Wenn man den offiziellen Zahlen glauben kann, brummt die Wirtschaft im Lande wie lange nicht. Die Beschäftigtenquote ist hoch, die Ölpreise und die Zinsen sind niedrig, der Export brummt. In einer normalen Welt würden die Staatenlenker in dieser Lage wenigstens darüber reden, wie sie ihr Wahlvolk zukünftig stärker an den Ergebnissen beteiligen. Nicht so in Deutschland. Die Krankenkassen melden erheblichen Mehrbedarf an, Parteiführer denken über eine „flexible“ Gestaltung der Energiesteuern nach, weil Treibstoff zur Zeit billig ist. Die Bundesbank bringt die Verschiebung des Rentenbeginns auf neunundsechzig Jahre ins Gespräch.
Man kann getrost davon ausgehen, dass diese Ideen lediglich dazu dienen, den deutschen Michel Schritt für Schritt auf weit großkalibrigere Maßnahmen vorzubereiten. Muss die Mehrwertsteuer wirklich bei lächerlichen neunzehn Prozent bleiben? Fünfundzwanzig Prozent Aufschlag rechnet sich doch viel leichter! Eine Grundsteuererhöhung ist ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit! Schließlich profitieren Hausbesitzer dank der niedrigen Zinsen von virtuell höheren Gebäudewerten. Das Ehegattensplitting ist auch ein abschaffenswertes Relikt aus einer Zeit, in der die traditionelle Familie die Regel war. Der eigentlich befristet eingeführte Solidaritätszuschlag gehört nicht abgeschafft, sondern verdoppelt. Millionenfache Solidarität gibt es nicht zum Nulltarif.
Selbstverständlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten zur Erhöhung der Abgaben. Ende nächsten Jahres, nach den Bundestagswahlen, werden wir erfahren, welche Maßnahmen alternativlos sind.
Schönes wochenende, wünscht thomy




