In dieser Woche ist der neue Bundestag erstmalig zusammengetreten. Er ist größer geworden als vorgesehen und bunter ist er auch. Seine Übergröße kann man schon aus Kostengründen bedauern. Die Parlamentarier hätten es zwar nun in der Hand, durch eine Änderung des Wahlverfahrens zukünftig die Luft aus dem Aufblähungstrend abzulassen. Ob die regierenden Parteien wirklich den Willen zu einer derartigen Reform aufbringen werden, darf lebhaft bezweifelt werden. Wer beschließt schon ein Gesetz, das seinen eigenen Arbeitsplatz in Frage stellen würde?
Die neue Buntheit hingegen ist – auch wenn sie von vielen mehr beklagt wird als die neue Masse – durchaus zu begrüßen. Sie bildet die Bandbreite des real existierenden Meinungsspektrums in seiner Bandbreite weitgehend vollständig ab. Zwei mehr oder minder sozialdemokratische Fraktionen werden flankiert von je einer sozialistischen und einer nationalkonservativen Partei links und rechts. Und für die einflussreichen Gruppen der Besserverdiener aus Wirtschaft und Finanzindustrie und die der Besserwisser aus Kunst und Medien gibt es je eine bedürfnisgerechte Spezialpartei. Theoretisch bietet diese Konstellation ideale Möglichkeiten, die etwas eingeschlafene Kultur der kursbestimmenden Debatte wieder zu beleben. Auch wenn es zurzeit mehr danach aussieht, dass die zukünftig regierenden Parteien und die Opposition von links sich auf einen gemeinsamen Kulturkampf gegen die ungeliebten Neulinge auf der rechten Seite des Parlamentes verständigt hätten: Es wird wieder spannend und unterhaltsam im Hohen Haus.
Schönes wochenende, wünscht thomy




