Sonntag, 18. Oktober 2026

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Psychologin, Architektin und Juristin

Irina Teichert ist Behindertenbeauftragte der Stadt Zwickau. Mit WochenEndSpiegel-Redakteurin Alice Jagals spricht sie über ihre verantwortungsvolle Tätigkeit, die sie im Ehrenamt ausführt.

Von Redaktion Regionalspiegel

· 3 Min. Lesezeit

Irina Teichert, Behindertenbeauftragte der Stadt Zwickau. Foto: Alice Jagals

Irina Teichert ist Behindertenbeauftragte der Stadt Zwickau. Mit WochenEndSpiegel-Redakteurin Alice Jagals spricht sie über ihre verantwortungsvolle Tätigkeit, die sie im Ehrenamt ausführt.

Frau Teichert, wieso stürzen sie sich ehrenamtlich in ein solches Aufgabenfeld?
Durch meine MS-Erkrankung bin ich selbst ein Mensch mit Handicap. Mir macht es Spaß, mit Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen. Zur Seite steht mir mittlerweile auch eine Sekretärin.

Was sind Ihre Aufgaben?
Ich helfe Klienten beim Ausfüllen von Anträgen oder gebe ihnen Adressen an die Hand, wohin sie sich im Falle einer juristischen Frage wenden können bzw. holen wir uns juristischen Rat. Außerdem helfe ich bei Alltagsproblemen, beispielsweise mit dem Vermieter, oder nehme Stellung bei städtischen oder auch privaten Bauprojekten. Und das alles kostenlos.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Klar. So kam eine Mutter zu mir, deren behindertes erwachsenes Kind noch bei ihr wohnt. In deren vier Wände sollten Bauarbeiten stattfinden, die das Kind nicht verkraftet hätte. Außerdem mussten Bereiche der Wohnung ausgeräumt werden, was die Mutter nicht schaffte. Also habe ich mich mit der zuständigen Gebäudewirtschaft verständigt, damit ihnen beim Umräumen geholfen wird, das Kind spezielle Ohrenschützer gegen den Lärm bekommt und der kleinen Familie Essen geliefert wird.

Haben Sie ein weiteres Beispiel?
Viele. Der Filmpalast Astoria wollte vor den Sanierungsmaßnahmen wissen, wie sie barrierefreie Sitzmöglichkeiten in den Sälen integrieren können. Und die Stadt als Bauherr vieler Projekte legt mir Unterlagen her, bei denen ich schaue, ob Barrierefreiheit gegeben ist oder nicht.

Und? Müssen Sie viel ändern?
Manchmal. Aber dann ist wieder das Problem, das solche Dinge Mehrkosten hervorbringen.

Worin sehen Sie grundsätzliche Probleme?
Ich merke, dass stückchenhaft gearbeitet und miteinander wenig kommuniziert wird. Beispielsweise ist das Garten- und Friedhofsamt für das Areal im Inneren des Schwanenteichparks verantwortlich, während für den äußeren Bereich das Tiefbauamt federführend ist. Am Ende ist es wie bei den Fahrradwegen: Überall wird ein Stückchen gebaut. Besser wäre es, ein Areal als Ganzes fertig zu kriegen. Aber das hängt auch oft mit Fördermitteln zusammen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abgerufen sein müssen.
Es kann aber auch passieren, dass Barrierefreiheit erst im Nachhinein geschaffen wird, weil vorher wohl nicht daran gedacht wurde. So wie im Rathaus. Da wurden so genannte taktile Elemente für Sehbehinderte nachträglich aufgeklebt. Das ist eben auch ein Kostenfaktor, aber er ist absolut notwendig.

Da brauchen Sie ja auch planerisches Know How.
Definitiv. Hinzu kommen juristische Kenntnisse und psychologisches Einfühlungsvermögen.

Wie viel ist der Stadt Ihre Tätigkeit wert?
Nun ja, Früher hat die Stadt rund 10.000 DM in den Haushalt eingestellt. Mittlerweile sind es 450 Euro jährlich, ich erhalte 250 Euro als monatliche Aufwandspauschale. Hinzukommen manchmal Zuschüsse, beispielsweise über den Bürgerhaushalt. Dadurch konnten wir z.B. eine Neuauflage des Behindertenführers erarbeiten. Dieser erscheint im Sommer.

Was wünschen Sie sich für Ihre weitere Aufgabe?
Dass die Menschen die Augen offen halten. Es gibt körperliche, geistige und auch psychische Behinderungen. Nur weil jemand keinen gebrochenen Arm hat, heißt es nicht, dass es ihm gut geht. Oftmals dauern daher Gespräche in den Sprechzeiten auch mal länger, eben weil den Menschen etwas auf der Seele liegt. Sprechzeiten an nur einem Tag anzubieten ist daher zu wenig. Oft habe ich schon Unterlagen mit nach Hause genommen. Das darf eigentlich nicht sein. Schließlich ist es ein Ehrenamt. Weiterhin sollte die Verwaltung strenger mit der Sondernutzungssatzung umgehen. Händler werden zwar abkassiert, wenn ihre Werbeschilder nicht ordnungsgemäß und somit nicht störend aufgestellt sind. Aber am Gesamtbild ändert sich nichts.
Außerdem wünsche ich mir mehr Feedback von den Menschen, denen wir geholfen haben. Einfach um zu wissen, ob alles gut ging.

Lieben Dank für das Gespräch, Frau Teichert.

Service
Kontakt Behindertenbüro
Verwaltungszentrum, Werdauer Str. 62, Haus 4, Eingang D (Erdgeschoss);
Tel.: 0375/ 835346

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