Sonntag, 18. Oktober 2026

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Wirtschaft wird zur Großbaustelle

Von Judith Hauße

· 4 Min. Lesezeit

V.l.: Christoph Neuberg (IHK) und Frank Wagner (HWK) präsentierten die Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage 2023. Fotos: Judith Hauße

Herbst-Konjunktur: Rezessionsängste statt Aufatmen

Chemnitz. Weil es in den letzten Jahren immer genügend Lehrlinge im Bauhauptgewerk gab, war die Entscheidung über den Neubau einer Straßen- und Tiefbauhalle auf dem Gelände der Handwerkskammer Chemnitz einstimmig gefallen, erzählt Sven Wittig, Leiter Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer bei einer Führung durch die neue Halle. Kurz zuvor präsentierten die HWK und Industrie- und Handelskammer die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage für die Wirtschaft im Herbst.

„Krise ist nun gänzlich in der Wirtschaft angekommen“

Für den Bereich Ausbildung machte HWK-Präsident Frank Wagner hier allerdings auch deutlich, dass die Zahlen der geschlossenen Ausbildungsverträge (2.043) mit Vergleich zum Vorjahr zwar weiterhin auf einem guten Niveau liegen, man dennoch gleichzeitig eine rückläufige Tendenz beobachtet. „Die Krise ist nun gänzlich in der Wirtschaft angekommen“, betont Wagner. „Gerade der Baubereich, der in den letzten Jahren eigentlich jeder Krise getrotzt hat und der Konjunkturmotor des Handwerks war, leidet enorm unter der zurückgehenden Nachfrage und hohen Materialkosten.“
Die Entwicklung am Lehrlingsmarkt der letzten Jahre sei den Worten des Kammer-Präsidenten nach zu urteilen, der wohl einzige Strohhalm in der momentan schwierigen Wirtschaftslage. Denn nur zu deutlich vermittelte Wagner gemeinsam mit Christoph Neuberg, Hauptgeschäftsführer Standortpolitik der IHK Chemnitz ein eher zurückhaltendes Bild für die regionalen Handwerks- und Industriezweige. Einige von ihnen hätten sich zwar aufgrund der sinkenden Energiepreise stabilisiert, wie Wagner für das Handwerk spricht, etwa die Nahrungsmittelbetriebe oder der KfZ-Bereich. Dennoch würden auch hier die Geschäftserwartungen rückläufig bleiben. Nur noch knapp die Hälfte (48 Prozent) der Betriebe bewerten ihre Lage als gut und 37 Prozent als befriedigend.

„Wir brauchen Lösungen statt politische Zurückhaltung“

Momentane Preissteigerungen, Materialengpässe, Auftragsrückgänge sowie die anhaltende Konsumflaute machen sich auch in den IHK-Branchen bemerkbar. Rückgänge sind besonders in den Bereichen Industrie (31 Punkte zur Vorumfrage), Einzelhandel (29 Punkte) und Verkehr (25 Punkte) zu sehen, wie Christoph Neuberg die Lage beschreibt. „Während im Bau etwa steigende Zinsen und hohe Materialkosten Sorgen bereiten, die Verkehrsbranche der Kostensteigerung durch anstehende Mauterhöhung gegenübersteht, sieht die Gastronomie dem wieder steigenden Mehrwertsteuersatz sorgenvoll entgegen.“
Zudem spielen die sinkenden Auftragseingänge der Industrie aus dem Ausland eine immer größere Rolle als Risikofaktoren. Größere Investionen würden gemieden, Personal konstant gehalten und verstärkt Fachkräfte benötigt.

IHK und HWK zeigen sich vor allem unzufrieden mit der politischen Zurückhaltung und gehen – mal wieder – mit einem unguten Gefühl in die Wintermonate. „Unsere Befürchtungen für den letzten Winter sind glücklicherweise nicht eingetroffen. Heute stehen wir jedoch erneut vor einer großen Unsicherheit“, sieht Neuberg den nächsten Monaten eher realistisch statt optimistisch entgegen.
Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz, fasst die Umfrage so zusammen: „Die Ergebnisse der Konjunkturbefragung sind ein Weckruf. Nach den überstandenen Krisen der letzten Jahre bedeuten sinkende Umsätze für viele Unternehmen, deren Kapitalrücklagen durch Pandemie und Kostenexplosionen aufgezehrt sind, eine ernste Existenzbedrohung.

Bessere Bedingungen für Ausbildung

Im „Sandkasten“, wie Sven Wittig die neue Straßen- und Tiefbauhalle bezeichnet, lernen aktuell 24 Azubis auf rund 1.050 Quadratmeter Fläche, gut 520 Quadratmeter ist der Buddelkasten für Azubis in dem bis zu 1,25 Meter tief für Kanal- und Schachtarbeiten gegraben werden kann. „Wir haben jetzt viel mehr Platz“, freut sich auch Ausbilder Philipp Schade, der gerade seinem Lehrling, dem 18-jährigen Chris Gründel das Verlegen von Natur- und Schuppenpflaster erklärt. „Und im Gegensatz zu vorher, haben wir nun alle Materialien direkt am Platz. Das ist ein großer Zeitgewinn.“

V.l.: Chris Gründel (18 Jahre) und Ausbilder Philipp Schade beim Verlegen von Naturpflaster in der neuen Halle an der Limbacher Straße 195.

Dazu gehört auch die bessere Verteilung der Lehrlinge. „Vorher mussten wir alle in Gruppen aufteilen. Jetzt können mehr Auszubildende gleichzeitig auf der Fläche sein.“
Mit der neuen Halle wurden so bessere Bedingungen für die Ausbildung im Bauhauptgewerke geschaffen. Dass das so bleibt und die Zahl der Auszubildenden in den nächsten Jahren nicht stagniert, hofft auch der Handwerkskammerpräsident. „Wir brauchen statt Einsparungen oder programmatischen Diskussionen vielmehr zielführende und kurzfristige politische Entscheidungen bei Investitionen, Fachkräftemangel und dualer Berufsausbildung, Digitalisierung und Bürokratieabbau, die der Wirtschaft im Ganzen helfen und nicht einzelne Bereiche bevorzugen.“

Die neue Straßen- und Tiefbauhalle der HWK ist ein rund 1.050 Quadratmeter großer „Buddelkasten“ füt Azubis.

Text: Judith Hauße

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