Der Waschbär als Problembär
Von Sven Günther
Erzgebirge. Tippt man bei www.duden.de das Wort Problembär ein, erfährt man schnell, dass der prominenteste Vertreter dieser Spezies Braunbär Bruno war. Im Mai 2006 war Meister Petz aus Italien nach Bayern eingewandert, wurde von Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als „Problembär“ klassifiziert und schließlich von einem geheimgehaltenen Schützen via hinterlistigen Büchsenschusses zur Strecke gebracht.
Man kennt die Story. Weniger bekannt ist, dass auch das Erzgebirge nach und nach von Problembären okkupiert wird. Von vielen Problembären, von sehr vielen…
Wir schreiben vom Waschbären. Procyon lotor, wie die Lateiner sagen und man auf Wikipedia liest. Schupp, wie er altertümlich genannt wurde. Aus dem possierlichen Tierchen wird jetzt ein Politikum!
Das Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) lässt wissen: „Die Ausbreitung des Waschbären und mögliche Bekämpfungsstrategien sollen bundesweit in einer Studie untersucht werden. Einen entsprechenden Antrag von Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt unterstützten die Minister und Senatoren der Agrarressorts der Länder heute (29. September 2017) auf ihrer Herbsttagung im niedersächsischen Lüneburg.“
Bekämpfungsstrategien, weil sich der Waschbär nach Art der Karnickel vermehrt, laut ministerialer Erkenntnis „große Schäden an Gebäuden sowie im Obst- und Weinbau zu beobachten“ sind. Fakt ist, dass die Zahl der in Fallen gefangenen und dann getöteten Tiere seit dem Jahr 2000 um das 14-fache gestiegen ist.
Betrachtet man die Jagdstrecke, macht das Bärchen um das Erzgebirge noch einen Bogen. Zwar stieg die Zahl der erlegten Tiere von 1 im Jahr 2012/2013 auf aktuell 41, aber mit den Regionen Leipzig (2510 Stück), Meißen (2075) oder Bautzen (1996) ist das nicht zu vergleichen. In ganz Sachsen wurde ein Anstieg von 5305 auf 11.191 toter Waschbären registriert.
Eine Übersicht finden Sie hier: Jagdstrecke nach Landkreisen 2016 17_Waschbär
Aus welchen Gründen der Schupp in so unterschiedlicher Zahl sein Leben lässt, ist nicht gänzlich erforscht. Nahrungsangebot und Klima spielen sicher eine Rolle. Die Politiker wollen es genau wissen. Das SMUL: „Daher bitten die Agrarminister den Bund, eine entsprechende Studie zu erarbeiten und einen Erfahrungsaustausch zwischen den Bundesländern zu organisieren. Das von Sachsen vorgeschlagene deutschlandweite Forschungsprojekt soll Möglichkeiten zur Verringerung der Population des Waschbären, der in Deutschland keine natürlichen Feinde hat, untersuchen.“



