Sonntag, 18. Oktober 2026

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Vier Prozent radeln durch Zwickau

Bis 2030 will Zwickau Radwegenetz ausbauen - Viele Hürden müssen noch aus dem Weg geräumt werden.

Von Redaktion Regionalspiegel

· 4 Min. Lesezeit

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Zwickau.  Zwickau fährt Rad. Na ja, zumindest zu vier Prozent. „Ein Radverkehrsaufkommen von 20 Prozent wären schön“, findet Ulrich Skaruppe vom Zwickauer Tiefbauamt. Seit 1994 arbeitet er am Radwegenetz der Autostadt und dennoch sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß bei der Vorstellung des Entwurfes zum Radverkehrskonzept in dieser Woche: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Treffender wäre gewesen: Wir stehen immer noch ganz am Anfang. Kleiner Hinweis: Bis 2030 soll das Konzept fertig sein.

Ulrich Skaruppe (60), Mitarbeiter im Tiefbauamt Zwickau arbeitet seit 1994 an der Radwegkonzeption. Am Montagabend (28. November 2016) stellte er den Entwurf vor Bürgern im Rathaus vor. Foto: Alice Jagals
Ulrich Skaruppe (60), Mitarbeiter im Tiefbauamt Zwickau arbeitet seit 1994 an der Radwegkonzeption. Am Montagabend (28. November 2016) stellte er den Entwurf vor Bürgern im Rathaus vor. Foto: Alice Jagals

Warum? Die Radfahrer haben keine Lobby. Es gibt zwar unter den Zweiradfahrern immer wieder Forderungen hinsichtlich eines Radwegenetzes und einer Radinfrastruktur, aber die Unterstützung in finanzieller Hinsicht wie auch aus der Politik und konkrete Hinweise aus der Bevölkerung fehlen.  „Würde man Zwickau zu den gewünschten 20 Prozent hochkatapultieren wollen, müsste man für den Ausbau voraussichtlich einen dreistelligen Millionen Betrag in die Hand nehmen“, so Pia Findeiß.

Ein weiteres Problem: „Parkplätze“ für Räder. Gerade in der Innenstadt sind die an gewissen Punkten Mangelware. Stattdessen werden die Drahtesel an Zäunen und Baumumrandungen befestigt.

Zwickau ist eben eine Autostadt. Es gibt nicht einmal eine Radroutenkarte, geschweige denn zusammenhängende Radwege.  Zwickau liegt somit, was die Radfahreraktivität angeht, im letzten Drittel mit vergleichbaren Städten.

Zufrieden zeigt sich die Stadtverwaltung mit den bisher geschaffenen Radwegen entlang der Sternenstraße, der Werdauer Straße, dem Kreisverkehr an der Lengenfelder Straße, der Kreißigstraße, dem Dr. Friedrichs-Ring und dem Mulderadweg. Letzterer ist bei Spaziergängen und Radfahrern so beliebt, dass dieser teilweise schon zu stark frequentiert ist. „Vom Straßennetz abgelegene Wege sind sowieso die beliebtesten und sichersten Radwege“, betonte dabei Ulrich Skaruppe. „Auch 30er Zonen, Nebenstraßen und Schleichwege werden lieber genutzt. Übrigens soll auch der Weg auf der anderen Muldenuferseite ausgebaut werden. Das dürfte etwas mehr Luft verschaffen.

Radwege mit Lücken
In der Regel ist es so, dass Radwege nur im Zusammenhang mit Straßensanierungen entstehen. So wurde beispielsweise die Scheffelstraße in Eckersbach einspurig angelegt und mit einem Radstreifen versehen. Die Markierungen reichen aber immer nur bis zum erneuerten Belag.
Die Radroute auf der ehemaligen Pölbitzer Industriebahn bis zur Schubertstraße reicht derzeit ebenfalls nur bis zur Pölbitzer Straße und hört abrupt auf.
Nicht gerade sicher wird es auf Hauptverkehrsstraßen, beispielsweise auf der Crimmitschauer Straße auf Höhe der Feuerwehr. Wer hier beim Museum stadteinwärts fahrend links abbiegen möchte, hat schlechte Karten. Zu viele Hürden – in dem Falle zwei Fahrbahnen müssten überquert werden.

Hier entstehen bald Radwege
Doch keine Angst: Es ist nicht so, dass die Stadt nichts macht. Im kommenden Jahr sollen der Jogichesweg zwischen Galilei- und

Quelle: Stadtverwaltung Zwickau
Quelle: Stadtverwaltung Zwickau

Crimmitschauer Straße und die Verbindung zwischen Südblick und Bülaustraße/ Brander Marktsteig ausgebaut werden. Ebenfalls soll auf der Reichenbacher Straße in Höhe der Stiftstraße eine Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet werden. Mittelfristig könnten Maßnahmen in der Olzmannstraße, der Neuplanitzer Straße, der Bürgerschachtstraße, dem Stenner Marktsteigs und dem Marktsteig folgen.

Perspektivisch steht auch der Radweg entlang der Dresdner Straße an. „Doch der Abschnitt wird noch einige Jahre dauern“, sagt Uwe Ziesler von der Stadtentwicklung. Der Grund: Eine bloße Fahrbahnmarkierung reiche nicht. Somit müssen Grundstücke an der Straße angekauft werden. Und da es sich um mehrere Eigentümer – genau genommen sind es 20 Einzelgrundstücke von insgesamt rund 10.600 Quadratmeter für schätzungsweise 26.000 Euro –  handelt, komme man laut dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr um ein Planfeststellungsverfahren nicht herum. Weitere 85.000 Euro müssten für  Notar-, Vermessungs- und Entschädigungskosten einberechnet werden. Der zweieinhalb Kilometer lange Fuß- und Radweg selbst wird auf rund eine Millionen Euro beziffert.

Service
Die perspektivische Entwicklung der Radrouten ist in der Karte zu sehen, die zum Download unter www.zwickau.de zur Verfügung steht. Die Bevölkerung kann sich auch weiterhin mit Ideen und Anregungen einbringen. aj

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