Filzteich: Entwarnung nach Gift-Artikel
Es sei mucksmäuschenstill gewesen, sagt Janice Kaiser, Geschäftsführerin der Stadtwerke Schneeberg, als sie am vergangenen Samstag beim großen Anbaden am Filzteich zum Thema „Giftige Chemikalien im Filzteich-Zufluss“ sprach.
Was war passiert?
Vorausgegangen war ein Artikel in der Freien Presse am 4. Mai, der eben diese Überschrift trug. Hier sei von sogenannten PFAS die Rede gewesen, die nach Angaben des „Forever Pollution Project“ im Filzbach in überhöhter Menge (37.0000 Nanogramm) aufgefunden wurden, dem Fließgewässer, das in den Filzteich mündet. Zwei Tage vor Start der Bade- und Eventsaison sorgte das in der gesamten Region für Aufregung. WochenENDspiegel sprach mit den Stadtwerken Schneeberg, die kurz nach Erscheinen des umstrittenen Artikels Stellung bezog. „Wir erhielten Anrufe von Menschen aus Stollberg bis sogar nach Reichenbach, die allesamt besorgt waren“, erinnert sich die Chefin der Stadtwerke an die Tage vor dem Anbaden am 6. Mai. Der Journalistin sei vermutlich nicht die Dimenson bewusst gewesen, die so ein Bericht bei den Menschen aus der Region auslöst, wie Janice Kaiser mutmaßt.
Bürgermeister Seifert: „Das ist rufschädigend gewesen“
Ingo Seifert, Bürgermeister der Stadt Schneeberg weiß: „Der Filzteich ist ein Wahrzeichen unserer Stadt. Viele Menschen verbinden ihre Kindheit mit dem Filzteich.“Noch bevor die Badesaison offiziell am Samstag (6. Mai) eröffnet wurde, gaben die Stadtwerke Schneeberg, die den Filzteich betreiben, Entwarnung. „Von einer gesundheitlichen Gefährdung der Badenden ist nicht auszugehen.“
Auch der Betreiber des Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) „Am Filzteich“, Frank Löffler berichtet von besorgten Anrufern, darunter auch Lehrer. „Da wir in unmittelbarer Nähe zum Filzteich liegen, leben wir ein Stück weit auch von diesem. Mehr als 20.000 Gäste beherbergen wir in der Sommerzeit.“ Stornierungen konnten aufgrund der Entwarnung glücklicherweise bisher abgewendet werden, wie Löffler sagt.
Weitere Untersuchungen veranlasst
Um die dennoch mitunter verängstigten Badegäste zu beruhigen, wurden kurz nach Erscheinen des Medienberichtes Proben von Sediment und Wasser am Filzteich zur Untersuchung auf PFAS an das Umweltamt nach Chemnitz weitergegeben. „Bereits 2021 sind mit Absprache des Gesundheitsamtes Proben entnommen wurden. Diese lagen für den Filzteich bei < 100 Nanogramm pro Kilogramm, womit sie als unbedenklich eingestuft wurden.“

Wie das Landratsamt des Erzgebirgskreis mitteilte, sei mit der Änderung der Trinkwasserverordnung eine Neuaufnahme der PFAS (per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen) bei den zu untersuchenden Parametern vorgesehen. Beim regelmäßigen Konsum von mit PFAS-belastetem Trinkwasser ist eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit nicht auszuschließen. Anders verhalte es sich allerdings beim Wasser eines Badegewässers. „Hier sieht die Sächsische Badegewässerverordnung keine Untersuchung auf PFAS vor“, wie Janice Kaiser erklärt. Um die mitunter verängstigten Badegäste dennoch zu beruhigen, wurden nun Proben von Sediment und Wasser am Filzteich zur Untersuchung auf PFAS an das Umweltamt Chemnitz weitergegeben. Diese hätten es nur noch einmal bestätigt:
„Keine Gefahr für Badegäste!“
Janice Kaiser. Geschäftsführerin Stadtwerke Schneeberg
Für die Zukunft wolle man sich noch einmal mit dem Gesundheitsamt beraten, ob man nicht halbjährlich freiwillige Untersuchungen in Auftrag geben wolle.
Die im Artikel genannten Werte von 37.000 Nanogramm pro Kilogramm stammen von Proben, die in deutlicher Entfernung zum Filzteich aus Sediment entnommen wurden.
Damit die Gäste beim Anbaden am Wochenende eine Vorstellung von der tatsächlichen Belastung durch die o.g. Werte bekommen konnten, machte Stadtwerke-Chefin Janice Kaiser den Vergleich mit einem handelsüblichen Glas: „Dieses wäre bei der 23 Hektar große Fläche des Filzteiches mit einem Fassungsvermögen von 370.000 Kubikmetern Wasser nicht ansatzweise halb gefüllt.“
Über 2.000 Gäste beim Anbaden

Janice Kaiser sei froh, dass trotz der negativen Schlagzeile über 200 Badelustige am Samstag ins kühle Nass sprangen. Trotz 16 Grad Celcius Wassertemperatur war die Stimmung ausgelassen. Insgesamt zählten die Veranstalter über 2.000 Besucher.
Weiter gehts am 13. Mai mit dem Filzteichlauf der Erzgebirgischen Schulmeisterschaften./



