AnnenMayKantereit: Pocahontas beeindruckt!
Von Sven Günther
Chemnitz. Was gibt es Undankbareres, als eine Vorband zu sein? Keiner mag einen. Keiner will einen eigentlich hören. Fast alle sind genervt, weil sie doch das bekommen wollen, wofür sie bezahlt haben. Immerhin: Beim Konzert von AnnenMayKantereit dauerte die Inkommodierung der Fans durch die Kapelle Martha Gunn nur 27 Minuten. Die Schmerzgrenze für die Fans in der ausverkauften Stadthalle, in der sich die fünf Musikern mit anständigen Stimmen bemühten, die Zeit bis zum Auftritt der einzigartigen Stimme von Henning May und den Seinen mit Anstand zu füllen.
Vielleicht sollte man überlegen, den Roadies, die ohnehin alle Instrumente anspielen, die Möglichkeit zu geben, selbst zu musizieren. Man ersparte sich den fanlästigen Ab- und Aufbau. Man sparte sich 32 Minuten, bis das richtige Equipment parat steht und man ersparte der Vorband auf dem Nervkonto der Rezipienten zu landen.
So aber wurde die Aufgabe, dem Publikum einen grandiosen Abend zu schenken („Wer das erste Loch verpasst, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zurecht.“ Goethe) zu einer, der man gern das Substantiv Mammut voranstellt.
Diese allerdings bewältigte die Band auf beeindruckende Art und Weise. Die Fans gingen vom ersten Takt mit, begeisterten sich an der Stimme des Sängers, die ältere Kritiker meinen lässt, es gäbe einen Rio Reichel-Herzberg. Doch May faszinierte, sang aus ganzem Leib und tänzelte in dunklen Klamotten und schwarz-weißen Adidas Samba so unkapriziös über die Bühne, das man spürt, wie ihm die eigene Musik an den Hüften packt.
Dass die drei jungen Kölner solch erwachsene Musik machen, ist hörenswert und die Tatsache, dass Trompeter Ferdinand „Ferdi“ Schwarz brillieren kann, erfreut alle die, die handgemachte Klänge lieben. Eine Stunde dauerte das bewegte Klingen, ehe die Zugaben einsetzten, nach denen die Fans in die Nacht entlassen wurden. Der Höhepunkt: Natürlich der Hit Pocahontas
Fazit: Das Konzert von AnnenMayKantereit war ein Erlebnis. Fans werden sagen, die Band hat einen eigenen Stil. Kritiker könnten bemängeln, dass die prägnante May-Stimme den Sound so prägt, dass sich die Songs zu wenig unterscheiden. Hörens- und sehenswert ist die Band in jedem Fall und es ist schön, dass vier junge Männer so reife Musik machen. Fünf Jahre erst musizieren sie zusammen, seit zwei Jahren können sie davon leben und bedankten sich dafür bei den Fans. Man will mehr davon hören. Am besten ohne Vorband…



