Der Wonnemonat Mai ist auch nicht mehr, was er einmal war. Der Frühling war viel zu kalt für meinen Geschmack. In Süddeutschland ist die Obstblüte erfroren, was die Baden-Württembergische Landesregierung dazu veranlasste, das Bibberwetter als Naturkatastrophe einzustufen und den Obstbauern Hilfszahlungen für die Ernteausfälle zuzusagen. Die sogenannte globale Erwärmung scheint zumindest in unseren Breiten ein Päuschen eingelegt zu haben. Mit der Folge, dass die Tulpen außergewöhnlich lange blühten und Staatsknete nun nicht nur für die von der globalen Erwärmung geplagten Länder fließt, sondern auch für die von der temporären Unterkühlung betroffenen Landwirte.
Selbstverständlich sind ein paar ungewöhnlich kalte Wochen kein Beweis für einen langfristigen Trend. Auch ein paar Jahre steigender oder fallender Temperaturen beweisen nicht, ob sich die Erdatmosphäre erwärmt oder abkühlt. Was die Widerspiegelung des Kälteeinbruches aber wieder einmal deutlich macht, ist die Gleichströmigkeit der Berichterstattung. Wäre nämlich der April nicht ungewöhnlich kalt gewesen, sondern ein paar Grad wärmer ausgefallen als der langjährige Durchschnitt, wären die Schlagzeilen über einen neuen Temperaturrekord ausgesprochen fett ausgefallen. Der heißeste April seit zehn Jahren wäre ein überzeugendes Indiz für die globale Erwärmung gewesen; der kälteste seit fünfzehn Jahren ist ein blöder Zufall und somit keiner medialen Aufbauschung wert. Hoffentlich können wir bald die Pullover ausziehen. Vielleicht wird der Juni der heißeste seit zweieinhalb Jahren…
Schönes wochenende, wünscht thomy




