3 oder 5? Eric Frenzel spekuliert
Von Eric Frenzel
Flossenbürg. Der Winter neigt sich dem Ende zu, auch wenn er für viele für uns vom Gefühl her gar nicht angefangen hatte. Mein Winter ist der Weltcupwinter, der über die Kalenderstationen Lahti, Oslo und Schonach ausklingen wird. In Finnland werden wir zunächst einen Team-Sprint starten, bevor es in die letzten fünf Einzelrennen gehen wird; dies ist zumindest der Plan. Ich glaube nach wie vor eher an die Formel „3 vor 5“, weil ich denke, dass der Weltcup in Schonach wegen Schneemangels ausfallen wird.
Auch auf die Schwarzwaldhöhen ist in den Tagen des Klimawandels nicht mehr Verlass, so dass ich davon ausgehe, dass die letzten beiden geplanten Starts in Wind und Regen untergehen.
Meine persönliche Meinung geht dahin, es auch wirklich abzusagen, statt wieder wider die Umwelt zu agieren und Tonnen von Schnee über Hunderte von Kilometern mit Lastern in den Schwarzwald zu fahren. Auch hier ist es so wie fast überall in der Gesellschaft: man weiß um die Dinge, handelt aber trotzdem weiter ohne tieferen Sinn. Der Verband und die Sportler müssen sich auf andere Szenarien einstellen und der Wintersport muss wohl auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren. Ich habe schon seit Jahren dafür plädiert, dass am Rand des Weltcupwinters, vor allem Mitte März (!) die skandinavischen und damit schneesichereren Weltcup-Standorte zum Zuge kommen sollten und dass die Rennen im Schwarzwald in die Mitte der Saison genommen werden.
Kein unwahrscheinliches Szenario ist, dass wir in zwanzig Jahren vielleicht nur noch in Skandinavien Wettkämpfe in der freien Natur vollziehen können. Wenn die Tigermücke infolge der Klimawandlungen nach Deutschland fliegt, die Eisbären sich an die Pole zurückziehen, müssen die Kombinierer ihre Schanzen und Loipen im mittleren Europa schließen.
Während ich solche Gedanken in meinem Kopf bewege, packe ich die letzten Sachen in meinen Koffer, der diesmal wieder etwas mehr fassen muss, weil es von Finnland gleich nach Norwegen geht.
Auch hier ist der Schneemangel bei uns der Grund, warum wir vom deutschen System der Heimreise nach den Weltcups abweichen. In Oslo werden wir Training auf Schnee haben.
Eine letzte Trainingseinheit im Skilanglaufzentrum Silberhütte steht heute noch auf dem Programm, auf dem letzten weißen Band, das auch in unserer Region verblieben ist, bevor es mit dem Flieger nach Finnland geht.






