Start Rechtliche Lage erklärt: Ist Online Glücksspiel in Sachsen erlaubt?
Artikel von: Redaktion Regionalspiegel
04.07.2025

Rechtliche Lage erklärt: Ist Online Glücksspiel in Sachsen erlaubt?

Auf einem Tisch liegen Spielkarten, Chips und ein Roulette-Rad. / Symbolbild für Online Glücksspiel in Sachsen
Online Glücksspiel in Sachsen (Symbolbild) – Quelle: Unsplash / Aidan Howe

In Sachsen ist Online Glücksspiel grundsätzlich gestattet. Das beschränkt sich nicht nur auf Spielhallen, sondern inkludiert außerdem Pokeranbieter und Sportwetten. Auch die staatlichen Lotterien sind digital verfügbar, wer seinen Tippschein abgeben möchte, muss nicht mehr in die Annahmestelle, sondern kann ganz bequem online tippen. Davon wird immer stärker Gebrauch gemacht, der digitale Glücksspielmarkt ist zur großen Konkurrenz geworden.

Erlaubt ist, was lizenziert wurde. Hierfür ist einerseits das Land Sachsen selbst, aber auch der Glücksspielstaatsvertrag verantwortlich. Seriös und sicher sind jedoch auch Behörden aus dem Ausland. Bislang ist noch unklar, ob diese Angebote in Sachsen ebenfalls zulässig sind.

OASIS Spielersperrdatei eng mit Glücksspielstaatsvertrag verknüpft

Die Spielersperrdatei OASIS ist mit dem Glücksspielstaatsvertrag entstanden und wird vom Regierungspräsidium Darmstadt geführt. Alle Anbieter, die eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder haben, müssen sich an OASIS anschließen. Vor jeder Teilnahme eines Spielers erfolgt ein Datenabgleich mit der Spielersperrdatei. Ist die Person dort gesperrt, bekommt sie keinen Zugang.

Über die Spielersperrdatei können Glücksspieler eine Selbstsperre beantragen, wenn sie sich in Gefahr einer Spielsucht sehen. Es ist aber auch dritten Personen (nahen Verwandten) oder Glücksspielunternehmen möglich, eine Sperre zu beantragen. Diese gilt dann nicht nur für einen Anbieter, sondern für alle, die über OASIS miteinander verbunden sind. Selbst landbasierte Spielotheken sperren diese Spieler.

Es wird allerdings in ganz Deutschland darüber diskutiert, ob es auch legale Casinos ohne OASIS geben kann. Grundlage hierfür könnte das EU-Recht sein. Der Europäische Gerichtshof beschäftigt sich mit der Frage, ob die EU-Dienstleistungsfreiheit auch im Glücksspielsektor gilt.

Darauf berufen sich nämlich zahlreiche seriöse Online-Casinos, die keine deutsche, sondern eine ausländische Lizenz haben. Sie unterliegen beispielsweise den Vorgaben der Malta Gaming Authority oder anderen seriösen Behörden Europas.

Die Dienstleistungsfreiheit ist ein europäisches Recht, das den Handel zwischen einzelnen EU-Mitgliedern regelt. Hier ist grundlegend festgehalten, dass alle Mitglieder der EU untereinander ihre Dienstleistungen anbieten dürfen. Ein Online-Shop in Spanien darf beispielsweise auf Basis dieses Gesetzes seine Waren in Deutschland anbieten und umgekehrt.

Vertreter der Glücksspielbranche sind der Meinung, dass dieses Gesetz auch für Glücksspielangebote gelten muss. Bislang schließt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder das aus und verweist darauf, dass nur GGL-Lizenzen zum Spielangebot berechtigen. Ob das aber auch vom Europäischen Gerichtshof so entschieden wird, ist fraglich. Die Fragestellung liegt seit Monaten vor, ein endgültiges Urteil ist Stand Juni 2025 aber noch nicht gefallen.

Spielbanken vs. digitale Spielotheken in Deutschland

In Deutschland ist nicht nur der Betrieb digitaler Spielotheken erlaubt, auch landbasierte Spielhallen und Spielcasinos sind legal. Es gibt im Großraum Sachsen gleich mehrere Locations, die Spielautomaten oder sogar das große Spiel (Roulette und Co.) anbieten. Beides ist erlaubt, sofern auch hier eine Lizenz vorliegt.

Verantwortlich für das landbasierte Glücksspielwesen ist das Sächsische Spielbankengesetz. Um eine Spielbank im Bundesland zu betreiben, ist eine Entscheidung des Staatsministeriums erforderlich. Es gibt aktuell drei Spielbanken in Sachsen, bis zu fünf können erlaubt werden.

Berechtigt zur Eröffnung sind ausschließlich Personen oder Unternehmen, die als zuverlässig gelten und einen ordnungsgemäßen Betrieb gewährleisten können. Konzessionen werden nur nach Antragstellung und sorgfältiger Prüfung vergeben.

Die Lizenzen für digitale Spielotheken werden von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder ausgestellt. Eine solche Lizenz oder die Eintragung in der Whitelist berechtigt nicht nur zur Durchführung digitaler Glücksspiele in Sachsen, sondern in ganz Deutschland.

Sonderregelungen auf Bundeslandebene möglich

Der Glücksspielstaatsvertrag untersagt das Angebot von Tischspielen. Theoretisch hat Sachsen die Möglichkeit, Sonderregelungen für sich zu nutzen und auch diese Spiele online anzubieten. Ausländische Betreiber bieten Tischspiele fast immer an, denn die Behörden in Malta, Gibraltar oder Curacao haben diesbezüglich kein allgemeingültiges Verbot erlassen.

Ob diese Angebote künftig zugelassen werden müssen, wird der EuGH vermutlich Ende 2025 oder Anfang 2026 entscheiden.

Digitale Anbieter als starke Konkurrenten nicht nur in Sachsen

Landbasiertes Glücksspiel in Form von Spielbanken hat (noch) Alleinstellungsmerkmale. Hier ist das große Spiel Standard, Pokerturniere locken viele Spieler an. Spielhallen in Zwickau und anderen Städten haben es hingegen schwer, die starke Konkurrenz aus dem Netz breitet sich immer weiter aus.

Für viele Spielhallenbetreiber lohnt sich der Betrieb einer reinen Automatenhalle kaum noch. Maximal 12 Automaten dürfen hier stehen, hinzu kommen hohe Mietkosten, strenge Abstandsregelungen zu Schulen und Kindertagesstätten sowie verpflichtende Schließungszeiten.

Aus Spielersicht ist es oft sinnvoller, ein Online-Angebot zu nutzen, da es überall verfügbar ist und ein erweitertes Portfolio anbietet. Wo die Spielhalle nur 12 Automatenplätze hat, sind es in der Online-Spielothek unbegrenzte Plätze. Hier gibt es keine Wartezeit oder Einlassstopps, außerdem haben die Etablissements rund um die Uhr per App oder Computer geöffnet.

Hinzu kommt, dass viele Spieler bevorzugt abends an Glücksspielen teilnehmen. Das ist für Spieler vor Ort mit gewissen Gefahren verbunden, je nach Lage der Spielhalle. Online kann der Teilnehmer sicher von zu Hause spielen und muss sich über mögliche Geldtransporte im Gewinnfall keine Sorgen machen.

Problematisch ist auch, dass die Spielhallen in Sachsen keinen guten Ruf mehr genießen. Erst kürzlich gab es Razzien in Görlitz, fünf Spielhallen wurden unter die Lupe genommen. Der Vorwurf lautet auf illegales Glücksspiel, Steuerhinterziehung und viele weitere Delikte. Solche Vorfälle führen dazu, dass Spieler immer mehr Vertrauen verlieren und landbasierten Spielhallen den Rücken kehren.

Der Onlinemarkt ist durch strenge Regulierungsbehörden in Deutschland, aber auch in Malta und anderen EU-Staaten stellenweise als sicherer zu betrachten. Lizenzierte Betriebe müssen nicht nur einmal ihre Eignung beweisen, sondern auch immer wieder zeigen, dass sie die Konzession verdient haben und behalten dürfen.

Fazit: Glücksspiel in Sachsen erlaubt, Neuerungen ab 2028 möglich!

Grundlegend ist Glücksspiel in Sachsen erlaubt, es sind ab 2028 aber Veränderungen denkbar. 2026 wird der Glücksspielstaatsvertrag evaluiert, Forderungen nach Änderungen sind bereits laut geworden. Auch die ausstehende Entscheidung des EuGH könnte dazu führen, dass sich die Dinge ändern. 

Falls entschieden wird, dass die EU-Dienstleistungsfreiheit auch das Glücksspiel einschließt, könnten viele Anbieter auf einen Schlag legal werden, die heute schon seriös sind.