidenzwerte wieder öffnen. Am vergangenen Wochenende wurde hingegen in vielen Mails kritisiert, dass die Schulen und Kitas schließen. In einem Brief an Herrn Staatsminister Piwarz hatte ich dies dann am Mittwoch noch einmal argumentativ bekräftigt. Unter anderem begründete ich dies damit, dass sich das konkrete Infektionsgeschehen in unseren Kita’s und Schulen meines Erachtens noch auf einem verhältnismäßig niedrigem Niveau bewegt. In diesem Moment war ich mir durchaus bewusst, dass die Entwicklung der Inzidenzwerte im gesamten Landkreis gegen ein weiteres Offenhalten sprechen. Es ist nicht zufriedenstellend, dass wir trotz unserer Argumentation, die Schließung von Schulen und Kitas nicht verhindern konnten. In der nun schon seit Monaten andauernden Diskussion zur Bekämpfung der Pandemie wird mir immer wieder deutlich, wie breit die Meinungen auseinandergehen. Nach wie vor erreichen mich Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern, die mir bzw. den Entscheidungsträgern auf Landesebene vorwerfen, nicht genug zu tun, um sie zu schützen. Für andere existiert der Virus nach wie vor nicht. Mit dem Grad der persönlichen Betroffenheit ändern sich mitunter aber auch die Sichtweisen der Bürgerinnen und Bürger. Diese Pandemie wird uns auch weiterhin noch viel abverlangen. Der jetzt auf Bundes- und Landesebene eingeschlagene Strategiewechsel hin zum Aufbau eines flächendeckenden Testnetzes kann ein wesentlicher Beitrag sein. Wenn sich alle regelmäßig testen, dann erhöht sich damit auch die Sicherheit aller. Der Freistaat verfolgt nach eigenen Aussagen mit dieser Teststrategie das Ziel, Schulen und Kitas auch bei höheren Inzidenzwerten verlässlich öffnen zu können und bei negativen Testergebnissen auch Handel, Dienstleistungen, Kultur oder Sport zu ermöglichen. Ich hoffe, dass die Umsetzung dieser Teststrategie auch schnell gelingt.“




