Start Veilchen drehen das nächste Spiel
Artikel von: Redaktion
17.09.2023

Veilchen drehen das nächste Spiel

Jubel, gerade hat Joshua Schwirten (Bildmitte) das 2:1 erzielt. Foto: Steffen Colditz

Die Veilchen reiten weiter auf der Euphoriewelle und bleiben in der 3. Liga weiterhin ungeschlagen. Im Ostduell gegen den Halleschen FC drehten die Lila-Weißen erneut einen Rückstand in einen Sieg. Wieder bewies Veilchen-Trainer Pavel Dotchev den richtigen Riecher und wechselte in der zweiten Hälfte die Schützen für die entscheidenden Tore ein. Unser Spielbericht.

Zwei Legenden beenden ihre Spielerkarriere

Emotional wurde es für die Veilchenfans und zwei ehemalige Leistungsträger der Lila-Weißen schon vor der Partie. Jan Hochscheidt und Philipp Riese, die gemeinsam insgesamt 473 Pflichtspiele für die Veilchen bestritten, beenden ihre Spielerkarrieren. Vor den Fans wurden beide gebührend für ihre Leistungen für den Verein gewürdigt. Abräumer Riese kam 2015 nach Aue und war elementarer Teil der Aufstiegsmannschaft, die unter Pavel Dotchev 2016 den direkten Wiederaufstieg in die 2. Liga schaffte. Mit seiner Zweikampfstärke und unermüdlichen Laufbereitschaft war er auch im Unterhaus nicht aus der Startelf der Veilchen wegzudenken. Mittelfeldkollege Jan Hochscheidt spielte insgesamt neun Jahre in lila-weiß. Mit den Veilchen schaffte er den Aufstieg 2010 und hielt sechsmal im Lößnitztal die Klasse. Die beiden Mittelfeldspieler bleiben dem FC Erzgebirge in anderer Funktion erhalten.

Baumann bestraft Männels Fehler eiskalt

Danach rollte im Erzgebirge der Ball. Gegen den Halleschen FC nahm Veilchen-Trainer Pavel Dotchev nur eine Änderung in der Startelf vor. Steffen Nkansah rückte in die Innenverteidigung und sollte sich hier seinen alten Teamkollegen Dominic Baumann im HFC-Sturm aus dem Spiel nehmen. Vor toller Kulisse und bei bestem Fußballwetter ging es in die Partie und die Veilchen hatten nach vier Minuten die erste gefährliche Torchance. Nach einer Ecke von der rechten Seite und einer Hereingabe kam Boris Tashchy im Zentrum zum Kopfball, brachte die Kugel aber nicht gefährlich auf den Hallenser Kasten. Die erste Offensivaktion der Saalestädter folgte nur wenige Minuten später. Baumann legte sich den Ball am Strafraum zurecht und sein Flachschuss zischte am linken Pfosten vorbei.

Marcel Bär macht den Deckel drauf. Foto: Steffen Colditz

Trotz des stürmischen Auftakts bekamen die Fans im Lößnitztal nur wenige Torraumszenen in der ersten Hälfte zu sehen. Die beiden ostdeutschen Traditionsvereine neutralisierten sich im Mittelfeld und kamen nur selten in aussichtsreiche Abschlusssituationen. Die Veilchen bemühten sich vor den heimischen Fans das Spiel zu kontrollieren, während die Gäste auf schnelle Umschaltsituationen lauerten und die Lila-Weißen hoch anliefen und ins Pressing zwangen. Bereits 20 Minuten waren gespielt, da konnte sich Sean Seitz auf der linken Seite befreien, seine scharfe Hereingabe konnte ein Hallenser Abwehrspieler gerade noch zur Ecke klären. Seitz blieb der Aktivposten auf der linken Seite. Nach der anschließenden Ecke kam der Auer Flügelspieler vor dem Strafraum auf halblinker Position zum Abschluss, aber konnte Müller im Tor nicht überwinden.

0:1 in der ersten Halbzeit

Die Saalestädter standen defensiv geordnet und stabil und mit eiskalter Präzision bestrafte die Gäste den einzigen Fehler, den der FC Erzgebirge anbot. In der 25. Minute geriet Martin Männel ein Abschlag viel zu kurz und Halle schaltete schnell. Marco Wolf leitete den Ball sofort zu Torjäger Baumann weiter, der vor dem Tor die Ruhe behielt und den Ball im linken untereren Eck versenkte – 0:1. Ein unnötiges und vermeidbares Gegentor und die Veilchen hatten Glück, dass der HFC nicht erhöhte.

In der 35. Spielminute bekam Wolf den Ball in den Fuß und ging mit viel Tempo in Richtung Tor. Mit einer starken Grätsche konnte Nkansah den Schuss des Hallensers im letzten Moment noch entschärfen. Erst in der Schlussphase der ersten Hälfte drehten die Veilchen auf, um nicht mit einem Rückstand in die Pause zu gehen. Wieder war es Seitz, der einen Freistoß nah an der Strafraumkante gefährlich auf das kurze Eck zirkelte und Müller zu einer Glanzparade zwang. So ging es mit der Führung für die Gäste in die Pause.

Pavel Dotchevs goldenes Händchen

Nach dem Seitenwechsel hatten die Saalestädter eine weitere gute Gelegenheit. Nach einer Ecke konnte Baumann im Fünfmeterraum den Ball behaupten und aus spitzem Winkel zum Abschluss kommen. Martin Männel war zur Stelle und blockte den Schuss des HFC-Stürmers. Wie im ersten Durchgang taten sich die Veilchen enorm schwer mit der kompakten Abwehrreihe der Gäste und eine zündende Idee kam den Lila-Weißen dabei nicht. Nach 59. Minuten hatte Pavel Dotchev genug gesehen und wechselte gleich dreimal durch. Joshua Schwirten, Steffen Meuer und Marvin Stefaniak kamen in die Partie und der Veilchen-Trainer bewies erneut sein goldenes Händchen.

Meuer sorgt für den Ausgleich

Und gleich mit dem ersten Ballkontakt sorgte Joker Steffen Meuer für den Ausgleich. Marvin Stefaniak zirkelte eine Ecke von der rechten Seite hoch und weit in den Strafraum der Gäste. In der einstudierten Variante blockte Steffen Nkansah vor und aus dem Rückraum kam Steffen Meuer frei zum Abschluss. Der Stürmer knallte das Spielgerät volley in die Maschen und erzielte obendrein seinen ersten Pflichtspieltreffer für die Veilchen – 1:1. Über 60 Minuten hatten die Rot-Weißen aus der Saalestadt die Partie gut unter Kontrolle gehabt, doch mit dem Ausgleich der Veilchen kippte das Spiel. Die Lila-Weißen kombinierten sich über Meuer und Maxi Thiel an den Strafraum und der nächste Einwechselspieler versuchte sein Glück.

Müller im HFC-Tor war zur Stelle und hielt den strammen Flachschuss von Thiel noch fest. Zehn Minuten später konnte er den Ball nur noch aus den Maschen fischen. Nach einer Flanke von Tim Danhof köpfte Ex-Veilchen Tom Baumgart den Ball aus der Gefahrenzone aber direkt vor die Füße von Joshua Schwirten. Der Neuzugang aus der Domstadt, der bereits gegen den SV Sandhausen das Spiel mit seinem Treffer entscheiden konnte, legte sich den Ball zurecht und zog ab. Müller machte sich lang und länger, aber das Spielgerät war perfekt platziert und schlug im linken unteren Eck ein – 2:1.

Halle bleibt vor dem Strafraum stecken

Die Entscheidung war das aber noch nicht. Der HFC wollte sich nach einem mehr als respektablen Auftritt die Punkte nicht aus der Hand reißen lassen. Die Rot-Weißen liefen an, blieben aber wie die Veilchen in der ersten Halbzeit immer wieder vor dem Strafraum stecken. Erst in der Nachspielzeit kam der HFC noch zu einer Torchance, aber die hatte es in sich. Nach einer Hereingabe von links brachte Kapitän Jonas Nietfeld den Ball auf den Kasten. Mit einer Glanzparade parierte Martin Männel und bügelte damit seinen Patzer aus der ersten Hälfte wieder aus. So sorgten die Veilchen für den Schlusspunkt. Maxi Thiel und Marcel Bär konterten die hoch aufgerückten Hallenser aus und Bär blieb frei vor Müller eiskalt und vollstreckte zum 3:1.

“Dass wir so ein Spiel noch gedreht haben, zeigt einfach die Moral der Truppe und es freut mich natürlich, dass ich auf dem Platz stehen durfte. Die Stimmung auf den Rängen war stark. Es macht einfach Spaß, hier zu spielen. Und wir wollen die Euphorie natürlich so lange es geht weiter tragen und mit der Unterstützung, die wir hier haben, hat es jeder Gegner schwer”, sagte Abwehrspieler Steffen Nkansah nach dem Spiel.

Text: Max Richter