Artikel von: Lucas Meyer
02.04.2026
Sachsens Kriminalstatistik 2025: Weniger Straftaten – mehr Opferschutz und sexualisierte Gewalt
Dresden, 31.03.2026. Die Polizeiliche Kriminalstatistik für Sachsen weist für 2025 insgesamt 269.050 registrierte Straftaten aus, das sind 28.935 Fälle weniger als im Vorjahr. Ohne Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsrecht fällt der Rückgang jedoch deutlich kleiner aus. Außerdem stieg die Gewaltkriminalität auf 10.090 Fälle, auch mehrere Deliktfelder gegen die sexuelle Selbstbestimmung legten zu. Innenminister Armin Schuster bewertet das Jahr dennoch als eines der sichersten im Zehnjahresvergleich und nennt Internetbetrug, Jugendgewalt und politisch motivierte Kriminalität als besondere Schwerpunkte.
Aus Sicht der Linksfraktion ist Entwarnung fehl am Platz. Der innenpolitische Sprecher Rico Gebhardt spricht allenfalls von einer „Verschnaufpause“ und verweist darauf, dass die Gewaltkriminalität bereits das vierte Jahr in Folge gestiegen sei. Auch der Rückgang bei Rauschgiftdelikten tauge kaum als Beleg erfolgreicher Kriminalitätsbekämpfung, sondern sei vor allem eine Folge der Cannabis-Teillegalisierung. Hinzu komme ein erheblicher Verfahrensstau. Laut Gebhardt waren zuletzt rund 87.500 Verfahren offen, obwohl nur abgeschlossene Fälle in die Statistik einfließen.
Auch bei dem Thema rechte Straftaten stößt die Statistik auf Widersprüche. Laut dem Foliensatz zur Kriminalstatistik sank die Zahl der politisch rechts motivierten Delikte 2025 zwar von 4.216 auf 3.406, sie bleibt damit aber auf sehr hohem Niveau. Gebhardt nennt den Wert weiter alarmierend. Juliane Nagel, queerpolitische Sprecherin der Linken, verweist zudem auf mindestens 163 queerfeindliche Straftaten in Sachsen im Jahr 2025; rund drei Viertel davon seien als rechtsmotiviert eingestuft worden. Im langjährigen Vergleich sei das der zweithöchste Wert nach 2024. Nagel warnt insbesondere vor Angriffen und Störaktionen rund um CSDs und kritisiert, dass nicht alle Taten konsequent als queerfeindlich erfasst würden.
Sachsens sexuelle Gewalt um 21,5% gestiegen – Leipzig verzeichnet 53% erhöhte Sexualdelikte
Besorgniserregend sind auch die Entwicklungen in der Kriminalstatistik bei sexualisierter Gewalt und bei Delikten, von denen Frauen besonders häufig betroffen sind. So stieg die Zahl der Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und Übergriffe in besonders schweren Fällen 2025 auf 508 Fälle, ein Plus von 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei sexuellen Übergriffen und sexueller Nötigung registrierte die Polizei mit 453 Fällen einen Anstieg um 7,1 Prozent. Hinzu kommen 900 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern (+3,3 Prozent) und 1.663 Delikte wegen Verbreitung, Erwerbs, Besitzes oder Herstellung von Kinderpornografie (+13,7 Prozent). Parallel nahmen auch Delikte wie Bedrohung, Nachstellung, Freiheitsberaubung und Nötigung auf 14.405 Fälle zu (+5,3 Prozent), allein Bedrohungen stiegen auf 9.295 Fälle (+8,0 Prozent).
In Leipzig spitzt sich der Trend bei der sexuellen Gewalt weiter zu. Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verzeichnete die Polizeidirektion Leipzig einen Anstieg von 53 Prozent. Die Zahl der Delikte lag 2024 bei 1.168 und stieg 2025 auf 1.793 gemeldete Fälle. Auch die Zahl der Totschlagsfälle verdoppelte sich von 11 auf 22. Vergewaltigungen nahmen von 126 auf 141 Fälle zu.
Der Schatten großer Fallzahlen überdeckt die Debatte und muss geziehlt durch politische und geslellschaftliche Scheinwerfer betrachtet werden. Gebhardt warnt davor, ausgerechnet bei Prävention und Opferschutz zu kürzen, obwohl gerade dort aus seiner Sicht Sicherheit praktisch hergestellt werde. Zugleich attackiert er die im sächsischen Polizeigesetzentwurf vorgesehenen KI- und Datenauswertungspläne als teure „Wunschliste“. Wie umstritten datengetriebete Polizeiarbeit ist, zeigt ein Blick nach Sachsen-Anhalt. Dort lehnten Sachverständige laut netzpolitik ein Polizeigesetz ab, das automatisierte Datenanalysen über Polizeidatenbanken hinweg erlauben soll. Sie sehen weiterhin unzureichenden Grundrechtsschutz; zudem blieb der mögliche Einsatz von Palantir als Kritikpunkt im Raum.