Ehrlich gesagt: Auch ich habe keine Ahnung, worum genau es beim Referendum der Türken ging. Die Macht des obersten Türken über sein Staatsvolk war auch vor dieser Abstimmung schon ziemlich groß und nun soll sie noch ein bisschen größer werden. Die Mehrheit war der Meinung, der Erdo brauche mehr und nun bekommt er eben mehr und die Bürger werden für das tolle Auszählungsergebnis belohnt. Sie dürfen demnächst sogar darüber abstimmen, ob die Todesstrafe eine notwendige Option sei. Und wenn sie darüber abstimmen möchten, ob der Südpol als erstes von einem Osmanen erreicht wurde – bitte schön. All das sind innertürkische Angelegenheiten.
Die in Deutschland lebenden auswärtigen Untertanen des werdenden Sultans hatten die Möglichkeit, über die politische Zukunft ihrer geliebten Urheimat mitzuentscheiden. Der Hälfte von ihnen war diese kleinasiatische Angelegenheit den Weg ins Konsulat nicht Wert. Die an die Urnen schritten, stimmten mit deutlicherer Mehrheit für Erdos Staatsmodell als ihre anatolischen Vettern. Jahrzehnte mitteleuropäischer Sozialisierung haben offenbar recht undeutliche Spuren hinterlassen. Aus sicherer Entfernung und aus der sozialen Hängematte heraus erscheint die Diktatur als eine durchaus edle Gesellschaft. Apropos edel: Viele der edleren Menschen haben einen Doppelpass. Ihre Stimme zählt in zwei Ländern. Aus demokratischer Sicht sind sie also doppelt so wertvoll wie ein armer Köter, dessen Ahnen nicht aus dem Nahen Osten stammen, sondern beispielsweise aus dem nahen Schlesien.
Schönes wochenende, wünscht thomy




