Barmer-Rezept gegen Digitale Schädlinge!
Region. Sie stammeln, ringen um die Aussprache von Worten und sind mit den Fingern auf dem Display oft schneller als beim Sprechen. Richtig bewegen können sich unsere Kinder auch nicht mehr! Um es böswillig übertrieben, aber umso anschaulicher zu schreiben: Gestatten, die Generation der Stotterer und Stolperer kommt. Zahlen aus dem BARMER-Kinderatlas belegen das. Während im Jahr 2006 knapp 16.800 Jungen und Mädchen oder 8,6 Prozent im Alter von sechs bis zwölf Jahren eine Entwicklungsstörung des Sprechens hatten, waren es 2021 bereits 36.700 oder 14,1 Prozent.
Die Ursache Nummer 1: Wenige Worte, viel Handy, Laptop & Co. Die Jungen und Mädchen kennen zu wenige Worte, haben Schwierigkeiten bei der Satzbildung, dem Ausdruck und können manche Laute gar nicht bilden. Einige argumentieren: Das kommt davon, wenn man immer mehr nicht Deutsch sprechende Kinder aufnimmt.
Laut Experten der BARMER gäbe es dafür keine Anhaltspunkte. Vielmehr sei ein kontinuierliches Ansteigen der Defizite bereits seit 2005 sichtbar. Der Anstieg hat sich in den vergangenen Jahren sogar etwas verlangsamt.
Weder Hampelmann noch Purzelbaum
Auch der Anteil an Kindern mit motorischen Entwicklungsstörungen hat laut Auswertung im BARMER Kinderatlas deutlich zugenommen: Während im Jahr 2006 noch bei rund 6.200 oder 3,2 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen in Sachsen Defizite in der motorischen Koordination festgestellt wurden, waren es im Jahr 2021 mit rund 14.200 Kindern weit mehr als doppelt so viele. Die Diagnoserate liegt in der Altersgruppe bei 5,4 Prozent. Die Ursache Nummer 1: Wenig Bewegung, viel Handy, Laptop & Co.
„Viele Kinder können heute weder Hampelmann noch Purzelbaum. Dabei sind gut entwickelte, motorisch koordinative Fähigkeiten wichtig für Schule und Alltag“, sagt Monika Welfens, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen. Auf der anderen Seite: Wenn im Jahr 2021 rund 14.000 Kinder – und damit 5,4 Prozent – motorische Störungen haben, haben 94,6 Prozent KEINE motorischen Störungen. Die Experten der BARMER sehen das anders, warnen vor dem negativen Trend und sagen: „Besorgniserregend sind die über die Jahre steigenden Betroffenenzahlen.“
Rezepte haben die Gesundheits-Fachleute auch
Eltern sollten die Entwicklung ihrer Kinder von Anfang an aktiv unterstützen, indem sie sich mit ihnen altersgerecht unterhalten, singen, spielen und Geschichten vorlesen. Fernseher, Computer und Handy kann und darf die direkte Kommunikation nicht ersetzen, da die Reizüberflutung Kinder belasten kann. Bei Sechs- bis Elfjährigen wird höchstens eine Stunde am Tag für Fernsehen und Smartphone empfohlen.
Dazu darf Bewegung im Alltag nicht fehlen. Spielen, Klettern, Radfahren oder Rennen, idealerweise bewegen sich Kinder jeden Tag mindestens eine Stunde an der frischen Luft. Das bringt den Kreislauf auf Trab, fördert die motorischen Fähigkeiten und stärkt die gesamte Körpermuskulatur. Auch die Bauch- und Rückenmuskulatur, die besonders wichtig für eine gute Haltung und einen schmerzfreien Rücken sind, werden gestärkt. Viele Kinder stärken ihre Muskeln ganz einfach beim Spielen, Springen, Klettern und Radschlagen, intuitiv mit dem eigenen Körpergewicht.



