Wovon die Seele sich nährt

Eine dörfliche Sportgaststätte auf den ersten Blick. Wer das Restaurant in Leukersdorf betritt, begibt sich auf eine kulinarische Reise um die Welt.
Dörfliche Gemütlichkeit auf den ersten Blick, wenn man sich der Sportgaststätte Leukersdorf nähert. Die logischerweise direkt am Sportplatz gelegen ist. Wintergarten, Kegelbahn mit zwei Doppelbahnen, ein gut gefüllter Gastraum. Es ist Donnerstag – Spezialitätendonnerstag. Und hier kommt der feine, überraschende Unterschied zu einer normalen Dorf-Sportgaststätte mit Schnitzel, Kartoffelsalat und Soljanka. Aktuell ganz beliebt auf der Karte: eine Collage aus Pfifferlingen, Apfelspalten – gebraten in Estragonbutter – mit Linguine-Nudeln und gebackenem Rucola. Pure Genussmomente werden hier serviert, der Gaumen der Gäste wird durch ganz besondere kulinarische Freuden verwöhnt. Es sind Leckereien aus aller Herren Länder.
Die ganze Welt in einer Küche vereint
Bei aller Weltoffenheit: hier fließt eine lange Familientradition in die Küche ein. Urgroßmutter Marline Ludwig, früher selbst Inhaberin einer Sportgaststätte, ist die Königin der Rouladen und Wickelklöße. Enkelin Claudia, seit 2012 Inhaberin der Sportgaststätte, steuert ihre Kochkünste bei, die durch allerlei Lebenserfahrungen geprägt sind. Ihre Ausbildung machte die heute 41-Jährige im Stuttgarter Raum im renommierten Sternehaus „Adler“ in Asperg. Hier lernte sie die klassische französische Küche von der Pike auf. Aber auch italienische, asiatische, indische und kubanische Einflüsse würzen die Speisen. Für Claudia Lappöhn ist die Küche einfach ein Spielplatz der Möglichkeiten, auf dem sie mit ihrem ganzen Team viel ausprobiert. Hier lebt sie die Erinnerungen an ihre Studien-Weltreisen auf dem Teller aus. Im Jahr 2005 weilte sie zum Beispiel mit ihrem Mann Mario in Kuba, im Jahr darauf in Indien. Jeweils für drei Monate tauchten beide in die Kultur des anderen Landes – auch die Kochkultur – ein. Es ging für beide nicht nur hinaus in die Welt, sondern eben auch hinein in fremde Küchen. So lebt das Paar seine Abenteuerlust aus und stillt den Wissensdurst.
Unsere Heimat, die Erzgebirgsregion wollen wir kulinarisch für den Gast erlebbar machen. Die Geschichte wird also in leckeren Happen auf den Tellern serviert.
Wie man Historie auf den Teller bringt
Claudias Leidenschaft ist jedoch nicht aufs reine Kochen begrenzt. Immer wieder entwickelt sie Ideen, köchelt sie weiter, um sie genussreich zur Vollendung zu bringen. Das nächste Projekt in der Sportgaststätte ist in Vorbereitung. „Unsere Heimat, die Erzgebirgsregion wollen wir kulinarisch für den Gast erlebbar machen. Die Geschichte wird also in leckeren Happen auf den Tellern serviert“, erzählt die Kochkünstlerin. Jetzt, während der Vorbereitungen, geht man zum Beispiel der Frage nach, wie die verschiedenen Berggeschreye, die Besiedlungszeiten des Erzgebirges, die Kulinarik geprägt haben. Im 30jährigen Krieg etwa gewann auch hier die Kartoffel an Einfluss. Andere Bevölkerungsgruppen bevorzugten Griesgrütze mit Trockenfleisch. Die Sudeten lehrten den Erzgebirgern die Liebe zu Knödeln oder auch süßen Klößen. Noch tüftelt die Küchenmeisterin an ihrer Idee, wie sie den Gästen die Historie schmackhaft auf den Tisch bringt.

