Der jüngste Terroranschlag in Europa galt der Petersburger U-Bahn. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei den Verbechern, die die Bomben gelegt haben, um bärtige Männer aus dem Süden handelt. Der Leiter der ZDF-Studios in Moskau stellte unmittelbar nach der Tat einen Zusammenhang mit dem militärischen Einsatz der Russen in Syrien und ihrem Vorgehen in Tschetschenien her. Die Anschläge waren demzufolge gewissermaßen eine zwar rechtswidrige, aber menschlich durchaus verständliche Reaktion auf die repressive Gewalt der Machthaber im Kreml. Wäre das Attentat in Deutschland erfolgt, hätten die Kommentatoren blitzschnell auf einen psychisch verwirrten Einzeltäter getippt. Andere Länder, andere Sitten. Die Erklärungsmuster der schnellschlüssigen Instantlogik werden nach den Koordinaten des Tatortes gestrickt.
In der Bundeshauptstadt denkt man nach, ob das Brandenburger Tor nun im Gedenken an die Opfer und zum Zeichen der Solidarität in den Farben der russischen Nationalfarbe angestrahlt werden sollte. Der Senat lehnt dies ab, weil Petersburg keine Partnerstadt Berlins sei und auch sonst kein Ort sei, „zu denen Berlin eine besondere Beziehung hat“. Wenn man an die zweieinhalbjährige Belagerung der Stadt im zweiten Weltkrieg mit über einer Million zivilen Toten denkt, sieht man dies vielleicht ein wenig anders. Aber zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe, haben die berliner Behörden ja gerade erst mit der mühseligen Recherchearbeit begonnen. Über Dummheit kann man sich nur fremdschämen.
Schönes wochenende, wünscht thomy




